Foto: © Metilsteiner - https://de.wikipedia.org/wiki/Gaswerk_Eisenach

Früheres Gaswerkgelände: Sanierungsarbeiten an kontaminierten Altbauten beginnen in Kürze

Thüringer Ministerpräsident informiert sich vor Ort: Auf dem Besuchsprogramm in Eisenach stand für Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow auch das frühere Gaswerkgelände (Gaswerkstraße 9). Dort werden in Kürze umfangreiche Sanierungsarbeiten an einigen kontaminierten Altbauten beginnen. Wegen des fast 100-jährigen Betriebs des Gaswerkes ist es auf der Fläche zu massiven Schadstoffeinträgen in Boden und Grundwasser gekommen. Über das Grundwasser haben sich die Schadstoffe ausgebreitet. Die Schadstofffahne reicht inzwischen über das Gaswerkgelände hinaus.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf, die das Besuchsprogramm des Ministerpräsidenten organisiert hat, informierte ihn zusammen mit Experten des städtischen Bau- und Umweltamtes über das Ausmaß der Altlasten und der damit verbundenen technisch aufwendigen und teuren Sanierung. Die größte Quelle für die Kontamination der Fläche ist die 2009 entdeckte Teergrube. Sie ist 3,50 Meter tief und zu nahezu 90 Prozent mit Teerrückständen gefüllt.

Diese Schadstoffquelle müssen wir dringend beseitigen, sagte Katja Wolf.

Von der Grube aus haben sich die Schadstoffe über das Erdreich ins Grundwasser ausgebreitet und können inzwischen bis zur Adam-Opel-Straße nachgewiesen werden.

Wir stehen in engem Austausch mit dem Landesverwaltungsamt und sind froh, dass uns das Land Thüringen bei der teuren aber dringend notwendigen Sanierung unterstützt. Besonders freue ich mich darüber, dass offensichtlich die Koalitionsfraktionen im Landtag eine Lösung anstreben, um die Finanzierung zu sichern. Es war richtig, den Landtagsabgeordneten über Jahre hinweg diese ökologische Altlast vor die Augen zu führen, so Katja Wolf.

Für die Liegenschaft des ehemaligen Gaswerkgeländes ist das Landesverwaltungsamt in Weimar als obere Bodenschutzbehörde die zuständige Umweltbehörde. Die Stadt Eisenach ist als Eigentümerin des Grundstücks bis zu einem gewissen Grad verantwortlich für den Zustand der Fläche

Vom Grundwassermessnetz bis zum Rückbau der Teergrube
In Regie der Stadt ist 2009 ein Grundwassermessnetz auf dem Gelände aufgebaut worden. Man startete mit fünf Messstellen, baute das Messnetz 2014 um weitere sechs Messstellen aus. Die am weitesten vom Gaswerkgelände entfernte Messstelle ist auf dem Gelände der Spicke neben der Adam-Opel-Straße zu finden.

Damit ist es möglich, den Randbereich der Schadstofffahne zu ermitteln und festzustellen, bis wohin sich die Schadstoffe über das Grundwasser ausgebreitet haben. Ein in 2012 gestartetes Forschungsprojekt brachte weitere Erkenntnisse über die Sanierung von Schadstoffquellen. An dem Projekt beteiligte Partner waren die JENA-GEOS-Ingenieurbüro GmbH, das Institut für Mikrobiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und die JenaBios GmbH. Mithilfe horizontaler Bohrungen, die bis ins Grundwasser reichten, wurden Mikro-Organismen in den Boden eingebracht und Messdaten erhoben. Sie gaben Aufschluss darüber, wie der Abbau von Schadstoffen mithilfe von Mikro-Organismen unter verschiedenen Milieubedingungen funktioniert.

Das setzt aber voraus, dass im Vorfeld Schadstoffquellen wie die Teergrube gefunden und entfernt werden, erklärte Arno Minas (Leiter des Bau- und Umweltamtes).

Seit Dezember 2015 existiert für die Sanierung der Teergrube eine Planung. Sie ist hinsichtlich der Bautechnologie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie das Baufeld rund um die Teergrube frei gemacht werden muss, wie tief ausgeschachtet werden muss und wie groß die Grube sein muss, damit die Teerrückstände entfernt werden können.

