Eisenach 1800 – 1849

1800
in Eisenach leben rund 8000 Einwohner.

1805
Das Frauental, zwischen Eisenach und der Hohen Sonne gelegen, wird zu Ehren der Herzogin Maria Paulowna in Mariental umbenannt.
6.12. – Die Landespolizeidirektion richtet für das Gesindewesen in und um Eisenach ein Gesindebüro ein.

1806 – 1813
Eisenach ist während der Napoleonischen Kriege Hauptetappenort der durchziehenden Armeen.

1806, 15.10
Leutnant Hellwig befreit mit seinen 55 Husaren bei Eichrodt 9.000 gefangene Preußen von den Franzosen. Daran erinnert heute noch ein Gedenkstein vor dem Ortseingang nach Wutha.

1807, 23.7.
Kaiser Napoleon passiert unter Glockengeläut Eisenach.

1808, 27.9.
In den Morgenstunden trifft erneut Kaiser Napoleon in Eisenach ein. Er wird bei seinem Kurzaufenthalt durch den Stadtrat und Herzog Carl August empfangen. Wiederum unter Glockengeläut kommt Napoleon am 13. Oktober desselben Jahres nach Eisenach. Ihm zu Ehren bildet sich ein festliches Spalier vom Sonnabendsmarkt durch die Judengasse. Er ist an diesem Abend Gast des Herrn Streiber (jetzt Karlstraße 3).

1810, 1.9.
Bei einem durch die Stadt geführten französischen Munitionstransport gehen drei mit Munition beladene Wagen in die Luft. Die Explosion fordert 62 Tote. An dieses Ereignis erinnern noch heute der Schwarze Brunnen in der Georgenstraße und das traditionelle jährliche Läuten der Glocken. 
(1.12.) – Unter Trommelschlag und in Begleitung von französischer Gendarmerie und Stadtmiliz werden sämtliche in Beschlag genommene Fabrikate englische Herkunft aus der Stadt gebracht und öffentlich verbrannt.

1811, 7.12.
Wegfall des Leibzolls für durchreisende Juden

1812, 7.4.
Alle Reden, Gespräche und Urteile mit politischem Inhalt werden v.a. in den Gasthäusern verboten.

1813, 1.1.
Eisenach erhält ein eigenes Kriminalgericht.
19.4. – Einrichtung eines neuen Stadtgerichts.
23.6. – Der neue Stadtrat nimmt seine Geschäfte auf.
27.10. – Preußische Truppen unter Feldmarschall Graf Neidhard von Gneisenau beziehen ihr Hauptquartier im Eisenacher Schloß.

1814, 29.6.
Das bislang gestattete Tabakrauchen auf Straßen und öffentlichen Plätzen wird in Eisenach verboten.
14.7. – Zar Alexander I. von Rußland erreicht in den Abendstunden Eisenach.

1816
1.1. – In der städtischen und herzoglichen Verwaltungsstruktur werden Veränderungen vorgenommen. 
2.1 – Das durch den französischen Rückzug (25.-27.10.1813) ruinierte und abgebrannte Männersiechen, das Hospital zu St. Clemens ist wieder neu aufgebaut.
16.1. – Das Eisenacher Land wird in Ober- und Unterland eingeteilt.
5.5. – Großherzog Carl August gibt die erste landständische Verfassung in Deutschland.

1817, 22.4.
Johannes Falk aus Weimar ruft in Verbindung mit den bestehenden hiesigen Armenanstalten eine Sonntagsschule ins Leben.
21.9. – Die nach den Zerstörungen der Befreiungskriege wiederhergestellte Nikolaikirche wird nach elf Jahren ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben. Zwischenzeitlich war sie zur Aufbewahrung Gefangener und als Lazarett genutzt worden.
17. – 19.10. – Etwa 500 Stundenten aus allen Teilen Deutschlands begehen in Erinnerung an Luthers Thesenanschlag 1517 und der siegreiche Völkerschlacht bei Leipzig vier Jahre zuvor, das Wartburgfest der deutschen Burschenschaft. Die Studenten wie auch die anwesenden Jenaer Professoren sprechen sich in ihren Festreden im Festsaal der Wartburg für ein einiges deutsches Vaterland aus. Der Festveranstaltung auf der Wartburg schließt sich ein Fackelzug zum Wartenberg an, bei dem feudalistische Symbole von den Studenten auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden. 

1819, 10.2.
Die Eisenacher Armenanstalt berichtet, daß die Armut in der Stadt immer mehr zunimmt, v.a. durch die „Mangeljahre 1816 und 1817 und die Stockung vieler Gewerbe des Handels.“ 
20.02. – Im „Mohren“ wird einMuseum für Wachsfiguren eröffnet. 
16.11. – Im unteren Stockwerk des Rathauses wird die Ratsweinstube eröffnet.

1820, 13.1.
Die Einrichtung und Haltung aller Weinschankstuben wird mit Ausnahme der Ratsweinschankstube wird verboten.

1822, 5.6.
Eröffnung der Eisenacher Stiftungssparkasse

1823, 16.10. 
Großherzog Carl August legt den Grundstein zur ersten Eisenacher Bürgerschule

1824, 9.3.
Dr. med. Wilhelm Eduard Wislicenus aus Eilenburg, der bekannte Mitbegründer der Homöopathie, läßt sich mit einer medizinischen Praxis in Eisenach nieder.

