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 | Bildquelle: Stadtverwaltung

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Bildquelle: Stadtverwaltung

Serie zum Tag des offenen Denkmals

Der diesjährige »Tag des offenen Denkmals” am Sonntag, 12. September steht unter dem Motto »Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr”. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurden von den Beteiligten Geschichten und Informationen über die für Eisenach bedeutenden Verkehrs-, Reise- und Handelsorte, die zum Denkmaltag geöffnet sind, zusammengetragen und jeweils Beiträge verfasst. Diese Beiträge sollen in einer Artikel-Serie veröffentlicht werden, um auf den Denkmaltag einzustimmen.
DDie Serie spiegelt lediglich die Geschichte dieser bedeutsamen Orte wider und beinhaltet keinerlei Wertung. Die folgende Serie soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den »Tag des offenen Denkmals” am 12. September 2010.

Teil 8 – Wandelhalle
Eisenach hatte Ende des 19. Jahrhunderts große Ambitionen und wollte ein Kurbad von Rang werden. Bereits 1884 wurde ein Kurkomitee gegründet. Private Heilstätten entstanden ab 1886 – beispielsweise das Sanatorium Johannistal und das Kurhaus-Hotel Fürstenhof. Aber erst 1904 gelang der Erwerb der ergiebigen sulfatischen Quellen des Gutes Wilhelmsglücksbrunn bei Creuzburg und die Kurbad Eisenach G.m.b.H. wurde gegründet. 1905 wurden dann beim Wettbewerb für eine Trink- und Wandelhalle am Kartausgarten 42 Entwürfe eingesandt. Es siegte der Vorschlag des Dresdner Architekten Johannes Bollert, der den damaligen Gestaltungsintentionen am nächsten kam. Der Eisenacher Architekt Isidor Seifert leitete die Ausführung des vom Maurermeister Drewes errichteten Gebäudes; Architekt Bollert übernahm die künstlerische Oberleitung des Baugeschehens. Am 9. Juli 1906 fand die Einweihung der Wandelhalle statt. Doch der Kurbadbetrieb entwickelte sich nicht so wie gewünscht. Nach dem Ersten Weltkrieg begann nach mehrfachem Betreiberwechsel sein langsames Sterben; 1938 wurde der Kurbadbetrieb schließlich eingestellt.

Die Konzerte in der Wandelhalle wurden zwar zunächst weitergeführt, doch schließlich lähmte der 2. Weltkrieg an diesem Platz jegliches kulturelle Geschehen. Aber im April 1946 konnte im Musikpavillon die Tradition der Kurkonzerte wieder aufgenommen werden. Auch Chor- und Tanzveranstaltungen standen auf dem Programm und 1955 wurde die Wandelhalle in das angesehene Wartburg-Sängertreffen einbezogen. Mitte der 1960er Jahre zogen dann die legendären Sommerfilmtage viele Gäste in die Wandelhalle.

Dennoch verfiel das Gebäude der Wandelhalle immer mehr. Bereits durch den Krieg war der Baukörper der Wandelhalle in Mitleidenschaft gezogen worden. Zwar konnten 1946 Ausbesserungen vorgenommen werden, doch 1965 stellte eine Zustandsanalyse fest: »Der Bauzustand gibt zu ernster Sorge Anlass.” In den 60er Jahren gab es sogar Abrisspläne, die sich glücklicherweise wieder zerschlugen. Die Wandelhalle blieb erhalten, wenn auch der Verfall voran schritt.

Seit 1990, vor allem aber seit dem Ende der 1990er Jahre, nahm man sich ihrer wieder verstärkt an. Bereits 1991 konnte das dringend reparaturbedürftige Dach neu gedeckt werden. Die folgenden Jahre waren bestimmt von der Suche nach einer sinnvollen Verwendung des Objektes. Die fehlende Nutzung hatte dazu geführt, dass Kinder und Jugendliche mehr und mehr Besitz von der Halle ergriffen – mit allen Folgen wie Vandalismus und Ruhestörung. Seit 1999 arbeitete man intensiv an einem soliden Nutzungskonzept, in dessen Ergebnis die Gründung der »Wandelhalle Eisenach Stiftung” unter dem Dach der »Deutschen Stiftung Denkmalschutz” im Jahr 2001 vollzogen wurde. Seit dieser Zeit erfährt die Wandelhalle eine umfassende Sanierung, die im Juni 2004 begann. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Wandelhalle belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Eine 1,45 Euro davon kommt aus Städtebaufördermitteln (Bund-Länder-Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen). Bei der Wiederherstellung dieses Kleinods der Thüringer Baukultur handelt es sich auch um ein Leitprojekt der Innenstadtinitiative des Freistaats.

Inzwischen sind drei der vier Bauabschnitte abgeschlossen. Noch offen sind jetzt im 4. Bauabschnitt die Herstellung der Freifläche zum Kartausgarten und zur Wartburgallee sowie der Einbau des Fußbodens im gesamten offenen Innenbereich. Die Baukosten dafür betragen nochmals ca. 565000 Euro, davon sind 85.000 Euro als Eigenmittel aufzubringen.

Es bedarf noch weiterer Anstrengungen, die Sanierung der Wandelhalle nun auch abzuschließen. Deshalb sei an dieser Stelle an Einheimische und Besucher der Stadt appelliert, durch eine gezielte Spende »4. Bauabschnitt” an die Wandelhalle Eisenach Stiftung, Wartburg-Sparkasse, Konto 173 100, BLZ 840 550 50, die noch ausstehenden Bauleistungen mit zu ermöglichen. Jeder Betrag zählt bei diesem Vorhaben.
Trotz aller Schwierigkeiten – mit der Gründung der Stiftung ist wieder Leben in die Wandelhalle eingezogen. Veranstaltungen locken alljährlich Tausende von Besuchern an diesen Ort. Regelmäßige Konzerte, Lichterfeste, Gottesdienste, Diavorträge, Gartenausstellungen, Veranstaltungsreihen wie »So klingt der Sommer”, die »Reggae-Night” und die »Rock‘n‘Roll-Party”, Benefizkonzerte, Chorkonzerte oder Sommerfeste verschiedener Träger beleben die Wandelhalle. Sie ist als kultureller Ort nicht wegzudenken.
(Quellen: Dr. Herlind Reiß, Erwin Meusel, Dr. Reinhold Brunner)

In der Wandelhalle an der Wartburgallee wird zum Denkmaltag von 11 Uhr bis 17 Uhr eine Ausstellung zur Geschichte des Kurwesens in Eisenach präsentiert. Außerdem erklingt von 12 Uhr bis 14 Uhr ein Konzert.

Foto: ©Stadtverwaltung

Rainer Beichler | | Quelle:

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