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Leserbrief: Wieder mal keine Sternstunde des Eisenacher Stadtrates

Fraktion „Die Linke“ gefällt sich in der Blockade-Rolle: Kindertreff in Eisenach-Nord und der ThSV Eisenach sind die Leidtragenden

Eisenachs Stadtratsmitglied Dr. Günter Schmidt äußerte sich enttäuscht über den Stadtrat, weil am Dienstag „die kleine bürokratische Hürde“ nicht genommen wurde. Aus seinen Worten spricht nicht nur die Weisheit des Alters sondern auch der gesunde Menschenverstand. Was war geschehen? Ein Eilantrag der Fraktionen CDU, SPD und BfE/Grüne, eine schnelle Lösung für die Kinder in Eisenach Nord nach der Schließung des Kindertreffs im vierten Quartal des Vorjahres zu finden, kam erst gar nicht auf die Tagesordnung, weil es Oberbürgermeisterin Katja Wolf und die Mehrheit ihrer Fraktion so wollten. (Um einen Eilantrag auf die Tagesordnung zu bringen, sind 2/3 der Stimmen notwendig). Leidtragend sind Kinder aus sozialschwachen Verhältnissen und zerrütteten Familienverhältnissen im Alt-Neubaugebiet Eisenach-Nord. Der Kindertreff Am Gebräun war für sie mehr wie ein zweites Zuhause. Hier konnten sie spielen, Hausaufgaben erledigen, ein warmes Essen zu sich nehmen und hatten ein Dach über den Kopf. Eine solche Einrichtung steht und fällt mit der hier arbeitenden Person. In Ulrike Hentrich, die alle nur „Uli“ nannten, hatte der Kindertreff über viele Jahre in Eisenach-Nord eine vorzügliche Leiterin, mit großem Herz und großem Engagement. Sie ging mit den Kindern auf dem Spielplatz und ins Freibad, fuhr mit ihnen Fahrrad, war im Winter mit ihnen zum Schlitten- und Skifahren, hatte zugleich stets ein offenes Ohr für die Probleme der Kinder und angehenden Jugendlichen. Viele karitative Organisationen, Gewerbetreibende und Betriebe der Region unterstützen seit Jahren diesen Kindertreff, machten ihn mit ihren Spenden und Sachzuwendungen überhaupt möglich. Was Ulrike Hentrich fehlt, ist ein „Dokument“, das sie als „Fachkraft“ für diese Aufgabe bezeichnet. Erfahrung und Leistung über viele Jahre zählen nicht. Mit ihrer Kündigung wurden zugleich die Räumlichkeiten vom Betreiber Caritas ab Oktober 2015 in eine – in diesem Wohngebiet sicherlich auch erforderlichen – Begegnungsstätte umgewandelt. Doch die Kinder blieben außen vor. Seitdem ist die Straße ihr zuhause. Und manche „Rattenfänger“ reiben sich bereits genüsslich die Hände. Ende November fand bereits auf Initiative der „Grünen“ ein Treff verschiedener politischer Vertreter, karitativer Organisationen, interessierter Bürger und dem Betreiber statt, mit dem Ziel, den Kindern in Eisenach-Nord ihren Kindertreff zurückzugeben. Ich war dabei. Einmütigkeit aller Anwesenden und der Auffassung, dass auch angesichts des Winters, schnell was passieren müsse. Leider ist bei den lokalpolitischen Mühlen auch über die Festtage Stillstand angesagt. Mittels Eilantrag sollte das Thema nun auf die erste Stadtratssitzung im neuen Jahr, doch er schaffte es nicht einmal bis auf die Tagesordnung, weil es keine Mehrheit „zum Überspringen einer kleinen bürokratischen Hürde“ gab.

