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Geschichtliches über die Eisenacher Kirchen (5)
Clemenskapelle

In der Wartburgstadt werden zum «Tag des offenen Denkmals» am 9. September die Kirchen in der Stadt im Mittelpunkt stehen. Das bundesweite Motto «Orte der Einkehr und des Gebets – Historische Sakralbauten» ermöglicht eine enge Verbindung zu dem in diesem Jahr gefeierten Elisabethjahr.
Neben den bekannten Kirchen der Stadt – Georgenkirche, Nikolaikirche, Annenkirche und Pfarrkirche St. Elisabeth werden auch die ehemalige Predigerkirche und die älteste Kapelle in Eisenach, die Clemenskapelle sowie mehrere Dorfkirchen der Ortsteile an diesem Tag geöffnet sein. Bei den vielfältigen Veranstaltungen wird stets die Geschichte der Kirchen einen zentralen Stellenwert einnehmen:.

Clemenskapelle
Die Clemenskapelle ist die älteste erhalten gebliebene Kapelle in Eisenach und gilt als eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es war das Gotteshaus des ehemaligen St. Clemens Hospitales (Siechenhaus).
St. Clemens ist eine der ältesten geistlichen Stiftungen in der Stadt, denn Landgraf Hermann I. soll bei der Gründung des Katharinenklosters 1214 die Aussätzigen aus dem nahegelegenen Alten Spital vor das Nikolaitor an den Steinweg verlegt haben. Erhalten blieb bis heute nur die recht unscheinbare Kapelle. Sie besteht aus einem rechteckigen Raum und einem ebenfalls rechteckigen Chor. Dieser hat keine Verzahnung mit dem Hauptraum und ist daher wahrscheinlich in anderer Zeit als dieser erbaut.
Die Kapelle wurde ausschließlich aus Natursteinen errichtet und weist Wanddicken von 67 bis 70 cm auf. Vom Ursprungsbau ist neben den Mauern im Inneren unter anderem eine kleine Rundbogenblende an der Ostseite des Chors erhalten geblieben, des weiteren eine rechteckige Blende mit dem davor angebrachten Weihwasserbecken an der Südseite und daneben eine kleine Spitzbogenblende für einen Leuchter.
Fenster mit Spitzbogen sind in der Kapelle ebenso zu sehen wie Rundbögen oder umgebaute Fenster, was auf verschiedene Bauepochen hinweist. Insgesamt sind heute acht gotische Fenstergewände und ein Werksteinportal mit gotischem Türgewände zu sehen, ebenso wie das Chorfenster mit neuen Glasmalereien und das Nordportal mit einem Weihekreuz. Die Kapelle ging früher wesentlich tiefer herab, was am Ausgussstein und dem Weihbecken erkennbar ist.

Im 17. Jahrhundert wurde die Clemenskapelle noch für Gottesdienste genutzt, im 18. und 19. Jahrhundert aber war sie der Holzstall für das Männersiechenhaus. Zwischendurch erlitt auch die Clemenskapelle 1813 beim Rückzug der Franzosen schwere Beschädigungen, wurde aber wieder hergerichtet. Als die Kapelle 1886 in den Besitz des St. Annenhospitals gelangte, wurde sie vollständig in Ordnung gebracht. Die Außenwände wurden durch vier Strebepfeiler gestützt, das Mauerwerk ausgefugt, ein Anbau an der Nordseite entfernt und im Inneren als Abschluss zum Dach eine Holzdecke eingezogen.

1999 wurde in dem Kirchenbau der echte Hausschwamm festgestellt und sofort mit der Bekämpfung begonnen. Grundlage für die bis 2004 andauernden, umfassenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten waren ein Holzgutachten, restauratorische Untersuchungen und ein sorgfältiges Sanierungskonzept. Es wurden das vom Schwamm zerstörte Dachgebälk ausgebessert, das Mauerwerk trockengelegt, innen und außen ein Sanierputz aufgetragen, das Dach nach historischem Vorbild erneuert und die Fenstergewände steinkonservatorisch instand gesetzt. Aufgrund von starken Setzungserscheinungen mussten die Außenwände zusätzlich vernadelt und verankert werden.

Die Clemenskapelle gehört heute zur Stiftung «St. Annen» und wird von der Ev.-Luth. Kirche für Gottesdienste und Trauungen genutzt.

Rainer Beichler | | Quelle:

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