1825, 12.6.
Den verantwortlichen Stadtgeistlichen wird die Führung einer Ortschronik zur Pflicht gemacht. 
3.9. – In Eisenach erfolgt eine Neuorganisation des Schulwesens mit der Einweihung der ersten Bürgerschule an der Esplanade. Sie vereinigt in sich sämtliche bisher bestehende städtischen Schulen. 
1.10. – Zu Ehren des 50. Regierungsjubiläums von Großherzog Carl August wird auf Betreiben von Eisenacher Bürgern die Judengasse in Carls-Straße umbenannt.

1827, 26.11.
In einem Zimmer der Bürgerschule wird eigens für die Baugewerke eine freie und unentgeltliche Handwerksschule eingerichtet.

1828
Der Sonnabendsmarktplatz wird auf Wunsch einiger Anwohner nun „Carlsplatz“ genannt.

1830, 16.5.
Eröffnung der Eisenacher Forstakademie.
1.7. – Das neue, im klassizistischen Baustil errichtete Leichenhaus wird auf dem Eisenach Friedhof (jetzt alter Friedhof) eröffnet. 

1831, 1.9.
Eine Speiseanstalt für Unbemittelte und Arme öffnet ihre Pforten.

1832, 30.6.
Anstelle des verstorbenen Bürgermeisters Hofrat Beyer wird der bisherige Regierungs- und Vormundschaftssekretär Geh. Rat Carl Christian Wilhelm Mey zum Bürgermeister gewählt. 
1.10. – Die noch bestehende Torsperre an den Stadttoren wird aufgehoben.

1833
Das sich südlich ans Mariental anschließende Tal wird nach der Schwester der Großherzogin Maria Pawlowna, der späteren niederländischen Königin Anna, Annatal benannt.

1834, 1.1. 
Einrichtung der Freien Gewerkschule zur Förderung der Technik
(Dezember) – Eine Volkszählung stellt für Eisenach 9.106 Bewohner fest.

1836, 29.9
Einrichtung eines Landkrankenhauses für Eisenach anstelle des zu klein gewordenen Siechenhauses

1837, 21.3.
In der ersten Versammlung des Eisenacher Gewerbevereins werden 70 Gründungsmitglieder gezählt.
1.5. – In Zimmern des Hospitals St. Annen öffnet eine Kleinkinderschule für Kinder von 2 bis 6 Jahren.

1840, 23.1.
Der bedeutende Physiker Ernst Abbe wird in Eisenach geboren.
26.6. – Das Großherzogliche Gymnasium erhält den ehrenvollen Namen „Carolo Fridericianum“.
12.7. – Preußische Ingenieure beginnen mit der Projektierung für eine Eisenbahn zwischen Meinigen und Eisenach.

1834, 10.3.
Eine Unterrichtsanstalt für weniger bemittelte Kinder und Eltern wird eingerichtet. Ziel ist eine umfassende Ausbildung für das Gewerbe.
10.6. – An der 2. Bürgerschule vor dem Nadeltor wird der Unterricht aufgenommen, im Juli die neu begründete Realschule eröffnet.

1846
23.6. – Im Streit um den Standort des städtischen Bahnhofes fällt der Entscheid auf den Platz vor dem Nikolaitor, da dies um 20.000 Taler billiger kommt als der Platz vor dem Nadeltor.
6.9. – Bürgermeister Mey stirbt im Alter von 69 Jahren. 

1847
26.1. – Der Landes-Direktions-Sekretär August Roese wird als Oberbürgermeister in Eisenach auf Lebenszeit ernannt. Die feierliche Amtseinführung erfolgt am 28. Januar
18.6. – Mit einer ersten Fahrt von Gotha nach Eisenach wird die Thüringer Bahnlinie eröffnet. Am 24. Juni beginnt der regelmäßige Eisenbahnverkehr.
23.8. – Das Liederfest des Thüringer Sägerbundes wird erstmals in Eisenach ausgetragen. Es lockt 16.000 bis 20.000 Menschen ins Mariental.
17.10. – Um den Besuch fremder Personen in Eisenach zu erleichtern, verpflichtet der Stadtrat Stadtführer.

1848
8. – 13.3. – Im Zuge der bürgerlich-demokratischen Revolution in Deutschland kommt es in der „Erholung“ zu allgemeinen Bürgerversammlungen mit anschließenden Protestaktionen. Am 11. März wird das Polizeigebäude in der Karlstraße 4 teilweise verwüstet. Daraufhin konstituiert sich in Eisenach eine Bürgergarde, die Ruhe und Ordnung herstellen soll.
3.5. – Die Herzogin von Orleans beginnt ihren letztlich neun Jahre währenden Aufenthalt in Eisenach. Nach ihren zwei Söhnen wird der „Prinzenteich“ benannt.
31.7. – Die Stadtratssitzungen werden für jeden Eisenacher veröffentlicht.

1849
25.9. – Die Bahnlinie nach Gerstungen wird eröffnet, und damit die ununterbrochene Verbindung mit Kassel hergestellt.