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Unerwünschter Abriss im Sanierungsgebiet

Der Eigentümer des Gebäudes Katharinenstraße 152 wurde von der Stadtverwaltung am 13. Juli 2016 mit einer Verfügung aufgefordert das Gesamtgebäude abzureißen. Es herrscht Einsturzgefahr; Teile des Gebäudes sind bereits eingestürzt. Bürgermeister Dr. Uwe Möller hat sich vor dieser schmerzhaften Entscheidung selbst ein Bild über die Situation verschafft. „Aber die Sicherheit für die Bürger und insbesondere die Schüler der angrenzenden Schule hat höchste Priorität“, unterstreicht er die Abrissverfügung.

Der Eigentümer der Gebäude Katharinenstraße 152/154 hat seit Jahren keine Bemühungen gezeigt, Sanierungsarbeiten am Gebäude auszuführen. Das Hinterhaus und den hinten liegenden Teil des Vorderhauses hatte die Stadt bereits im Rahmen einer Ersatzvornahme abreißen lassen. Auch für die neue Verfügung wird die Stadt wieder selbst tätig werden müssen, da der Eigentümer des Gebäudes der neuen Verpflichtung ebenfalls nicht nachkommen wird.

Beide Gebäude sind von baukultureller und insbesondere großer stadträumlicher Bedeutung für das Straßenbild. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt im Oktober 2014 Fördermittel aus dem Programm „Stadtumbau Sicherungsmaßnahmen“ für die beiden Gebäude Katharinenstraße 152 und 154 beantragt. Das Land Thüringen stellte diese zum Ende des Jahres 2015 in Aussicht. Im Dezember noch besichtigten Mitarbeiter der städtischen Abteilung Stadtplanung mit dem Sanierungsbetreuer das Vorderhaus Katharinenstraße 152, da war der irreversible Verfall des Hintergebäudes bereits unübersehbar.

Der Versuch, die erheblichen Schäden im Vorderhaus mit den dringend erforderlichen Sicherungsmaßnahmen (mit Hilfe der in Aussicht gestellten Fördermittel) zu beseitigen, mündete nach mehrmaligen Bemühungen lediglich in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Eigentümer. Die Stadt Eisenach hatte zu diesem Zeitpunkt erwogen, ein Instandsetzungsgebot zu erlassen, mindestens jedoch eine Sicherungsvereinbarung abzuschließen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits wegen der Gefährdung im öffentlichen und Schulhofbereich eine bauordnungsrechtliche Abrissverfügung für das Gebäude Katharinenstraße 154 und das Hinterhaus Nr. 152 erlassen werden müssen. Nun wären inzwischen auch die bautechnisch erforderlichen Sanierungsaufwendungen zum Erhalt des Gebäudes Katharinenstraße nicht nur sehr umfangreich und unwirtschaftlich, sondern auch kurzfristig kaum realisierbar, da das gesamte Gebäude als auch Bauteile statisch-konstruktiv nicht mehr bestehen können. Teile des Gebäudes sind bereits eingestürzt, weil über Jahre hinweg Feuchtigkeit durch das undichte Dach eindrang. Dadurch entstanden schwere konstruktive Bauschäden – unter anderem eine Überbelastung vorhandener Holzbalken in den Deckenlagen. Durch derartige Lastumlagerungen ist die Standsicherheit des Gesamtgebäudes nicht mehr gewährleistet, so das Ergebnis des vorliegenden Gutachtens des beauftragten Prüfingenieurs für Standsicherheit, Dr.-Ing. Andreas Rinke. Außerdem bestehen akute Gefahren für den angrenzenden Schulhof, den öffentlichen Straßenraum sowie Nachbargebäude. Damit ist der Abriss auch des Gebäudes Katharinenstraße 152 nicht mehr abzuwenden.

