Die Entstehung Eisenachs

Die sagenhafte Gründung der Wartburg soll durch Graf Ludwig den Springer im Jahr 1067 erfolgt sein. Während einer Jagd im Hörseltal soll er den Berg, der heute jene weltberühmte Feste trägt, für sich entdeckt haben. „Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden:“. Tatsächlich suchten die Ludowinger, deren Geschlecht Ludwig der Springer entstammte, durch den Bau von Burgen ihre territoriale Herrschaft zu festigen bzw. zu erweitern. So dürfte es wohl im Fall der Wartburg auch gewesen sein. Die relativ genaue zeitliche Einordnung der Wartburg-Gründung im Jahr 1067 ist, trotzdem sie auf einer sagenhaften Überlieferung beruht, die erste halbwegs gesicherte zeitliche Einordnung der Eisenacher Stadtgeschichte. Die erste Erwähnung der Wartburg erfolgte 1080 durch den sächsischen Chronisten Bruno von Merseburg. Für die Stadt Eisenach kann eine solch genaue und frühe Jahresangabe der Stadtgründung überhaupt nicht gegeben werden. Man kann jedoch davon ausgehen, daß sich Eisenach aus mehreren Marktsiedlungen im Mittelalter zu einer Stadt entwickelt hat. Zur Zeit der Wartburg-Gründung dürfte es drei Marktsiedlungen im jetzigen innerstädtischen Bereich gegeben haben – das waren der Sonnabendsmarkt (am heutigen Karlsplatz), der Mittwochsmarkt (am heutigen Frauenplan) und der Montagsmarkt, der heute noch als Handelsplatz genutzt wird. Auf diese drei Marktsiedlungen führt Eisenach seine unmittelbare
Entstehung zurück.
Als älteste Niederlassung vermutet man die Kaufmannssiedlung am Sonnabendsmarkt. 
Im allgemeinen stellte man solche Siedlungen unter den Schutz eines Patrons, dem im gleichen Zug auch ein Gotteshaus geweiht wurde. Im vorliegenden Fall diente der Heilige Nikolaus als Schutzpatron der Händler und Seefahrer (unter Umständen auch ein Hinweis auf die Schiffbarkeit der Hörsel). Noch heute gibt es die Nikolaikirche. Auch die langgestreckte Form des Platzes hat sich noch bis in unsere Tage erhalten – ebenfalls ein Indiz für sein hohes Alter. 
Besonders günstig auf die Entstehung dieser Kaufmannssiedlung, wie auch auf die gesamte Stadtentwicklung, hat sich deren Anbindung an Fernhandelsstraßen ausgewirkt. 
Insgesamt sieben Handelsverbindungen kreuzten sich im heutigen Stadtgebiet bzw. trafen hier aufeinander. Sie verliefen vorrangig entsprechend der vier Himmelsrichtungen. 
Am Sonnabendsmarkt traf ein von Süden her kommender Handelsweg auf die aus Richtung Hersfeld kommende und in Richtung Erfurt und Leipzig führende Handelsstraße. Dieser Umstand provozierte regelrecht die Entstehung einer Siedlung an jener Stelle. 
Geht man von der Größe des Platzes aus (die in etwa der heutigen Größe entsprechen müßte), können Rückschlüsse auf die Bedeutung dieses Handesplatzes und den Umfang der Siedlung gezogen werden. Dem Sonnabendsmarkt und der dazugehörigen Kaufmannssiedlung können dem nach wesentliche Impulse im Prozeß des Zusammenwachsens der drei Siedlungsschwer punkte zugebilligt werden.
Die an zweiter Stelle stehende Mittwochsmarktsiedlung am Frauenplan stand unter dem Schutz der auf einer Anhöhe stehenden Marienkirche „Unser lieben Frauen“, die 1246 erstmals urkundlich bezeugt und später zum Dom ausgebaut wird. Als der Mittwochsmarkt am Frauenplan einging, wurde auf dem dritten Marktplatz (an der Georgenkirche) statt bislang montags nur mittwochs Markt gehalten. Dieser Ort wurde von den Thüringer Landgrafen zielstrebig zum politischen Machtzentrum der in Entstehung begriffenen Stadt ausgebaut.
