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Brief aus Bad Salzungen: Viel Papier mit wenig Inhalt

Die zeitnahe Antwort von Landrat Krebs auf den offenen Brief zu den Belastungen rund um den Flugplatz Eisenach-Kindel und seine Bereitschaft sich für eine verträgliche Regelung für die betroffene Bevölkerung einzusetzen, ist ein erstes positives Signal in Richtung Dialog.

Der 4-seitige Brief lässt viele Fragen offen und beschreibt im Wesentlichen die schon bekannte Position der Flugplatzgesellschaft. Der Verfasser des Schreibens stellt die wirtschaftliche Entwicklung des Flugplatzes als Teil der Verkehrinfrastruktur und wesentlichen Faktor für die gute und erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung in den Vordergrund ohne die dadurch entstandenen konkreten Belastungen zu akzeptieren.

Für die Leser wird der Eindruck vermittelt die Unterzeichner des offenen Briefes agierten als Flugplatzgegner und stellten sich somit gegen die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Das ist Teil der Salamitaktik mit der die Flugplatzgesellschaft Akzeptanz in der Bevölkerung für ihre Durchsetzung ihrer Erweiterungspläne schaffen will.

Die Belastungen durch Flugverkehr und Großveranstaltungen auf dem Flugplatz mit „…den Auswirkungen von anderen Verkehrsinfrastrukturen, wie Autobahnen, Bundes-, Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen sowie Sport- und Kulturanlagen..“ zu vergleichen zeigt deutlich die Grundeinstellung zu dem Thema und ist der Versuch diese Belastungen als „normal“ und „unabwendbar“ darzustellen.

Die genannten Verkehrsinfrastrukturen sind von öffentlichen Interesse, dienen der Allgemeinheit und sind wirtschaftlich notwendig.

Die Belastungen die vom Flugplatz ausgehen, entstehen zum überwiegenden Teil durch Freizeitvergnügungen und als Spaßfaktor für eine relativ geringe Anzahl von Bürgern unter deren Auswirkungen die Einwohner der umliegenden Orte leiden müssen.

Die Einstellung eines Eisenacher Hobbypiloten konnte man in einem Leserbrief einer Wochenendzeitung lesen, dort stand „Diese Lärmdiskussion ist sehr von subjektiven Eindrücken geprägt. Der Rasenmäher vom Nachbar ist nichts gegen den Schatten eines Flugzeuges, der über die Wiese huscht und …“Es ist ebenfalls ein Ergebnis der Wende, dass Freiheit auch die Freiheit der Anderen ist und das sollte so bleiben.“

Nur ist es eben so, dass die Freiheit des Kleingärtners am Samstagabend endet damit andere Bürger sich am Wochenende erholen können. Über den Wolken die Freiheit aber scheinbar grenzenlos sein soll?

Als Bürgermeister der Gemeinde Haina kann ich mich über Antwort des Landrates zu den im offenen Brief angesprochenen Konfliktpunkten nur wundern.

Man löst Konflikte nicht in dem man die Ursachen dafür einfach ignoriert und damit so tut als würden sie nicht existieren.
Davon zu sprechen, „..das Niedrigflüge über Ortschaften am Verkehrslandeplatz Eisenach-Kindel nicht stattfinden oder „…die festgelegten An- und Abflugschneisen weitestgehend eingehalten werden…“zeigt wie oberflächlich man sich mit dem Thema beschäftigt und welchen Stellenwert es hat.

Die Deutsch Luftverkehrsordnung legt in §6 eindeutig die Mindestflughöhen fest und dazu gehört über Städten und dicht besiedeltem Gebiet eine Sicherheitsflughöhe von mind. 300m über den höchsten Punkt im Umkreis von 600 m.

Die Belastungen sind real und fast täglich, vor allem aber an den Wochenenden, mitzuerleben und reichen von Haina bis in die Wohngebiete von Eisenach. Verstehen können den Protest dagegen sicher nur die Menschen die hier leben.

Dazu gehört auch die eingeforderte Sonntagsruhe (12.00Uhr – 15.00Uhr) für die Flüge der Fallschirmspringer. Davon zusprechen, dass bei der derzeit niedrigen Zahl von Flugbewegungen kein Handlungsbedarf besteht, ist wie ein Schlag ins Gesicht der davon betroffenen Menschen. 1500 Flüge pro Jahr ist nicht viel aber man muss den zeitlichen Rahmen sehen.
Wann wird geflogen? In der Zeit von Ende April bis Ende September, abhängig vom Wetter und konzentriert an den Wochenenden. Dazu kommen dann noch die sonstigen Flugbewegungen. Für die Zeit bis 2017 sind immerhin 12005 Flüge pro Jahr prognostiziert.

