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Bildquelle: Repro E.ON

Licht «solange die Tanzerlaubnis geht»

Vor 100 Jahren, am Heiligen Abend 1911, brannten in Wiesenthal (Wartburgkreis) zum ersten Mal elektrische Lampen auf der Dorfstraße und den angeschlossenen Häusern. E.ON Thüringer Energie erinnert an die Anfänge der systematischen Elektrifizierung der Rhöngemeinde mit einer Ausstellung, die zum «Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, dem 11. September 2011, 13.30 Uhr, feierlich im Dorfgemeinschaftshaus eröffnet wird. Präsentiert werden viele zuvor noch nie gezeigte Fotos, historische Unterlagen und Ausstellungsstücke zur Stromgeschichte in der Rhön.

Zu sehen ist die aufschlussreiche Exposition «100 Jahre elektrisches Licht in Wiesenthal» nur eine Woche lang bis zum 18. September. Die Ausstellungsräume stehen Sonnabend und Sonntag von 11 bis 18 Uhr für Besucher offen. An den Werktagen ist die Exposition von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Absprache mit Frau Günther, Tel. 036964-95586 (Anruf ab 19 Uhr), möglich. Der Eintritt ist frei.

Wasserkraftwerk Dermbach liefert den Strom
Erzeugt wurde der Strom für die Wiesenthaler vor 100 Jahren im benachbarten Dermbach. Der einheimische Maurermeister und Bauingenieur Reinhold Diel hatte dort an der Felda im Jahre 1910 ein kleines Wasserkraftwerk errichtet und damit die Grundlagen für die spätere Überlandzentrale Dermbach geschaffen. Schon bald leuchteten in den umliegenden Orten Unteralba, Mebritz, Urnshausen, Bernshausen sowie Roßdorf mit dem Rittergut und den Vorwerken Friedrichshof und Roßhof elektrische Straßenlaternen – nur der Wiesenthaler Gemeinderat tat sich mit der Neuerung schwer. «Hoffentlich ist die rechte Stunde nicht versäumt worden», sorgt sich Gemeindepfarrer César 1911 im Gemeindeblatt. Erst am 24.9.1911 beschloss der Gemeinderat mit «5 gegen eine Stimme den Strom von Diel zu beziehen», am 24.12.1911 brannten die ersten elektrischen Laternen im Ort. Genau festgelegt waren auch die Brennzeiten der neuen öffentlichen Beleuchtung: an Wochentagen bis 23 Uhr, sonntags bis 24 Uhr und «bei Tanz, solange die Tanzerlaubnis geht».

Die erste Trafostation in Wiesenthal stand am Anfang der Roßhofer Hohle (heute: Fam. Hohmann). In Notsituationen konnte der Bürgermeister die elektrische Versorgung zum Ort am Trafohäuschen hinter einer speziell vorgesehenen und gesicherten Luke ausschalten. Zum Einschalten musste allerdings der Monteur der ÜLZ Dermbach geholt werden. Alte Wiesenthaler erzählen, dass die Häuser, die der Trafostation am nächsten waren, das beste und hellste Licht hatten. Die am weitesten entfernt wohnten, mussten mit schwachen Funzeln zufrieden sein. Grund dafür waren die Spannungsverluste über die langen Ortsnetzleitungen.

650000 Euro ins Stromnetz investiert
Noch Anfang der 1990er Jahre mussten Strom-Kunden in Thüringen – so auch in Wiesenthal – mit zum Teil erheblichen Einschränkungen wegen Störungen in der Energieversorgung leben. Grund war fast immer der teilweise schlechte Zustand des Energienetzes. Dies hat sich mittlerweile grundlegend geändert: Heute verfügt die Gemeinde über eine leistungsstarke und zuverlässige Energieversorgung. Zwischen 1991 und 2009 erfolgte zunächst durch die SEAG, später durch die TEAG bzw. E.ON Thüringer Energie die Neuverlegung von etwas mehr als einem Kilometer Mittelspannungskabel und 13 km Niederspannungskabel. Etwa 200 m Mittelspannungsfreileitung wurden neu errichtet, die Maststation «Wiesenthal Ried» und die Trafostation «Wiesenthal Dillersgasse» neu gebaut. Beide Trafostationen wurden an das jeweilige Mittel- und Niederspannungsnetz angebunden. Der Investitionsumfang belief sich in diesen knapp 20 Jahren auf etwa 650000 Euro.

Dillersgasse in 20er Jahren

Foto: ©Repro E.ON

Rainer Beichler | | Quelle:

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