Der Steinhof an der heutigen Esplanade, die innerstädtische Residenz der Ludowinger und die von ihnen in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaute Georgenkirche, flankierten den Marktplatz von Süden her. Nördlich wurde der Platz von der via regia lusatiae oder Königstraße begrenzt.
Der Heilige Georg war einerseits Schutzpatron der hiesigen Marktsiedlung, andererseits aber auch Schutzheiliger des Ludowinger-Geschlechts. Die St. Georgs-Kirche kann deshalb als Hauskirche der hier residierenden Landesherren angenommen werden.
Neben der landgräflichen Residenz (Steinhof) und der Georgenkirche entstanden auf diesem Platz das Rathaus und das Brothaus. Die Existenz dieser drei Marktsiedlungen machte die Residenz der Thüringer Landgrafen auf der Wartburg und im Steinhof erst möglich, andererseits boten sie der Stadt Schutz, so daß sich ihr beste Entwicklungsmöglichkeiten boten.
Dank seiner günstigen Verkehrslage, den hier regelmäßig durchgeführten Wochen- und Jahrmärkten und dem durch Bannmeile geschützten ausschließlichen Privileg des Bierverlages und der Handwerksausübung in der Stadt, entwickelte sich Eisenach innerhalb kürzester Zeit (2. Hälfte 12. Jh./1. Hälfte 13. Jh.) zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Landgrafschaft Thüringen. Eine weitere wesentliche Rolle in dieser Entwicklung hat seine führende Rechtsstellung als Oberhof für die Städte der Landgrafschaft und als Haupt einer Stadtrechtsfamilie gespielt (eine Fassung des Eisenacher Stadtrechts von 1283 ist überliefert). Es wird angenommen, daß unter den Thüringer Landgrafen Ludwig I. / 1140-1172) und Ludwig II. (1172 -1190) die Verbindung dieser drei Marktsiedlungen durch Ansiedlung von Bauern und Handwerkern aus Eisenachs Umgebung und aus dem Dorf Isenacha (am Fuße des Petersberges) erfolgte. In diese Zeit fällt die erste Nennung von Isenacha im Zusammenhang mit dem Tod des Ritters Bertholdus de Isenacha der auf dem Klosterfriedhof zu Fulda beerdigt wurde. Zwischen 1180 und 1189 wird Eisenach erstmals urkundlich als Civitas erwähnt.
Landgraf Hermann I. (1190-1217) veranlaßte jüdische Handelsleute, sich in der Stadt niederzulassen. Durch diese jüdischen Siedler erfolgte der repräsentative Ausbau jener Straße, die damals wie heute als Herzstück der Stadt gilt, der Karlstraße, die bis 1825 noch die Bezeichnung „Judengasse“ trug. (Von einer Ghetto-Bildung kann jedoch keine Rede sein.)
Unter seiner Regie wurde Eisenach u. a. durch die Siedlung am Jakobsplan erweitert. Die in Eisenach ansässigen Zünfte wurden beauftragt, eine Stadtmauer und einen Stadtgraben um die junge Stadt anzulegen. 
Der landgräfliche Hof wurde unter Hermann I. zu einem Ort kultureller Blüte. Die Minnesänger jener Zeit waren gern gesehene Gäste an Hermanns „hof zu Dürengen“, den Walter von der Vogelweide in einigen seiner Verse beschreibt.
