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Gläser von der Antike bis zur Gegenwart im Schloss

Unter dem Titel „Gläser von der Antike bis zur Gegenwart“ präsentiert das Thüringer Museum Eisenach seit dem 29. September in einer Sonderausstellung eine breit gefächerte Auswahl aus seiner Glassammlung.
Die Exposition wurde am Freitag im Marstall des Stadtschlosses am Markt im Beisein von Mitgliedern einer Konferenz von Glasspezialisten aus Deutschland eröffnet. Sie befassten sich auf ihrer Tagung u.a. mit der Glasgeschichte.

Die Glassammlung des Thüringer Museums Eisenach umfasst ungefähr 900 gläserne Gegenstände. Sie spiegeln wider, welchen Stellenwert Gläser von der Antike bis zur Gegenwart im Kulturgeschehen einnahmen. Die Gläser lassen sich durch ihre Herkunft und durch verschiedene Formen, Dekore und Herstellungsweisen deutlich voneinander unterscheiden.
Den historischen Kern der Museums-Sammlung bilden einige syrische Salbgefäße aus dem 2. und 3. Jahrhundert sowie einige farbige, bleigefasste Scheiben, die zur Aufnahme religiöser Darstellungen dienten. Ebenso gehören dazu Waldgläser aus dem frühen Mittelalter, venezianische Gläser und Formgläser des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Umfangreich ist die Palette an Trink- und Ausgussgefäßen. Darunter finden sich unter andrem Daumenhumpen, Kelchgläser, Römer, Nuppengläser, Rippenflaschen sowie bauchige oder gedrückte Weinflaschen. Abgerundet wird das Repertoire von der Sammlung an Destilliergeräten und einfachen Vorratsgefäßen.

Einen Schwerpunkt bilden die mit Emailfarben bemalten, volkstümlichen deutschen Gläser des 17. und 18. Jahrhunderts. Viele entstanden vor allem im mitteldeutschen Raum. Sie widerspiegeln mit ihren Darstellungen von Wappen, Zunftzeichen, Berufsgruppen, Liebesglück und Liebesleid und den zugehörigen humorvollen Sprüchen ein Stück deutscher Kultur- und Sittengeschichte.

Eine weitere Gruppe besticht durch ihre Raffinesse: Sie dienten den Pflichten, die sich aus der Repräsentation in der Barockzeit ergab und weisen Verzierungen mit Schnitt und Schliff auf. Die Gläser stammen aus Nürnberg, Böhmen, Sachsen und Thüringen. Einen Höhepunkt und die Kostbarkeit der Sammlung bilden die Wappenpokale, gefertigt für thüringische Herzöge wie Anton Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt oder Friedrich Wilhelm von Sachsen-Meiningen.

Ein besonderes Produkt in der Thüringer Glasherstellung ist das lampengeblasene Glas. Vor allem der Ort Lauscha ist bekannt für die Erzeugung des beliebten Weihnachtsbaumschmucks, der noch heute dort gefertigt wird. Bei den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Exponaten des Thüringer Museums handelt es sich vor allem um Tiere und Segelschiffe aber auch Vogelkäfige oder Zierschalen. Sie wurden in Heimarbeit nach venezianischem Vorbild aus dünnen Glasröhren vor der Rüböl-Lampe geblasen.

Dazwischen bestechen farbige Gläser aus dem 18. und 19. Jahrhundert durch ihre besondere Qualität, Überdekorierung oder die Einführung neuer Techniken. So manches Stück stammt aus den großen Glaszentren Böhmen und Wien und läßt die dortige reichhaltige Produktion erahnen. Zu sehen sind Rubingläser, Achatgläser, Hyalithgläser, Mangan-, Kobalt- und Amethystgläser sowie die porzellanähnlich wirkenden Beingläser.
Abgerundet wird die Exposition mit ausgesuchten Stücken aus der Sammlung moderner Gläser. Sie bilden einen Querschnitt und bieten Einsichten in die legendäre thüringische Lampen- und Hüttenglasproduktion des 20. Jahrhunderts.

Glas gehört zu den frühesten künstlich erzeugten Werkstoffen der Menschheitsgeschichte. Ihm zugrunde liegt ein Gemisch von Sand und Pflanzenasche, das bei Temperaturen von über 1000 Grad Celsius in einem Ofen geschmolzen wird. Perlen und Amulette sind die ältesten bekannten Glasobjekte – sie sollten Edelsteine imitieren. Um 2200 v.Chr. entstanden die ersten Salbgefäße in Mesopotamien – als notwendige Utensilien für die Schönheitspflege der Damen. Von der Glasproduktion des Zweistromlandes angeregt folgte unmittelbar die ägyptische Herstellung. Um 1450 v. Chr. wurden Parfüm- und Salbenbehälter in der sog. Sandkerntechnik gefertigt – als Grabbeigaben zieren sie so manches Pharaonengrab.

Die Sonderausstellung des Thüringer Museums „Gläser von der Antike bis zur Gegenwart“ wird bis 17. Februar 2008 im Marstall des Stadtschlosses am Markt gezeigt. Das Stadtschloss ist dienstags bis sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (montags geschlossen). Führungen können per Voranmeldung vereinbart werden (Tel: 03691-670450).

Glasausstellung im Stadtschloss eröffnet

Rainer Beichler | | Quelle:

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