Wir müssen sieben Meter tief ausgraben und eine Grube mit einem Durchmesser von 15 Metern anlegen. Die angrenzenden ehemaligen Betriebsgebäude müssen zuvor abgerissen und das Material fachgerecht entsorgt werden, es ist ebenfalls kontaminiert, so Arno Minas.

Als erstes sollen die drei früheren Betriebsgebäude im Bereich der Teergrube abgerissen werden. Die öffentliche Ausschreibung für diese Arbeiten läuft noch bis zum 15. November. Für die Abrissarbeiten ist ein sechsstelliger Betrag vorgesehen. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz zahlt davon 100.000 Euro. Die reinen Tiefbauarbeiten des zweiten Bauabschnittes – der Rückbau der Grube – werden weitere 715.000 Euro netto kosten. Allein die Entsorgung des kontaminierten Erdreiches schlägt mit rund 440.000 Euro zu Buche. Wegen des hoch anstehenden Grundwassers sind zusätzlich Brunnen zur Absenkung des Grundwassers sowie eine Aufbereitungsanlage zu installieren, die mit 140.000 Euro netto die Gesamtkosten erhöhen.

Das können wir nicht alleine stemmen, sagte Katja Wolf, die sich über das Signal der Unterstützung des Landes freut.

Wie diese konkret aussehen wird und in welcher Höhe Fördermittel zur Verfügung stehen, wird in weiteren Gesprächen zwischen Stadt und Land erarbeitet.

Zeitplan
Wenn alles planmäßig läuft, sollen noch im Dezember Abstimmungen mit der per öffentlicher Ausschreibung ermittelten Baufirma stattfinden. Mit den Abrissarbeiten soll im Januar begonnen werden. Für die Abrissarbeiten sind etwa vier Wochen eingeplant.
Die öffentliche Ausschreibung für den Rückbau der Teergrube könnte Anfang 2018 beginnen. Ende des Jahres 2018 könnten die Rückbauarbeiten starten. Wichtig ist, dass die Arbeiten in der kalten Jahreszeit stattfinden. So kann verhindert/unterbunden werden, dass geruchsintensive Gase frei gesetzt werden. Im März 2019 könnte die Teergrube beseitigt sein. Weiter ginge es mit den Hauptgebäuden der ehemaligen Gasreinigung und Gasaufbereitung sowie der Lagerfläche für verbrauchte Gasreinigermassen. 2015 und 2016 wurden das frühere Chemikalien- und Betriebsmittellager sowie das ehemalige Elektro-/Trafogebäude beräumt.

Im Flächennutzungsplan der Stadt ist das Gelände als Gewerbefläche ausgewiesen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten – so die Hoffnung der Stadt – ist das Gelände für eine potentielle Nachnutzung deutlich attraktiver. Vorstellbar ist ein Gewerbestandort oder ein Standort für erneuerbare Energien. Dies ist allerdings zuvor in einem Planungsverfahren zu prüfen.

Eisenacher Gaswerk
Seit Dezember 1898 war das zweite Eisenacher Gaswerk in der Gaswerkstraße 9 in Betrieb. Hergestellt wurde zunächst Leuchtgas für Straßenlaternen. Die Einführung des „Kochgases“ führte 1910 zur Erweiterung des Werkes auf die doppelte Leistung. Kochgas wurde aus Steinkohlegas gewonnen. Für den Kohletransport verfügte das Gaswerk über einen eigenen Gleisanschluss. Das Eisenacher Gaswerk stellte 1982 seinen Betrieb ein, die technischen Anlagen waren verschlissen. Die Lage am Stadtrand, mit Gleisanschluss, war für eine Verlagerung des Kohlenhandels günstig. Dieser nutzte das Gelände bis 1990 als Ent- und Umladestation der Kohlezüge. Mit dem Ausbau des Ferngasnetzes und anderer Energieträger war der Bedarf für den Brennstoff Kohle in Eisenach stark rückläufig, der Kohlehandel wurde eingestellt. Als Industrieruine stellt das Werksgelände eine Sanierungsfläche dar.