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Ausstellung: „Anwalt ohne Recht“

„Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933“: So heißt eine Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und der Bundesrechtsanwaltskammer, die ab Dienstag, 9. Dezember im Eisenacher Amtsgericht am Theaterplatz (Saal 301) zu sehen sein wird. Die Eröffnung findet am 9. Dezember um 18 Uhr statt.

In dieser Ausstellung, die bis 30. Januar dauert, wird die Verfolgung jüdischer Anwältinnen und Anwälte in der NS-Zeit dokumentiert. Auch die Schicksale von Anwälten aus Eisenach und anderen Thüringer Städten werden gezeigt.

Geöffnet ist die Ausstellung im Amtsgerichtsgebäude am Theaterplatz 5 montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr und freitags von 8.30 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Örtliche Veranstalter sind das Amtsgericht Eisenach, die Stadt Eisenach, und der Eisenacher Rechtsanwaltsverein.

Die Ausstellung wendet sich nicht nur an ein Fachpublikum, sie ist allgemeinverständlich, übersichtlich, reich bebildert und sie zeigt die menschliche Tragödie, die sich hinter den Schicksalen der jüdischen Anwälte verbirgt.

Die Ausstellung ist insbesondere für eine Nutzung durch Schulen geeignet, weil sie den Gesamtkomplex der Judenverfolgung an einer Berufsgruppe verdeutlicht.

Für Rückfragen stehen Richter Dr. Holle (Tel. 03691-247 304) sowie Dr. Brunner (Leiter des Stadtarchivs, Tel. 03691-670 132) zur Verfügung.

Schicksale von Anwälten in Eisenach, Erfurt und Gera werden dokumentiert

In der Ausstellung „Anwalt ohne Recht“ werden vor allem Einzelschicksale jüdischer Anwälte dargestellt. Der allgemeine Teil der Ausstellung wird mit speziellen Informationen zu den Schicksalen von Anwälten in den jeweiligen Bundesländern ergänzt. Die entsprechende Ergänzung der Ausstellung für den Freistaat Thüringen hat das Stadtarchiv Eisenach zusammengestellt.

In dem Teil der Ausstellung, der Thüringen betrifft, zeichnet unter anderem das Leben dreier Eisenacher Anwälte nach, deren Schicksal symbolhaft ist für alle jüdischen Anwälte Thüringens: Dr. Alfred Backhaus nahm sich unter dem Druck des Regimes 1937 das Leben, Justizrat Theobald Speyer floh nach England und hat dort überlebt, Dr. Robert Stern wurden 1942 deportiert und ist verschollen.

Gezeigt werden aber auch die Lebenswege des Erfurter Anwaltes Dr. Stern, der nach seiner Flucht in England überlebte, und von Dr. Max Hauptmann aus Gera, der ebenfalls im Exil überlebte.

Es ist kein Zufall, dass die Ausstellung, die bereits in Leipzig, Heidelberg, Bochum, München, Nürnberg, Hannover, Stuttgart, Erfurt, Berlin, Rostock, Aachen, Chemnitz, Hamburg und in vielen weiteren Städten zu sehen war, nun in Eisenach gezeigt wird. Einerseits hat die Stadt eine nicht unbedeutende jüdische Geschichte, andererseits gibt es hier seit Jahren viele Initiativen, die der Erinnerung an die örtlichen jüdischen Traditionen dienen: 1995 gab es die Ausstellung „Fragmente jüdischen Lebens“, 1995, 1998, 2002 Jüdische Begegnungswochen, 2000 ein Treffen mit jüdischen Enkeln, regelmäßig sind Konzerte, Buchlesungen und Vorträge zur jüdischen Kultur zu hören, alljährlich zum 9. November wird der Judenpogrome gedacht, mehrere Gedenktafeln erinnern an das Schicksal Eisenacher Juden und auch Schüler beschäftigen sich intensiv mit der jüdischen Vergangenheit.

Die Eröffnung der Ausstellung 65 Jahre nach dem Pogrom 1938, der auch die Eisenacher jüdischen Anwälte ins Unglück stürzte, ist ein weiteres Zeichen, das die Stadt Eisenach in dieser Beziehung setzen will. Damit will sie auch den immer noch vorhandenen antisemitischen Tendenzen in Teilen der Gesellschaft entgegenwirken.

Weitere Infos: http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht

Rainer Beichler | | Quelle:

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