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300 Jahre Telemann-Kantate

Als am 30. November 1710 – es war der 1. Adventsonntag – Georg Philipp Telemanns Kantate «Nun komm der Heiden Heiland» TVWV 1:1177 in der Eisenacher Georgenkirche erklungen war, hatte damit ein neues Kapitel lutherischer Kirchenmusik begonnen.
Telemann kam 1708 als Konzertmeister nach Eisenach und wurde 1709 zum Kapellmeister berufen.

Über seine Eisenacher Aufgaben schreibt Telemann in seiner dritten Selbstbiografie: «Die Absicht war in Eisenach anfangs nur auf eine Instrumental-Musik gerichtet. Es erwuchs aber bald eine Capelle, nachdem der Durchlauchtige Hertzog an einigen Kirchencantaten, die ich allein absang, Gefallen getragen: da ich denn befehliget wurde, benöthigte Sänger zu verschreiben.»
Für das Kirchenjahr 1710/1711 dichtete Erdmann Neumeister für Telemann einen Jahrgang Kantatentexte «Geistliches Singen und Spielen». Neumeister war Superintendent in Sorau; spätestens seit Telemanns Zeit dort kannten sich beide. 1715 wird er Hauptpastor in Hamburg. Neumeister war 1710 Pate bei Telemanns erster Tochter. Diese Kantatentexte bestanden nun aus Bibelwort und Choral und aus der modernen Oper wurden Rezitativ und Arie übernommen. Schon 1704 kamen ähnliche Texte in den «Sonn- und Fest- Andachten über die ordentlichen Evangelia» heraus, von denen Johann Ludwig Bach – wohl um 1710 – und nach 1723 Johann Sebastian Bach einige Texte für ihre Kantaten nutzten.
Aber erst mit Telemanns und Neumeisters Kantatenjahrgang ist ein ganzer Jahrgang geschaffen worden und es hat sich mit Beginn des Kirchenjahres 1710/1711 von Eisenach aus dieser Kantatentyp durchgesetzt, der dann im Schaffen Johann Sebastian Bachs einen seiner Höhepunkte erreichte.
Wolf Hobohm stellt fest: Telemanns «Kantaten folgen dem hier zum erstenmal in der Kantatengeschichte konsequent verwirklichten, gottesdienstlich sinnvollen vierteiligen Muster: Der Bibelspruch präsentiert Gottes Wort; in Rezitativen und Arien erfolgen Auslegung und Betrachtung; im Kirchenlied bezieht sich die Gemeinde lobend und bekennend in das theologisch-poetisch-musikalische Geschehen mit ein.»

In Erinnerung an dieses 300-jährige Jubiläum wird am 1. Advent 2010 im 176. Kantatengottesdienst um 10 Uhr in der Georgenkirche zu Eisenach die erste Kantate aus Telemanns Kantatenjahrgang 1710/1711 «Nun komm der Heiden Heiland» durch den Bachchor Eisenach aufgeführt.

Rainer Beichler | | Quelle:

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