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Ansprache des Bachhaus-Direktors Dr. Claus Oefner
zum 316. Bach-Geburtstag am Bachdenkmal, 21. März 2001
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Eisenacher!
Seit Jahrzehnten kommen Sie am Frühlingsbeginn hierher zum Bachdenkmal, um gemeinsam durch das Niederlegen von Blumen Johann Sebastian Bach zu ehren. Könnte einem Komponisten 251 Jahre nach seinem Tode Schöneres passieren ? Aber wir ehren ihn ja nicht nur durch Blumen, sondern vor allem durch Konzerte. Und wir ehren ihn auch dadurch, daß wir ihm ein neugestaltetes Museum widmen. Es handelt sich bei diesem Museum um das älteste Bach-Museum der Welt, das endlich die Chance erhält, hinsichtlich der Ausstellungstechnologie sowie der Aufbewahrung wertvoller historischer Musikinstrumente den entsprechenden Erfordernissen zu entsprechen.
Sie werden vielleicht fragen, warum wir schon wieder soviel Aufhebens von Bach machen angesichts der Tatsache, daß das Jubiläumsjahr 2000 gerade überstanden ist. Ich würde darauf antworten, daß es ganz normal, ja sehr wünschenswert ist, von der Einmaligkeit einer Säkularfeier zur Kontinuität zurückzukehren. Die Nachwelt wird uns vor allem an der Kontinuität messen, weil sie der Gradmesser ist für die Ehrlichkeit unserer Absichten. Natürlich ist Kontinuität auch schwerer durchzuhalten als die Einmaligkeit einer Säkularfeier.
Eisenach und Thüringen sind sich der Tradition der Bachpflege seit langem bewußt und fühlen sich dieser verpflichtet. Vor wenigen Tagen erst wurden die zehnten Thüringer Bach-Wochen eröffnet. Aber es geht uns nicht um die Traditionspflege schlechthin; und es geht auch nicht um die sklavisch verstandene Bachpflege. Vielmehr geht es uns um die schöpferische Aneignung von Bachs Werk in unserer Zeit. Diese schöpferischen Auseinandersetzungen suchen wir zu provozieren durch unterschiedliche Interpretationen seiner Werke innerhalb unterschiedlicher Genres. Die szenischen bzw. halbszenischen Darbietungen Bachscher Werke im vergangenen Jahr hier auf dem Frauenplan oder auch eine Aufführung während des bevorstehenden 76. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft legen davon Zeugnis ab.
Das Bachhaus ist mit seinen Aktivitäten zu einem Brennpunkt innerhalb zumindest des thüringischen Bachgeschehens geworden. Im vergangenen Bachjahr haben fast 90 000 Gäste das Haus besucht. Das Bachhaus ist auch „Botschafter“ Bachs für Europa geworden mit seinen Ausstellungen in Wien, Warschau, Budapest, Chantilly, Schaffhausen sowie in der Bundesrepublik. Außerdem waren wir einer der Leihgeber für die Erste Landesausstellung des Freistaates Thüringen „Der junge Bach“ in Erfurt. Thüringen glänzte auf der EXPO 2000 in Hannover mit zwei Unikaten aus dem Bachhaus. Wenn wir hier Blumen niederlegen, ist das nur ein Sinnbild für die schöpferische Rastlosigkeit, mit der wir uns Bach nähern.
Müssen wir Bach eigentlich ehren ? Was bedeutet uns seine Musik ? Der Begleittext zur EXPO 2000 gab eine der vielen möglichen Antworten: Wenn uns die Besinnung auf Bach und auf die Musik schlechthin verloren gingen, verlören wir gleichzeitig die Fähigkeit zum Innovativen in Wissenschaft, Technik und Management. In diesem Sinne wäre Bach keine historische, sondern eine höchst gegenwärtige Persönlichkeit. Grund genug, ihn zu ehren.
Ich danke Ihnen.
www.bachhaus.de |
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