A. Ziehn | | Quelle:

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  • Klinker von der Eisdiele

    Es ist ein Trauerspiel in dieser Stadt. Mag sein, dass nach dem Abriss des Gebäudes Katharinenstraße 154 am Gebäude Katharinenstraße 152 bisher nicht ersichtliche Schäden sichtbar wurden. Aber wenn man nun sofort auf Abriss drängt und keinerlei Gedanken an einen möglichen Erhalt dieser prägnanten Klinkerfassade verschwendet, dann ist es ein Zeichen des absoluten Desinteresse unserer Verwaltung am städtebaulichen Ziel, „mit allen“ möglichen Mitteln die Identität unserer Stadt im Bezug auf historische Gebäude zu erhalten. Getreu dem Motto: Schnell weg, was bleibt sind Baulücken, wilde Parkflächen und bestenfalls eine wie so oft geschehen „architektonisch“ minderwertige“ Neubebauung.

    • Isenächer

      Ich bedaure diesen Abriss auch, die Fassade und das Haus an sich waren interessant v.a. im Vergleich zum aktuellen architektonischen Einheitsbrei, der sich in einem Neubau vermutlich widerspiegeln wird….. Ich glaube aber nicht das „Desinteresse unserer Verwaltung“ zu diesem Abriss geführt haben. Es ist eher so, dass der Abriss auf Kosten des Eigentümers das allerletzte Mittel der Verwaltung war, um Sach- und Personenschäden zu vermeiden. Lt. Grundgesetz gilt: Eigentum verpflichtet! Dieser Grundsatz scheint einigen Eigentümern nicht geläufig zu sein oder wird ignoriert…. Man wartet bis nix mehr geht…Hier müsste die Stadt viel eher eingreifen können und ggfs. enteignen?! Als Eisenacher befürchte ich, dass noch mehr Gebäude „fallen“ könnten: Hohe Sonne; Steppke u.a.

    • Klinker von der Eisdiele

      Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass durch eine aktive und engagierte Verwaltung (da mag es ja in Eisenach auch ein paar Mitarbeiter geben, wobei leider zu oft die Vorgesetzten gewechselt haben) möglich ist, Eigentümer zur Sanierung zu bewegen und bei Nichtinteresse die Objekte gegebenenfalls an sanierungswillige, interessierte Personen zu vermitteln. Wenn ich beispielsweise jährlich 2 Briefe an unwillige Eigentümer schicke, was passiert dann? Die Post landet im Papierkorb. Wie so oft im Leben, die richtige Kommunikation ist wichtig! Schlimm ist halt einfach, Eisenach verliert immer mehr architektonische Leuchttürme. Weiterhin sind gerade im Bereich Weststadt (übrigens Sanierungsgebiet) auch viele Häuser verschlimmbessert worden, ein Graus, wenn man ein bisschen Gespür für Architektur und Stadtgestaltung hat. Da müsste eine Verwaltung einfach besser agieren, unterstützen… Ein verhärteter Konflikt ist immer die schlechteste Basis.

      Mögliche Option für die Katharinenstraße 152: Wenigstens die Fassade erhalten, Bauteile sichern und in einen späteren Neubau integrieren. Dies kostet zwar ein bisschen, aber ursprünglich waren ja wohl auch Fördermittel angemacht, wie die Verwaltung in der Pressemitteilung letzte Woche geschrieben hat.

  • Georg

    So schön die Fassade auch sein mag, in der Pflicht steht hier in erster Linie der Eigentümer. Die Stadt hat m.E. ihr bestmögliches getan. Es ist keinem geholfen, wenn die „prägnante Klinkerfassade“ einstürzt und möglicherweise Menschen gefährdet. Dann wird als erstes wieder geschrien, warum die Stadt nichts unternommen hat. Was sollte sie denn machen außer der Zwangenteignung, die hier aber niemals zur Debatte stehen sollte, Klinker hin oder her…

  • Felix Berg

    Es gibt nichts was man nicht erhalten kann, es bleibt einzig eine Frage der Finanzen. Hier scheint der Eigentümer überfordert und auch die Stadt nagt am Hungerhaken ab den 90ern dank der niedrigen Einkommen in der Region als auch der Stadt. Gemeinsam etwas zu erhalten kommt durch die Privatisierungswelle schon gleich gar nicht mehr in Frage.

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