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Bildquelle: Verein/Agentur

Buchlesung mit DDR-Star

Der Verein „Sängerkrieg e.V.“ aus Eisenach wird erstmals auch unabhängig vom Sängerkrieg-Festival aktiv, um den Auftritt einer außergewöhnlichen Frau in Eisenach zu ermöglichen: Am Mittwoch, 22. April, wird zur Konzertanten Lesung mit Annekathrin Bürger eingeladen. Beginn ist um 20 Uhr in der Annenkirche in Eisenach. Die DDR-Schauspielerin liest aus ihrer Biografie „Der Rest, der bleibt“. Musikalisch begleitet wird sie von Christian Georgi (Flöte und Saxophon) sowie Detlev Rose (Piano und Gitarre).

Annekathrin Bürger war eine der beliebtesten Filmschauspielerinnen der DDR. Außerdem war sie 38 Jahre an der Berliner Volksbühne/Ost engagiert, spielte unter Besson und Castof. In der Retrospektive der Berlinale 2006 wurde sie als «Traumfrau der Fünfziger» geehrt. Ihre Chansonabende und literarisch-musikalischen Programme finden großen Anklang – ihre warme Stimme und ihre temperamentvolle Ausstrahlung überzeugen. Im neuen deutschen Fernsehen ist sie vor allem in «Im Namen des Gesetzes» und im «Tatort» zu sehen.

Ihr Buch ist das Lebensdokument einer geradlinigen Frau – kämpferisch, weise und bescheiden zugleich. Annekathrin Bürger ist geblieben, als andere die DDR verlassen haben, doch angepasst war sie nie – im Gegenteil. Als es unbequem wurde, wurde sie selbst unbequem. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schauspieler und Regisseur Rolf Römer, protestierte sie 1976 gegen die Biermann-Ausbürgerung, mischte sie sich ein, machte den Mund auf. Mit ihrer stillen Diplomatie gelang ihr vieles, was andere schon verlorengegeben hatten: Sie rettete das Museum der Charlotte von Mahlsdorf. Bewahrte buchstäblich in letzter Sekunde das Regierungspalais August des Starken vor der Sprengung. Verschaffte drangsalierten Kollegen wichtige Freiheiten.

Doch „Der Rest, der bleibt“ enthält viel mehr als die Erinnerungen einer Schauspielerin. In diesem ungewöhnlichen deutsch-deutschen Schicksal spiegelt sich die bewegte Geschichte des Landes ebenso wider wie die jener Menschen, die als große oder kleine Rädchen im Getriebe die Zeit gestaltet und verändert haben.

Die Biografie beschreibt Bürgers Kindheit während des 2. Weltkrieges, Not, Flucht, Trennung und Wiederfinden, das Aufwachsen im Osten Deutschlands, den Beginn ihrer Karriere beim Film und auf der Theaterbühne in Senftenberg, die Rückkehr nach Berlin mit ihrem Ehemann Rolf Römer, die Zeit als gefeierter Star bis zur Wende, den Unfalltod ihres Mannes 2000, sowie das Leben danach, im ehemals gemeinsamen Haus in Berlin-Köpenick. Das Buch beschreibt auch ihre Herkunft aus einer über Generationen gewachsenen Künstlerfamilie. Ihre Erinnerungen an die Großmutter, die Leipziger Malerin Käte Rammelt-Bürger, die auch einen Kostüm- und Maskenverleih führte, werden lebendig und sie beschreibt ihre enge Bindung zur Künstlerfamilie in Dessau, vor allem zu ihrem Vater, dem Tiermaler und Zeichner Heinz Rammelt.

Rainer Beichler | | Quelle:

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