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«Dies Buch in aller Zunge, Hand und Herzen» – 475 Jahre Lutherbibel

Bis zum 31. Oktober ist auf der Wartburg eine Sonderausstellung zur Lutherbibel zu sehen. Anlass ist die Lutherdekade und die Ankunft Luthers (4. Mai 1521) auf der Wartburg. Bis zum 1. März 1522 lebte Luther als Junker Jörg auf der Burg und übersetzte dort die Bibel.
In dieser Zeit gelang Martin Luther eine Meisterleistung: die in Hebräisch und Griechisch verfassten biblischen Bücher, auf die Luther zurück griff, in eine deutsche Hochsprache zu übersetzen, die es bis dahin noch nicht oder erst in geringen Ansätzen gab, zum Beispiel in der Korrespondenz der kurfürstlichen Ämter mit den kaiserlichen Behörden.

Der Werdegang der Lutherbibel, dem sich die Ausstellung widmet, begann 1521/22 auf der Wartburg, wo er in nur zehn Wochen das Neue Testament übersetzte. Die Bücher des Alten Testaments, zu deren Übersetzung auch andere Wittenberger Reformatoren ihren Beitrag leisteten, wurden nach und nach herausgegeben; bis zum Erscheinen der ersten lutherischen Vollbibel 1534, geschmückt mit Illustrationen aus der Werkstatt Lucas Cranachs, vergingen zwölf Jahre.
Die auf der Wartburg gezeigte Sonderausstellung wird die genannten Stationen anschaulich und informativ ins Licht rücken. Sie wird den Gelehrtenkreis um Luther vorstellen, sich in einem «begehbaren» Buch Luthers Sprache, seinen Wortfindungen, seinem Dolmetschen und seinen Helfern zuwenden, originale Hilfsmittel und Übersetzungsmanuskripte präsentieren und seinen Anweisungen für die Textbebilderung nachgehen, die er den Malern vorgab. Sie wird einen Blick in die Druckerei des 16. Jahrhunderts. gewähren und damaliges Arbeitsgerät vorstellen. Und natürlich fehlt weder das gedruckte Resultat seines Wartburgaufenthalts – das Septembertestament aus dem Jahr 1522 – noch die originale Lutherbibel von 1534, noch sein Arbeitsexemplar von 1541, in das er seine Bemerkungen eintrug.
Selten gezeigt wird die sog. Zerbster Prunkbibel, die sich Georg von Anhalt im selben Jahr anfertigen und in der Cranach-Werkstatt kolorieren und reich vergolden ließ. «Biblisch» geht auch weiter: An ausgewählten Stücken des 16. bis 19. Jahrhunderts. aus der bislang fast unbekannten Bibelsammlung der Wartburg vorbei gelangt der Besucher in die Zelle, wo das Werk seinen Anfang nahm, und wird auf dem Weg dorthin noch allerhand Sehens- und Hörenswertes zum Thema entdecken können.

Das dazu herausgegebene 112-seitige Buch, das den Ausstellungstitel trägt, eignet sich als Begleitschrift und informiert mit kurzweiligen, reich bebilderten Texten über alles, was man zur Lutherbibel wissen sollte.

Rainer Beichler |

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