Wobei man den Fallschirmspringer bescheinigen kann, dass sie zumindest teilweise auf die Proteste reagiert haben und zunehmend mit leiseren Maschinen geflogen wird!

Liest man den Brief des Landrates, gewinnt man den Eindruck der Konflikt um die Lärmbelastung vom Flugplatz trifft die Verantwortlichen wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“. Sonst würde der Brief mehr sachliche und konkrete Lösungsansätze enthalten und nicht nur darauf verweisen, was von den Verantwortlichen getan werden müsste und könnte.

Man muss die Frage stellen, warum werden die schwarzen Scharfe unter den Piloten nicht mit empfindlichen Strafen zur Verantwortung gezogen?

Warum wird die Einhaltung der in den Veranstaltungsgenehmigungen erteilten Auflagen für Großveranstaltungen nicht kontrolliert und bei Verstößen sanktioniert?

Warum ignoriert die vom Landrat als Dialog bereit bezeichnete Geschäftsführung der Flugplatzgesellschaft, alle aus der Bevölkerung eingehenden Hinweise und Beschwerden?

Warum hält man an der generellen Beantragung der Nachtfluggenehmigung ohne rechtsverbindliche Beschränkung der Anzahl der Flugbewegungen fest? Die genannten 15 Flüge pro Monat sind prognostiziert, ausgehend von den Flugzahlen im Probeflugbetrieb der letzten Jahre. Mit 180 Nachtflugbewegungen im Jahr kann man im Umfeld des Flugplatzes sicher leben. Dagegen richtet sich auch nicht der Protest.

Der Protest richtet sich gegen die generelle Nachtfluggenehmigung ohne rechtlich wirksame Einschränkung der Flugzahlen .

Im Antrag der Gesellschaft heißt es „… es werden 180 Flugbewegungen als ausreichend erachtet…“ und „Es wird beantragt, die Genehmigung zur Anlage und zum Betrieb des Verkehrslandeplatzes Eisenach-Kindel dahingehend zu erweitern, dass zwischen 22.00 und 06.00 Uhr Ortszeit Nachtflugbetrieb möglich ist.“

Wen interessiert in 5 oder 10 Jahren noch die selbst auferlegte Beschränkung der Flugzahlen?
Vom Geschäftführer der Flugplatzgesellschaft wird kostendeckendes, profitorientiertes Arbeiten verlangt. Mit einem Freifahrtschein für Nachtflüge stehen ihm alle Möglichkeiten offen diesen Geschäftszweig weiter auszubauen und den Kindel zum Nachtflughafen zu machen, zu Lasten der umliegenden Gemeinden.

Manche bezeichnen diese Ängste als überzogen aber denken Sie an die Bewohner z.B.. der Hofferbertaue in Eisenach, als die Häuser in den 50er und 60er Jahren dort gebaut wurden, war die vorhandene Autobahn in Eisenach zu Ende und Verkehrslärm noch kein Thema, das hat sich nach der Wende grundlegend geändert!

Spätestens nach der öffentlichen Gemeideratssitzung am 26.03.2009 in Wenigenlupnitz hätte den Verantwortlichen der Kreisverwaltung und der Flugplatzgesellschaft klar sein müssen, wie sehr der als immer so „positiv“ beschriebene Probeflugbetrieb und die sonstigen Aktivitäten rund um den Flugplatz auf Ablehnung in der Bevölkerung stoßen.

Es wurde nicht reagiert und erst nach dem „Offenen Brief der Bürgermeister“ zeigen sich vage Ansätze für einen Dialog.

Auf Vermittlung des Bürgermeisters Bernd Bischof ist für August/September ein Termin mit Landrat Krebs und den Bürgermeistern zum Thema Flugplatz geplant.

Das bedeutet, dass ohne weiteren Druck, vor den Wahlen keine wesentlichen Änderungen zu erwarten sind und sich bis zum Ende der Flug- und Rennsaison wahrscheinlich nichts ändert!

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass sich unsere Aktionen nicht gegen die Entwicklung des Flugplatzes und die Durchführung von Veranstaltungen richten, sondern wir die Einhaltung rechtlicher Bestimmungen und Kontrolle durch die Verantwortlichen einfordern.

Wir setzen uns für ein ausgewogenes Betriebskonzept ein, dass auf die Belange aller Beteiligten Rücksicht nimmt und weitere Fehlentwicklungen, wie die übermäßige Belastung mit Lärm verhindert!

Die „Heilige Kuh“ Flugplatzgesellschaft soll nicht geschlachtet werden aber man muss sie zäumen und anbinden. Die Leine hängt beim Landrat, er muss sie nur in die Hand nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Beichler |

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