Auf das Jahr 1206 wird der sagenumwobene „Sängerkrieg“ datiert, der erst 1207 seine Fortsetzung und seinen Abschluß durch den Entscheid des aus Ungarn herbeigerufenen Magiers Meister Klingsor fand. Er war es auch, der bei dieser Gelegenheit die Geburt der ungarischen Königstochter Elisabeth weissagte, die vier Jahre später als auserwählte Schwiegertochter Hermanns I. auf die Wartburg kam. Das spätere karitative Wirken Elisabeths galt vor allen Dingen den Armen und Kranken aus Eisenach und den umliegenden Gemeinden. Ein Hospital am Fuße der Wartburg (am heutigen Elisabethplan) wurde vermutlich auf ihr Betreiben eingerichtet und von ihr betreut. Ihrem Gemahl, Landgraf Ludwig IV., folgte nach dessen frühen Tod während eines Kreuzzuges Landgraf Heinrich Raspe, der 1227 zunächst die Regentschaft für den minderjährigen Hermann II. übernahm. Elisabeth verließ den Thüringer Landgrafenhof und starb 1231 24jährig. in Marburg. Bereits vier Jahre später wurde Elisabeth für ihr Tun im karitativen Bereich heilig gesprochen. Heinrich Raspe ließ zu Ehren Elisabeths das Predigerkloster erbauen (welches heute noch für schulische und museale Zwecke genutzt wird). 
Er baute seine Macht zielstrebig aus. Nach dem Tod Heinrich II. übernahm er endgültig die
Landgrafenwürde. 
1242 wird Heinrich Raspe vom Stauferkaiser Friedrich II. zum Reichsprokurator bestellt. 
Gegen den selben trat er jedoch 1246 an, als er von den geistlichen Fürsten auf einer Reichsversammlung zum Gegenkönig ausgerufen wurde. Da er sich nur auf die Unterstützung von Seiten der Geistlichkeit stützen konnte, bekam er in der Geschichtsschreibung den wenig ehrenvollen Beinamen „Pfaffenkönig“. Dem scheinbaren Höhepunkt politischer Macht der Ludowinger folgte aber sehr bald ihr Niedergang. Bereits 1247 starb Heinrich Raspe kinderlos, noch dazu als letzter männlicher Vertreter des Ludowingergeschlechts. 
Innerhalb von für die städtische Entwicklung geringfügigen 100 Jahren war Eisenach unter den Ludowingern die führende Metropole der Thüringer Landgrafschaft. 
Die sich daraufhin anschließenden Thüringer Erbfolgekriege ließen die sich bis dahin dynamisch vollziehende Entwicklung Eisenachs stagnieren. Im Streit um das Erbe der Ludowinger standen die Eisenacher auf der Seite Sophie von Brabants, der Tochter der Heiligen Elisabeth, die sich mit dem Markgrafen von Meißen auseinanderzusetzen hatten. Im Ergebnis der Erbfolgekriege wurde 1264 Hessen von Thüringen abgetrennt. Thüringen wurde nun der Markgrafschaft Meißen angegliedert: Eisenach gelangte unter wettinische Herrschaft, die noch bis 1918 Bestand hatte. 
Eisenachs nunmehrige Randlage mußte sich hemmend auf eine Fortsetzung seiner Aufwärtsentwicklung auswirken. Die historisch erwachsene Abneigung der Eisenacher gegen Ihre neuen Landesherren versuchten die Wettiner mit dem Bau einer Zwingburg (an der Stelle des heutigen Theaters) niederzuhalten.
Der Volksmund bezeichnete diese Zwingburg als „Klemme“, ein Name der dahingehend gedeutet wird, daß sich die Eisenacher von den Wettinern „eingeklemmt“ fühlten. 
In mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 1306 und 1308 lehnten sich die Eisenacher gegen ihre Landesherren auf. Die „Klemme“ und die Wehrtürme des Domes wurden von ihnen zerstört. Der Versuch aber, sich der wettinischen Herrschaft zu entledigen und freie Reichsstadt zu werden, scheiterte nach anfänglichen Erfolgen endgültig 1308. 
Bis hierhin diese kurze Abhandlung zur Entwicklung Eisenachs und zu verschiedenen Aspekten seiner Entwicklung. 
Bevor zur Chronik der Stadtgeschichte übergegangen wird, sei noch hinzugefügt, daß die obigen Abhandlungen keineswegs Anspruch auf Unanfechtbarkeit erheben. Dies ist der Tatsache geschuldet, daß aus Gründen der Übersichtlichkeit der Darstellung verschiedene Gesichtspunkte nur verkürzt wiedergegeben bzw. gar nicht erwähnt werden konnten.