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20 Jahre Städtepartnerschaft Eisenach-Marburg: Ein Rückblick

Im Juni 1988 wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen Marburg und Eisenach auf der Wartburg endgültig ratifiziert. Erstmals schloss damit eine hessische Stadt eine Partnerschaft mit einer Stadt in der DDR. Bereits eineinhalb Jahre später war die Mauer gefallen und die Menschen aus Ost und West konnten ungehindert zusammenkommen. In den 20 Jahren gab es viele weitere bewegende Momente, insbesondere in der Zeit unmittelbar nach der Wende. Wie kam es zu der Partnerschaft und was waren bisher die Höhepunkte? Ein Rückblick.

Bereits von 1956 bis 1961 besuchten Delegationen aus Marburg und Eisenach gegenseitig die Städte, so zu Brunnenfesten in Marburg oder zum Sommergewinn in Eisenach. Nach dem Mauerbau 1961 brach der Kontakt allerdings ab. Ab 1984 gab es dann wieder Bemühungen des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Hanno Drechsler, des SPD-Stadtverordneten Ubbo Mozer und weiterer Marburger Politiker, eine Partnerschaft mit Eisenach einzugehen.
Dafür gab es viele Gründe, vor allem die lange gemeinsame Geschichte beider Städte. Sie sind schon seit dem Mittelalter verbunden. Als die thüringische Landgräfin Elisabeth – die spätere Heilige – die Wartburg verlassen musste, ging sie 1228 nach Marburg, wo sie sich bis zu ihrem Tod um die Armen kümmert. Die Elisabethkirche in Marburg, wo sie begraben liegt, ist das Vorbild für die St. Elisabeth-Kirche in Eisenach.
Der Enkel von Elisabeth, Heinrich I. bekam nach dem Thüringer Erbfolgekrieg die westlichen Gebiete zugesprochen und gründete im Jahre 1266 in Marburg die 1. Landgrafschaft Hessen.
Angesichts dieser Verbindungen lag es nahe, dass Eisenach und Marburg eine Partnerschaft anstrebten.

Die Verhandlungen über die Städtepartnerschaft zogen sich dennoch über eine lange Zeit hin. Im April 1986 beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Marburger Magistrat, die Verbindungen zu Eisenach wieder zu forcieren. Im März 1987 kam eine Marburger Delegation in die Wartburgstadt, im November 1987 erfolgte der Gegenbesuch. Im Februar 1988 waren in Eisenach dreitägige Verhandlungen angesetzt. Am Ende konnten die beiden Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler und Joachim Klapczynski im Rokokosaal des Stadtschlosses eine Vereinbarung paraphieren. Die Stadträte stimmten dem Vertrag am 27. Mai (Marburg) und am 10. Juni 1988 mit einer feierlichen Sitzung auf der Wartburg zu.

Die Partnerschaft erwachte vor allem nach der Wende zum Leben. Schon am 16. Dezember 1989 fuhr ein Sonderzug mit rund 1000 Eisenachern nach Marburg. Vor allem auf der Ebene von Vereinen und Institutionen kam und kommt es zu vielen persönlichen Begegnungen: Die Marburger Oberstadtgemeinde kommt regelmäßig zum Sommergewinn, die Sommergewinnszunft ist ebenso regelmäßig in Marburg zu Gast. Chöre traten wechselseitig in den Partnerstädten auf, der Eisenacher Bachchor und die Landeskapelle gaben beispielsweise im November 1994 ein Konzert in Marburg, im Mai 1996 spielt der Marburger Förderkreis für alte Musik in der Nikolaikirche die „Deutsche Liedmesse“ von Martin Luther und Johann Walther. Ebenso präsentierte sich das Thüringer Museum in der Partnerstadt (2001). Auch im sportlichen Bereich gab es im Laufe der Jahre viele Kontakte.

Am 3. Oktober 1990 – dem Tag der Deutschen Einheit – gab es eine Sitzung der Eisenacher Stadtverordneten, an der auch Gäste aus Marburg teilnahmen. Seitdem gibt es immer zu diesem Feiertag gemeinsame Sitzungen der Parlamente, abwechselnd in Eisenach und in Marburg.

Neben den vielen Begegnungen auf persönlicher Ebene gab es aus Marburg auch viel materielle Hilfe für Eisenach: Am 22. Januar 1990 übergab OB Dr. Drechsler Busse und Geräte für den Bauhof an die Stadt Eisenach. Auch für das Krankenhaus spendeten die Marburger Medikamente und Geräte.
Anfang 1991 eröffnete der Marburger Magistrat eine Beratungsstelle für die Stadt und den Landkreis Eisenach. Die Hilfe beim Aufbau der neuen Verwaltung hatte viele Facetten. So wechselte beispielsweise Marburger Personal nach Eisenach. Überdies werden mit Unterstützung des Landkreises Marburg-Biedenkopf Fortbildungskurse für Angestellte im öffentlichen Dienst organisiert.
Im Februar 1991 übergab Landrat Dr. Kliem an seinen Eisenacher Kollegen Dr. Kaspari einen mit moderner Technik ausgestatteten Büroraum in der Berufsschule im Palmental. 700000 Mark gab Marburg für die Sanierung des historischen Hellgrevenhofs (heute Stadtbibliothek). Auch der Spielplatz am Schleierborn (Einweihung März 1991) wurde von Marburg gespendet. Für das Altenheim in Eisenach-Nord gab Marburg 25000 Mark (1993), die Eisenacher AIDS-Beratungsstelle wurde ebenfalls mit Hilfe aus der Partnerstadt eingerichtet.

Nun wird das 20jährige Bestehen der Partnerschaft begangen: Im Juni 2008 lud die Stadt Marburg bereits zu einer Feierstunde anlässlich der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Marburg vor 20 Jahren. Mit einem Bürgerfest wird am 13. September dann auch in Eisenach gefeiert.
Vorgesehen sind bisher ein Festakt im Landestheater, ein Empfang des Oberbürgermeisters sowie das Bürgerfest im Hof des Stadtschlosses, das voraussichtlich von 13 bis 22 Uhr dauern wird. Dabei werden unter anderem Musik- und Tanzensembles aus Eisenach und Marburg auf der Bühne stehen.

Erwartet werden zu dem Fest auch viele Besucher aus Marburg.
Ebenfalls zu Besuch sein werden am 13. September Gäste aus dem ungarischen Sárospatak, dem Geburtsort der Heiligen Elisabeth. Somit wird am 13. September nicht nur die älteste Städtepartnerschaft Eisenachs gefeiert, sondern auch ein Treffen der drei wichtigsten Elisabeth-Orte.

http://www.vesp.eisenachonline.de(Weitere Informationen zur Chronik der Städtepartnerschaft).

Foto: ©Stadt Marburg

Rainer Beichler | | Quelle:

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