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 | Bildquelle: © S. Blume / Landratsamt Wartburgkreis

Beschreibung:
Bildquelle: © S. Blume / Landratsamt Wartburgkreis

Wartburgkreis nimmt Stellung zum SuedLink-Projekt

Eine fünfzehnseitige Stellungnahme zum geplanten Stromtrassen-Projekt SuedLink hat der Wartburgkreis fristgerecht bis zum 29. November bei der Betreiberfirma Tennet eingereicht. Darin enthalten sind Hinweise und Einschätzungen zu den Planungen von den Fachämtern des Landratsamtes sowie weiterer Institutionen und Behörden; außerdem wurden konkrete Raumwiderstände den einzelnen Trassenkorridoren zugeordnet.

Wie der Landrat in seiner Stellungnahme mitteilt, ist der Wartburgkreis infrastrukturell gut ausgebaut, weist aber gleichzeitig einen hohen Bedarf an weiteren Infrastrukturmaßnahmen auf, die in Konflikt mit den schützenswerten Natur- und Landschaftsräumen stehen und deren Umsetzung zu hohen Planungs- und Ausführungskosten führen. So stoßen für die Region und den Wirtschaftsraum notwendige Straßenbaumaßnahmen und Gewerbegebietserweiterungen auf vielfältige naturschutzfachliche Vorbehalte und Ablehnungen, z.B. Industriegebiet Kindel, Rennsteigquerung B 19, Umgehungsstraße Merkers B 62. Auf diese Ausgangssituation trifft die SuedLink-Planung, die dem nicht nur weitere Raumnutzungskonflikte hinzufügt, sondern darüber hinaus keinen regionalwirtschaftlichen Nutzen hat. Zusätzlich werden die Region und die hier angesiedelten Unternehmen durch die ungleichen Netzentgeltniveaus rigoros benachteiligt. Energiekosten und Strompreise stellen einen eklatanten Standortnachteil Südwestthüringens dar.

Ein SuedLink-Verlauf durch die Wartburgregion verschärft die Konflikte um ihre Entwicklungsmöglichkeiten in nicht zu vernachlässigender Weise und lässt einen höheren Planungsaufwand und Mitteleinsatz in relevanter Größenordnung erwarten, so Krebs weiter.

Aus Sicht des Wartburgkreises sprechen insbesondere folgende naturräumliche Besonderheiten gegen einen Verlauf der SuedLink-Trasse durch die Region:

  • Hainich mit Nationalpark / Naturpark und Randgebieten, die durch besondere Raumnutzungskonflikte z.B. zwischen Biotopverbund und Industriegebiet Eisenach-Kindel gekennzeichnet sind.
  • Biosphärenreservat Rhön
  • nationales Naturmonument Grünes Band
  • Die Trassenkorridore tangieren dutzende gesetzlich geschützte Biotope
  • Erosions- und Erdfallgefährdungen
  • Vielzahl an Gewässerquerungen
  • starke bodenschutzfachliche Vorbehalte; keine verlässlichen Erfahrungen und Gutachten zu den Auswirkungen einer Erdkabelverlegung; bodenschutzfachliche Besonderheiten: engmaschiges Netz an Drainageleitungen (Vernässungsgefährdung); Altlasten

Erhebliche Bedenken gegen die Planungen der Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung SuedLink meldet vor allem die Bodenschutzbehörde des Wartburgkreises an. So führt Dr. Ulrich Feder vom Umweltamt des Wartburgkreises aus:

Alle verfügbaren Unterlagen und Gutachten wurden bodenschutzrechtlich geprüft und lassen nur einen Schluss zu, dass die vorliegenden Ergebnisse nicht geeignet sind, die tatsächlichen Auswirkungen der Leitung abschätzen zu können.

