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Bilder erzählen Stadtgeschichte

Der erste Stadtfotograf der Wartburgstadt, Günter Bersch, beendet Samstag mit seiner Ausstellung offiziell seine Tätigkeit. 50 Bilder sollten in einem halben Jahr entstehen, es wurden 90 und alle können Geschichten erzählen.
Die Stadt bekommt mit den Arbeiten eine einmalige Dokumentation Eisenachs. Es sind keine bunten Hochglanzfotos, sondern Aufnahmen in schwarz/weiß, die dem Betrachter etwas sagen möchten.
Bersch drückte nicht einfach auf den Auslöser seiner Leica, er fotografiert übrigens immer mit einem Weitwinkelobjektiv, sondern beobachtete, wartete auf einen entscheidenden Moment oder er installierte seine Motive.
Der Berliner wurde in den sechs Monaten zu einem Kenner der Stadt. Er fand Ecken und Kleinode, die dem echten Eisenacher nicht mehr auffallen. So der kleine Zigarrenladen in der Oppenheimstraße, der Holzofenbäcker in der Treboniusstraße, Gartenanlagen. Und dann die Portraits von Eisenachern: Fotograf Ulrich Kneise, Bachhauschefin Dr. Franziska Nentwig, Burghauptmann Günter Schuchardt, OB Gerhard Schneider, Autohauschef Lutz Maier-Rehm, ThSV-Fan (Manolo) Volker Staer, Fotografenmeister Joachim Thurau, Bischof em. Dr. Werner Leich oder Reuterhaus-Chefin Gudrun Osmann. Mit scharfer Optik betrachtete er den Wahlkampf in Eisenach, sah in Betrieben wie Opel oder Bosch nach. Lichtete die Menschen auf Eisenachs Straßen ab, war beim Brautausstatter, auf dem Friedhof, stieg auf Dächer und besuchte Feste. Im Reuterhaus installierte er die Damen vom Eisenacher Ballett. Unterhalb der Wartburg posierten sie und man hatte den Eindruck: «Das war es».
«Ich war über die Offenheit der Menschen überrascht. Sie haben sich für mich geöffnet», so Bersch. Und weiter: «Ich habe von Eisenach ein positives Bild gewonnen. Eisenach ist für mich ein Stück Heimat».
Morgen wird im Marstall des Stadtschlosses die Ausstellung unter dem Motto: «Soviel Heimat» eröffnet. Fünf Wochen sein die Bilder dann zu sehen.
Für 15 Euro kann man sich ein Buch mit den Bildern kaufen. Dieses Buch ist sein Geld wert – eine «Bilderchronik» die einen weiteren Zeitsprung dokumentiert.
Viel hat Bersch in Eisenach erlebt und fotografiert. Ich könnte gar einen Film über viele der Menschen drehen. Die Zeit in Eisenach war für ihn viel zu kurz. Und beim Vorbereiten der Ausstellung, dann die Erkenntnis: «Ich habe ja nicht ein Kinderbild gemacht. Man kann nicht perfekt sein.» Diesen Anspruch hat der Berliner Fotograf auch nicht an seine Bilder, zu Unrecht. Sicher werden sie schon zur Ausstellungseröffnung für lebhafte Diskussion sorgen. Auch das ist gewollt.

Günter Bersch - nachdenklich

Rainer Beichler |

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