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Eisenach in Berlin als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet

Eisenach ist nun auch offiziell ein „Ort der Vielfalt“: Am Montag nahm Bürgermeisterin Ute Lieske die Urkunde entgegen, die die Stadt berechtigt, diesen Titel zu führen. Verliehen wurde sie vom Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues im Rahmen einer Feierstunde in Berlin. Damit würdigt das Ministerium das Engagement Eisenachs für Demokratie, Vielfalt und Toleranz und gegen Rassismus und Extremismus. Der Stadtrat hatte Ende 2008 beschlossen, dass sich Eisenach um den Titel „Ort der Vielfalt“ bewerben soll.

In der Bewerbung der Stadt auf Verleihung des Titels heißt es unter anderem: „Eisenach ist eine sehr alte Stadt, deren Gastfreundschaft weit zurück reicht. Bereits 1521 fand Martin Luther auf der Wartburg Zuflucht, als über ihn die Reichsacht (Vogelfreiheit) verhängt worden war. Schon früh wurde Eisenach wegen seines kulturellen Reichtums zum Ziel von Menschen aus aller Welt. Doch viele kamen nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten: Die Automobilindustrie, die in der Wartburgstadt seit über 100 Jahren Tradition hat, beschäftigt bis heute Arbeitskräfte aus aller Welt. Nach der Wiedervereinigung ließen sich viele Betriebe auch aus dem Ausland in der Region nieder. Eisenach ist seitdem überdies ein Ziel für jährlich hunderttausende Touristen aus aller Welt – die Stadt ist buchstäblich offen für die Welt.

Diese Umstände erklären sicher mit, weshalb Einwohner, Vereine, Verbände, Stadtrat, Jugendeinrichtungen, DGB, Kirche, Polizei, Stadtverwaltung, Schulamt und andere sich aktiv für Vielfalt, Toleranz und Demokratie engagieren. Dies schließt Aktivitäten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Das Engagement ist sehr vielfältig: Netzwerke zur Stärkung der Demokratie und gegen Intoleranz entstanden in den Bereichen Jugend und Integration. Hier gibt es koordinierte Angebote für Migrant/innen. Auch eine „Interkulturelle Woche“ wird gemeinsam gestaltet. Ein Bündnis gegen Rechtsextremismus hat sich in Eisenach etabliert; dazu gibt es einen Präventionsrat gegen politischen Extremismus und einen Ausländerbeirat.

Seit 1993 gibt es das Projekt „Spurensuche“ zur Geschichte jüdischen Lebens in Eisenach, das vom Elisabeth-Gymnasium und dem Stadtarchiv getragen wird. Das Projekt wurde von drei Regelschulen aufgegriffen und fortgeführt. Am Martin-Luther-Gymnasium befasste sich das Projekt „Gratwanderungen“ mit dem „Entjudungsinstitut“ der Evangelischen Kirche Thüringens in der Nazizeit. Schüler der 5. Staatl. Regelschule pflegen seit einigen Jahren die Gedenkstätte an der ehemaligen Synagoge. Sie beteiligen sich auch an der jährlichen Gedenkveranstaltung am 9. November zur „Reichspogromnacht“.
2008 war der „Zug der Erinnerung“ in Eisenach, der an verschleppte Kinder im 3. Reich erinnert. Rund 2000 Menschen besuchten die Ausstellung und die Begleitveranstaltungen.

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus besteht seit 2004. Es organisierte Straßenfeste für Vielfalt und Toleranz sowie die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“; dazu gab es Postkarten- und Plakataktionen gegen Rechts. Das Bündnis protestierte mehrfach öffentlich bei Kundgebungen rechter Gruppen – bis zu 600 Menschen stellten sich den Neonazis entgegen.
Nicht zuletzt wird Eisenach seit 2007 aus dem Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ gefördert.“

Staatssekretär Dr. Kues sagte anlässlich der Auszeichnung in Berlin: „Die Menschen, die sich in den heute ausgezeichneten 66 Orten mit ihren insgesamt fast 940 Gemeinden engagieren, sind Vorbilder im Denken und Handeln“, so der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Hermann Kues anlässlich der Preisverleihung: „Sie zeigen, wie wertvoll ein friedliches und respektvolles Miteinander für die gesamte Gesellschaft ist.“

Die Universitätsstadt Marburg ist ebenfalls „ein Ort der Vielfalt“. Für die Universitätsstadt Marburg nahmen Stadtrat Jürgen Rehlich und Ljubov Nikonjuk vom Vorstand des Deutsch-Osteuropäischen Integrationszentrums DOIZ e.V. als sichtbares Zeichen der Anerkennung der Marburger Aktivitäten zur Integration ein Schild mit der Aufschrift „Marburg – Ort der Vielfalt“ bei der Preisverleihung in Berlin entgegen.

Rainer Beichler | | Quelle:

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