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Thüringer Landeskirche feiert Namenstag

Am Sonntag (19. Oktober, 10 Uhr) erinnert ein Rundfunkgottesdienst in der Eisenacher Georgenkirche an den Neuanfang der Thüringer Landeskirche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Gleichzeitig wird ein runder Namenstag gefeiert: Am 19. Oktober 1948, also vor 60 Jahren, hatte die Landessynode den Titel „Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen“ (ELKTh) beschlossen. Das Jubiläum erhält eine besondere Bedeutung durch die bevorstehende Fusion – die Kirche besteht nur noch zweieinhalb Monate in ihrer jetzigen Form. Ab dem 1. Januar 2009 bildet sie gemeinsam mit der Kirchenprovinz Sachsen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Der Rundfunkgottesdienst wird live auf MDR Figaro übertragen. Die Predigt hält die Eisenacher Superintendentin Martina Berlich. Sie wird daran erinnern, dass Eisenach bedeutend für die Thüringer Landeskirche ist. Hier hat die Kirche nicht nur ihren Sitz, sondern hier fand auch die erste Synodaltagung statt, und hier treffen sich im November die Thüringer Synodalen zum letzten Treffen vor der Fusion.

Die vergleichsweise junge Kirche war 1920 aus den Landeskirchen von acht Kleinstaaten hervorgegangen und hieß zunächst „Thüringer evangelische Kirche“. Die theologisch liberale Vereinigung erlitt die Turbulenzen der Weimarer Republik besonders heftig. „Die Machtübernahme im Landeskirchentag und Landeskirchenrat durch NS-fanatische Deutsche Christen konnte 1933 nicht verhindert werden“, berichtet der Vorsitzende der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte, Thomas A. Seidel.

Dankbar könne jedoch vermerkt werden, dass aus den Reihen des kirchlichen Widerstandes, insbesondere von der Lutherischen Bekenntnisgemeinschaft, im Mai 1945 mit der Neuordnung der Kirche begonnen wurde, so Seidel. Nach der Verhaftung des Deutsche-Christen-Bischofs Hugo Rönck durch amerikanische Militärpolizei sei es zunächst um die „Selbstreinigung“ gegangen, also um Auseinandersetzung mit belasteten kirchlichen Mitarbeitern. Das Aufbauwerk habe der Leiter der Bekenntnisgemeinschaft, Moritz Mitzenheim, straff geführt. „Mit Glaubensmut, Entschlossenheit, unorthodoxen Mitteln und politischem Verhandlungsgeschick trieb er die Erneuerung der Kirche voran“, beurteilt Seidel.

Am 19. Oktober 1947 wurde Mitzenheim in das Bischofsamt eingeführt. Am 19. Oktober 1948 legitimierten die Mitglieder der Landessynode auf dem Hainstein in Eisenach die als vorläufig deklarierten Strukturen der Kirche mit einer „Entschließung“. Der Landesbischof wurde von der Synode in seinem Amt bestätigt, ebenso wie die Eisenacher Pflugensberg-Villa als Sitz von Bischof und Kirchenleitung.

In einem Rundbrief an die Pfarrer verwies Mitzenheim auf diese Beschlüsse und auf den gleichfalls einmütig beschlossenen Anschluss der Thüringer Kirche an die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD), den Lutherischen Weltbund (LWB) und die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD). Gleichzeitig informierte er über den Beschluss der Synode, den Namen „Thüringer evangelische Kirche“ in „Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen“ umzuwandeln. Mit der Veröffentlichung am Reformationstag, 31. Oktober 1948, wurde dieser Name der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Zum 1. Januar 2009 wird die Thüringer Landeskirche auch diesen Namen ablegen und gemeinsam mit der Kirchenprovinz Sachsen „Evangelische Kirche in Mitteldeutschland“ heißen.

Rainer Beichler | | Quelle:

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