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 | Bildquelle: Stadtverwaltung

Beschreibung:
Bildquelle: Stadtverwaltung

Serie zum Tag des offenen Denkmals

Der diesjährige »Tag des offenen Denkmals” am Sonntag, 12. September steht unter dem Motto »Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr”. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurden von den Beteiligten Geschichten und Informationen über die für Eisenach bedeutenden Verkehrs-, Reise- und Handelsorte, die zum Denkmaltag geöffnet sind, zusammengetragen und jeweils Beiträge verfasst. Diese Beiträge sollen in einer Artikel-Serie veröffentlicht werden, um auf den Denkmaltag einzustimmen.

Teil 7 – Kulturfabrik »Alte Mälzerei”
Das kombinierte Wohn- und Mälzereigebäude mit rückwärtigem Anbau für die Kaffeerösterei ist ein typischer Wohn- und Kleinindustriebau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wurde 1873 von der Unternehmerfamilie Heintz errichtet. Produktions- und Wohnräume sind über einen gemeinsamen Flur erreichbar, ansonsten aber funktionell sauber getrennt. Das gesamte Gebäude ist mit zwei parallel laufenden tonnengewölbten Räumen unterkellert.

Die Eisenacher Mälzerei wird als weithin einzigartiges industrieromantisches Denkmal eingeschätzt. Bemerkenswert ist vor allem der fast vollständig erhaltene, zum Teil noch aus den Gründerjahren stammende Maschinenpark. Die Kaffeekugelröster sind 1993/1994 restauriert und konserviert worden.

Braumalz wurde in der Heintz´schen Mälzerei bis ungefähr 1921 hergestellt. Während des ersten Weltkrieges war die Mälzerei stillgelegt. Die Malzkaffeerösterei begann vermutlich erst mit der Einstellung der Braumalzherstellung. Während der Besatzung durch die Amerikaner (6. April bis 1. Juli 1945), wurde für kurze Zeit auch Bohnenkaffee geröstet. Ab 1948 diente der Bereich der Mälzerei mehr und mehr nur noch als Lagerraum. Die Rösterei wurde bis ca. 1952/53 betrieben.

1988 verkaufte die Urenkelin des Begründers die Fabrik mit allen noch vorhandenen Maschinen und Anlagen an die Stadt Eisenach. Der Reiz der Symbiose von Industriearchitektur, faszinierender Technologie unserer Urgroßväter und kultureller Nutzung ist groß. Eine spezifische Klausel schreibt deshalb die ausschließlich kulturelle Nutzung fest.

Der kurz vor der Wende geplante Abriss der »Alten Mälzerei” konnte verhindert und der Denkmalschutz-Status errungen werden. Nach der Wende ermöglichten städtische Finanzen, denkmalpflegerische Mittel, Spendengelder und viel Eigeninitiative erste wichtige Sanierungsarbeiten. Hoffeste mit Live-Jazz, Bratwürsten, Bier und natürlich Malzkaffee lockten Neugierige und zahlreiche Verbündete an. Zum erstmals veranstalteten Tag des offenen Denkmals 1993 kommen über 5000 Interessierte.

Inzwischen ist die »Alte Mälzerei” eine gute Adresse geworden für kulturelle Vielfalt. Sie bot zeitweise die Bühne für das »freie eisenacher burgtheater” und für Aufführungen des Jungen Theaters, ist Domizil für regelmäßige Konzerte des Eisenacher Jazz-Clubs und beherbergt das Internationale Archiv für Jazz und Populäre Musik der Lippmann + Rau-Stiftung.

In der Kulturfabrik »Alte Mälzerei” im Palmental gibt es am »Tag des offenen Denkmals” von 11 Uhr bis 17 Uhr ein Gartenfest, Führungen und erstmals auch Einblicke in das historische Gartenhäuschen.
Am Vorabend des Denkmaltages, am 11. September beginnt 20.30 Uhr ein Konzert mit Anke Angel (Boogie Woogie, Blues).

Foto: ©Stadtverwaltung

Rainer Beichler | | Quelle:

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