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Beifall für Ines Geipel

Am Dienstag war im Saal des Rautenkranzes am Markt kein Platz mehr frei. Über 150 Eisenacher kamen zu Ines Geipel. Sie las aus ihrem Buch «Für heute reicht´s -Amok in Erfurt». Ines Geipel, Erfurterin, ist Professorin an der Hochschule «Ernst Busch» in Berlin. Kam nach dem Amoklauf von Berlin mit vielen ehemaligen Schülern des Gutenberg-Gymnasiums und jetzigen Studenten zusammen. Thema: Erfurt und die Schlussfolgerungen aus den Ereignissen vom 26. April 2002 und die Gespräche zu vielen gesellschaftspolitischen Fragen.
Dr. Matthias Heber, Inhaber der Buchhandlung «LeseLust» Eisenach, verwies in seiner Begrüßung darauf, dass viele die diskutierten und das Buch gar verbieten wollten, es überhaupt nicht gelesen hätten. Die Lesung in Eisenach war eine gemeinsame Veranstaltung von «LeseLust» und Volkshochschule Eisenach.
Offen und ehrlich schilderte die 43-jährige Germanistin ihre Beweggründe, ein Buch über die Amoktat zu schreiben. Es wurde ein viel beachtetes streitbares und lesenswertes literarisches Sachbuch.
Alle Quellen könne sie belegen, Informanten dürfe sie jedoch nicht preisgeben. Neben vielen öffentlichen Diskussionen hat das Buch schon eines erreicht: Thüringens Justizminister hat eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt. Erste Ergebnisse könne es in den nächsten Tagen bereits geben.
Die Betroffenen, Angehörige, Schüler hätten viele Fragen zu den Ereignissen im April 2002, diese füllten 13 Seiten.
Die fiktive Figur Elsa erzählt Erlebtes und macht sich Gedanken über die Bildungssituation in Deutschland und auch in Thüringen, zeichnet ein Bild der jungen Generation. Sie kannte Steinhäuser, Elsa blicke in die Vergangenheit und wage einen Ausblick in die Zukunft. Wie soll es weiter gehen?
Ines Geipel verwies auf aktuelle Studien zur Gewalt an Schulen, Mobbing und gestiegener Aggressivität. Steinhäuser sei in dem gesamten Schulgeschehen isoliert, der illegale Schulverweis dann der Höhepunkt gewesen. Geipel: «Die Tat ist zu ächten». Trotzdem sah sie es als wichtig und erforderlich an, über die Person des Amokschützen zu schreiben und auch kurz die Geschehnisse aufzuzeichnen. Dies sei kein Voyeurismus, sondern eine kurze sachliche Darstellung zum Geschehen.
Mit dem Buch wolle sie eine aktive Diskussion zu aktuellen Fragen der Bildungspolitik anregen. Vieles liege im Argen, dies unterstrich auch die angeregte Diskussion. Da ging es um die «Prüfungen» in den 10. Klassen der Gymnasien. Den Leistungsdruck und auch um die meist fehlenden Perspektiven für die Jugend. Fragen gab es aber auch zum Buch selbst.
Im Buch werde ein Jugendbild erarbeitet, Jugendliche zitiert, die etwas ändern wollten und nach dem Massaker an die Öffentlichkeit gingen.
Viele der Gäste waren gekommen um Ines Geipel zu hören, um sich dann zu entscheiden das Buch zu kaufen. Viele taten es.
Das Geschehen in Erfurt am 26. April 2002 ist noch nicht aufgearbeitet, vieles würde noch verdrängt, ignoriert.
Der lange Abend im Rautenkranz trug zur Aufklärung bei, lies aber viele Fragen offen.
Zum Abschluss gab es für die Autorin Beifall, von den über 150 aufmerksamen Gästen, die am Aschermittwoch Ines Geipel erleben wollten.

Das Buch erschien am 28. Januar 2004 im Rowohlt-Verlag Berlin; ISBN: 3871344796.

Dr. Matthias Heber und Ines Geipel

Rainer Beichler |

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