Foto: Paul-Philipp Braun

Einbrüche sind Thema Nummer 1

Seit gut zwei Wochen geht im Werratal ein Gespenst um: eine Einbruchsserie erschreckt die Bewohner im Raum Gerstungen. Immer wieder wird vermeldet, dass es in der ländlich geprägten Region zu Diebstählen im häuslichen Bereich kommt.
Doch die Bürger sind findig und wissen sich zu helfen. Mit einer facebook-Gruppe, die derzeit rund 2 300 Mitglieder hat, begründeten sie am 31. Mai eine Bürgerwehr, welche durch Achtsamkeit und Streifzüge die Sicherheit vor diesen Einbrüchen in den kleinen Orten herstellen soll.

Doch gründet sich so eine Bürgerwehr nicht ganz ohne Aufsehen. Schon gar nicht, wenn sie auch im sozialen Netzwerk derart präsent ist. Und so stieß auch die TA-Redakteurin Katja Schmidberger auf die Gruppierung. Und kam schnell zur Überzeugung, dass nur eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Wehr, Kommunalpolitikern und der Polizei einigermaßen für Aufklärung zu den Einbrüchen aber auch zum Anliegen der Bürgerwehr sorgen könne.

Am heutigen Tag fand daher jene Gesprächsrunde in Form einer Podiumsdiskussion auf dem Gerstunger Schlosshof statt. Vor 300 Gästen diskutierten Bianka Eschrich von der Polizeiinspektion Eisenach, der Landtagsabgeordnete Raymond Walk (CDU), die Bürgermeister der Gemeinden Gerstungen Werner Hartung (SPD/ FW) und René Weisheit (FW) sowie Landrat Reinhard Krebs (CDU) mit Uwe Grope von der Bürgerwehr. Unter der fach- und sachkundigen Moderation von Sandra Blume und Katja Schmidberger tauschten sich die sechs Diskutanten aus und erörterten Fragen rund um das Thema Sicherheit und die Bürgerwehr.

Gleich zu Beginn der Debatte hatten die beiden Bürgermeister der Gemeinden das Wort und nutzten ihre Redezeit vorausblickend. So erklärte René Weisheit, dass er das Gefühl habe, das subjektive Sicherheitsempfinden seiner Bürger sei abhanden gekommen. Und auch Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung unterstützte Weisheits Argumentation:

Die Einbrüche sind in unserem Ort derzeit das Thema Nummer eins.

Währenddessen thematisierte er aber auch, dass einige der berichteten Einbrüche nicht stattgefunden hätten. Ebenso konnte Polizeichefin Eschrich der Aussage des Bürgermeisters beipflichten und verwies darauf, dass es zwischen 1. Januar und 31. Mai bisher acht Einbrüche und einen Einbruchsversuch im Raum Gerstungen gegeben habe. Dennoch könne sie,versicherte Eschrich, verstehen, dass bei aller Statistik die Betroffenheit und Angst bei den Bürgern ein starkes Gefühl sei. Den Weg einer reinen Bürgerwehr erachte sie dennoch nicht als einzig richtigen. Viel mehr müssen Polizei und wachsame Bürger Hand in Hand gehen.

Ebenso sah es auch der stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses des Thüringer Landtags Raymond Walk:

 Der Schutz der Bürger ist eine Aufgabe des Staates und nicht die einer Bürgerwehr.

Damit bezog Walk klar Stellung gegen eine befürchtete Lynchjustiz, forderte aber zugleich die Werrataler zur Wachsamkeit auf. Auch Landrat Reinhard Krebs hatte sich während der Diskussion zu Wort gemeldet und bot den Gerstungern einen runden Tisch zu den örtlichen Problematiken an. Und verwies dabei auch auf die Asylbewerberunterkunft in Gerstungen. Immerhin sei diese, so der Landrat, immer wieder mit der Einbruchsserie in Verbindung gebracht worden, obgleich es keine Belege dafür gäbe.

Erst auf die Frage der Moderatorinnen hin meldete sich auch Uwe Grope von der Bürgerwehr zu Wort.

Wir wollen, dass unsere Mitbrüger wieder ruhig schlafen können,

sagte der Sprecher der facebook-Gruppe und konstatierte zugleich, dass es nicht Absinnen der Wehr sei gegen die Polizei zu arbeiten.

Doch nicht nur die Podiumsgäste diskutierten auf der Veranstaltung miteinander. Auch die Bürger der Gemeinden kamen zu Wort. So wie Jürgen Bauer, der selbst Betroffener der Einbruchsserie ist. Er berichtete vom Diebstahl in seinem Haus und den anschließenden Spurensicherungsmaßnahmen der Polizei. Auch Ralph Kluge trat ans Mikrofon und appellierte an Polizei und Gemeinde, mit der Bürgerwehr zu kooperieren.

Foto: Paul-Philipp Braun

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