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 | Bildquelle: Stadtarchiv

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Bildquelle: Stadtarchiv

Tag des offenen Denkmals: Teil 4 – Hotel und Restaurant „Phantasie“

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 13. September steht unter dem Motto „Historische Stätten des Genusses“. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurde vom Eisenacher Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stadtverwaltung eine Liste von „Genussorten“ in Eisenach erarbeitet. Die folgende Serie, die der Eisenacher Karlheinz Büttner verfasst hat, soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den Denkmaltag.

Im September 1831 weihte Philipp Schellenträger sein neu erbautes Garten-Gesellschaftslokal „Phantasie“ im Mariental ein. Nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 berieten in diesem Lokal Mitte Juli 1859 etwa 30 liberale Politiker und verabschiedeten eine Resolution zur deutschen staatlichen Einigung unter preußischer Führung („Eisenacher Erklärung“ vom 17. Juli 1859). Am 14. August 1859 versammelten sich schließlich Liberale und Demokraten wieder hier und verabschiedeten die 2. Eisenacher Erklärung. Man forderte die Wahl eines Nationalparlamentes, die Schaffung einer Zentralgewalt, das Ende des Bundes und bei unmittelbarer Bedrohung von außen die Übertragung der diplomatischen und militärischen Kräfte Deutschlands auf Preußen. Der Text einer Tafel am Westgiebel des Hauses sieht darin die Begründung des Nationalvereins, dessen Gründung jedoch erst am 15./16. September 1859 in Frankfurt/Main stattfand. Und im Jahre 1862 fand die Generalversammlung des Deutschen Nationalvereins in der „Phantasie“ statt. Somit ist diese Gaststätte ein Originalschauplatz deutscher Geschichte.

Die abgebildete Ansichtskarte aus dem Jahre 1905, entstanden in der Eisenacher Hofbuchdruckerei Karl Kahle, zeigt uns die Nordfront des Gebäudekomplexes, der mehrfach Erweiterungen (1835 Kegelbahn, 1865 Musikhalle, 1879 weitere Halle) erfuhr. Im Jahr 1888 kaufte die Eisenacher Schützengilde die Immobilie, die später noch durch weitere Hände ging. Vor der politischen Wende 1989 war sie in den Besitz des VEB Petkus Wutha gelangt. Ein potentieller Investor, der durch Abriss und riesige Neubauten das landschaftliche und bauliche Umfeld zerstört hätte, kam glücklicherweise nicht zum Zuge. Was bleibt, ist eine einsturzgefährdete Ausflugsgaststätte, die vor allem wegen ihrer Geschichte unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung verdient.

Die einstige Ausflugsgaststätte „Phantasie“ kann zum Tag des offenen Denkmals am 13. September nur von außen besichtigt werden. Es werden Führungen zu „Orten des Genusses“ im Mariental angeboten.

Rainer Beichler | | Quelle:

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