Insbesondere zweifelt das Umweltamt des Wartburgkreises das von Tennet vorgebrachte Gutachten von Prof. Trüby an. So soll dieses, laut Tennet-Prospekt, Langzeiterfahrungen enthalten, bezieht sich jedoch hauptsächlich auf einen Versuchszeitraum von elf Monaten, was beim besten Willen nicht als Langzeitversuch verstanden werden könne. Zudem stellt sich für das Umweltamt die Frage, ob man tatsächlich von einer Versuchsfläche – kleiner als ein Smartparkplatz – in einem lokalen Boden auf den geplanten SuedLink mit 700 km Länge, über diverse Klimate, unterschiedlichste Böden und Pflanzenvergesellschaftungen schließen könne. Das Gutachten gäbe außerdem Hinweise darauf, dass im Extremfall mit einer Erwärmung von über 8°C in 20 cm Tiefe gegenüber den Umgebungsböden gerechnet werden muss, was im Gegensatz zur Information von 4°C aus der Tennet-Infobroschüre steht. Die Drainagewirkung der Einsandung des Erdkabels kann, so Feder weiter, in Verbindung mit der Bodenerwärmung zu Abnahmen der natürlichen Bodenfeuchte im Trassenverlauf führen. Hier wären faktisch Dürreschäden an der Vegetation zu befürchten. Weiterhin stünden erhebliche organisatorische Auswirkungen für die Landwirtschaft zu befürchten, da die Reife angebauter Feldfrüchte aufgrund des erhöhten Wärmeangebotes und der damit verlängerten Vegetationsperiode auf der Trasse, deutlich früher einsetzen könnte, als auf dem Rest der betroffenen Felder.

Zusammengefasst wird bemängelt, dass die ARGE SuedLink bislang keinerlei wissenschaftliche Ergebnisse über die langfristigen Auswirkungen von Hochspannungs-Gleichstrom-Erdkabel auf den Boden besitzt und deshalb aktuell nicht in der Lage sei, diese prüffähig zu beantragen.

Auch die künftige Planung von Windparks, der Bau von Straßen und Radwegen, der Schutz gefährdeter Tierarten, der ungeklärte Umgang mit Altlastenverdachtsflächen und Drainagen, die Zerstörung von Waldstücken und zahlreiche weitere Raumnutzungskonflikte werden in der Stellungnahme des Kreises detailliert erörtert.

Wir wollen gern die Energiewende befördern, lehnen aber den Trassenbau durch den Wartburgkreis aufgrund der Vielzahl der genannten Probleme grundsätzlich ab, teilt Landrat Krebs abschließend mit.

Er wird alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, den Trassenbau abzuwenden. Dazu ist auch die Gründung eines Bündnisses mit den ebenfalls betroffenen Nachbarlandkreisen in Westthüringen bis zum Jahresende geplant.

Andrea T. | | Quelle:

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  • Jakob

    Da sind ja schon auch einige Sparargumente dabei, an denen man sich vor Lachen verschlucken könnte. „Organisatorische Schwierigkeiten für die Landwirtschaft“ – ich plädiere dafür, künftig keine Bahngleise mehr zu bauen – der Bürger hat größte Schwierigkeiten damit, die Gleise zu überqueren. Im Ernst: Ernteausfälle lassen sich entschädigen. Das spüre ich auf meiner Stromrechnung gar nicht. Und noch fragwürdiger als ein Gutachten eines Professors, das sich mangels Erfahrung mit einem Novum auf eine Versuchsanordnung stützt, ist die Einschätzung des WAK-Umweltamtes, die sich auf überhaupt nichts stützt bzw. uns den Quell des besseren Wissens jedenfalls erst gar nicht mitteilt.

    Vielleicht hätte man auch einfach eine herkömmliche Freileitung bauen sollen. Die ist billiger, wahrscheinlich länger haltbar und bei Beschädigung lässt sich eine Störung schneller und billiger beseitigen. Und – wie man leider sieht – meckern tun die Leute, die grundsätzlich und mit Inbrunst gegen alles neue und unbekannte sind, so wie so. Als würde ernsthaft der touristische Wert Thüringens wegen ein oder oder zwei Hochspannungsleitungen beeinträchtigt werden – geschweige denn von einem Erdkabelchen. – Und was die Raumnutzungskonflikte angeht: Stimmen Sie Ihre Pläne ordentlich miteinander ab, dann werden diese minimiert. – Und ich bleibe dabei: Wer sich grundsätzlich gegen diese Stromleitung stellt, dem sollte man zu Hause den Strom abdrehen. Wer dem notwendigen Fortschriftt feindlich gesinnt ist, der braucht auch nicht an dessen Früchten teilzuhaben.

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