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Geistliches Wort zum Osterfest von Landesbischöfin Ilse Junkermann

„Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen…“ Jedes Jahr neu ist es wie ein Wunder: mit einem Mal sind die Bäume grün. Noch vor kurzem standen sie kahl und grau. Öde sah alles aus. Und nun, in wenigen Tagen, haben sie alle ihr grünes Kleid angelegt: die Bäume, die Erde, alles wird grün – und bunt! Ja, Farbe kommt in die Welt. Leicht und schön kann das Leben sein. Der Frühling beschwingt mich jedes Jahr aufs Neue! Und wenn ich dann noch die Sonne auf meinem Gesicht spüre und den leichten warmen Frühlingswind, dann wird mir leicht. Das tut so gut. Neues Leben bricht auf! So werde ich jedes Jahr bestärkt, dass es möglich ist, neu anzufangen. Das hoffe ich ja auch für mein Leben. Mein persönliches. Aber auch für das Leben in meinem Land. Und erst recht in Europa. Im Moment hoffe ich das am meisten für die Ukraine.

Wie sehr brauche ich diese Hoffnung, wenn ich die Gewaltausbrüche in der Ukraine sehe – wer kann sie stoppen? Wie schnell kann der Funke der Gewalt überspringen und zu einem Flächenbrand werden! Wie viel verbrannte Erde und traumatisierte Menschen würde er hinterlassen! Und wir erleben es weltweit. Mir wird schwindelig bei den Bildern und Zahlen von den Bürgerkriegen in Syrien, in Zentralafrika, in Nigeria. Vom Hunger in den Flüchtlingslagern. Allein im Südsudan sind 100.000 Menschen vom Tod bedroht! Nimmt denn die kalte Zeit von Gewalt und Gegengewalt nie ein Ende?
Wie sehr brauche ich diese Hoffnung: „Alle Knospen springen auf…“

Am Ostermorgen lässt Gott neues Leben aufspringen aus dem grauen Tod. „Christ ist erstanden!“ So singen wir in vielen Osternachtfeiern. „Er ist wahrhaftig auferstanden“, so bekräftigen wir es auf den Friedhöfen am Ostermorgen. Ja, diese Botschaft stärkt unsere Hoffnung: das Leben wird siegen. Der Tod kommt mit allen seinen Helfershelfern an sein Ende. Seine Allmacht ist schon gebrochen. Das stärkt meine Gewissheit: Jesus wird gequält. Er könnte sich wehren. Aber verzichtet auf Gewalt. Er ist ein Gott des Lebens und des Friedens.

Und er braucht uns als Werkzeuge seines Friedens. Er braucht uns an der Seite der Flüchtlinge. Nicht in ihrem Nacken. Der Gott des Lebens braucht uns an der Seite von denen, die Angst haben vor Krieg. Er braucht Menschen, auch Regierungen, die suchen, was dem Frieden dient. Die vermitteln. Uneigennützig. Die in Chancen denken und nicht in Fronten.
Frieden ist möglich. Neues Leben ist möglich. So wie jedes Jahr Frühling möglich ist.

„Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen…!“

Das ist die Botschaft der Auferstehung und die wünsche ich Ihnen. Auch ganz persönlich. Frohe Ostern!

Karl-Heinz Brack | | Quelle:

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