Ähnlich erging es einem Eilantrag von Stadtratsmitglied Gisela Rexrodt, der sich mit der Überprüfung der Auftragsvergabe an ein Planungsbüro für den dringend notwendigen Umbau der Werner-Aßmann-Halle beschäftigte. Dieses  Planungsbüro erklärte Wochen nachdem es den Zuschlag bekommen hatte, dass mit dem vorgegebenen finanziellen Rahmen dies nicht möglich sei. Unglaublich! Ein ortsansässiges Architekturbüro, das bereits 1997 die Erweiterung der Werner-Aßmann-Halle geleitet hatte, war ausgeboten worden. Gisela Rexrodt wollte mit einem von CDU und SPD unterstützten Eilantrag dieses Thema auf die Tagesordnung der ersten Stadtratssitzung im neuen Jahr bringen. Mit den Stimmen der Linken wurde dies verhindert. (Da dürften persönliche Befindlichkeiten, ja die Abneigung gegen die Antragstellerin wohl auch eine Rolle gespielt haben.) Wer ist hier der Hauptleidtragende? Die Handballer des in der höchsten deutschen Spielklasse spielenden ThSV Eisenach und viele tausende ihrer Fans. Ohne eine den Standards entsprechende Halle wird es ab dem Sommer keinen Bundesliga-Handball in Eisenach geben. Das Land Thüringen hat einem seiner sportlichen Aushängeschilder eine höchstmögliche Förderung für den Hallenumbau zugesagt. Der Verein selbst will einen nicht unerheblichen Eigenanteil leisten, was für ihn einen gewaltigen Kraftakt bedeutet. Verspielt die Stadt Eisenach nun dieses Vorhaben? Eine Provinzposse, über die ganz Deutschland lachen wird. Eisenach hat ein Handballteam mit guten Chancen, die Erstklassigkeit zu behaupten. Doch welche Klassifizierung hat der Eisenacher Stadtrat?

Thomas Levknecht

Eisenach

Andrea T. | | Quelle:

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  • Gisela Rexrodt

    Lieber Thomas Levknecht, wie Recht du mal wieder hast! Wenn in der Tat die Abneigung gegen mich auch eine Rolle spielte, dann frage man sich, was aus künftigen Beschlüssen und Anträgen werden soll, die für die Stadt wichtig sind? Dann soll man endlich das Geschwafel von „alles zum Wohle der Stadt“ lassen. Ergänzen möchte ich, dass ich lediglich einen Prüfauftrag an die Oberbürgermeisterin stellte. Aber nicht einmal das war gewollt. Ich werde mich damit nicht abfinden. Meine Fragen am 25.01. sollen Klarheit bringen und am 01.März werde ich einen ordentlichen, fristgemäßen Antrag stellen, der auf die Tagesordnung muss.

  • Stadtbewohner

    „keine Sternstunde des Stadtrates“ kann man so nicht stehen lassen, weil es nur eine Fraktion, nämlich die Linke verbockt hat. Alle anderen haben, parteiübergreifend, sich für diese wichtigen Fragen eingesetzt. Gerade jene Menschen, deren Kinder von den Angeboten des Jugendtreffs profitierten, sind das Hauptwählerpotential der Eisenacher Linken. Ich hoffe diese Personen sind helle genug, sich beim nächsten Male besser zu überlegen, wo sie ihr Kreuzchen auf dem Stadtratswahlzettel machen.

    • Gisela Rexrodt

      Ich fürchte, dass es zur nächsten OB-Wahl nur eine Kandidatin geben wird – Frau Wolf. Oder haben Sie andere Informationen? Früher sagte Nationale Front dazu.

  • Wolfgang

    Wieder mal ein gutes Beispiel wie die Linken/Komunisten ihr über Eisenach herrschen. Ich kann nur hoffen die Wähler werden nicht noch einmal auf die nette Fasade der Frau Wolf herreinfallen.

  • Uwe Semmler

    Das Herr Levknecht sich für „seinen“ ThSV einsetzt ist löblich. Als Interessenvertreter darf man durchaus auch Klientelpolitik betreiben. Auch eine Überspitzung halte ich im politischen Tagesgeschäft für durchaus ligitim. Auch dafür, dass er seine persönlich Abneigung gegenüber allem „linken“ zum Ausdruck bringt, habe ich ein gewisses Verständnis. Zudem werden hier zwei Themen vermischt um Emotionen zu schüren. Auch gut. Mag jeder selbst entscheiden, ob der Leidensdruck eines Handballfans zu vergleichen ist mit dem sozial benachteiligter Kindern.Was mich aber stört, ist die Verbiegung der Wahrheit in Bezug auf das tatsächliche Abstimmungsergebnis zu beiden Dringlichkeitsanträgen. Hier bewegt er sich bewusst ganz dicht an der Lüge. Zur Assmannhalle folgten von 31 anwesenden Stadträten 15 nicht der behaupteten Dringlichkeit. Selbst wenn alle neun anwesenden linken Stadträte, wie Herr Levknecht behauptet, blockiert hätten, wäre der Antrag auf die Tagesordnung gekommen. Wenn es nicht Stadträte anderer Fraktionen gegeben hätte, die ebenfalls nicht die Dringlichkeit sahen. Hier ist also noch Raum zu weiterer Lobbyarbeit des Hernn Levknecht. Aber bitte nicht mit falschen Behauptungen.

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