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Ein stiller Ort der Romantik am Hochufer der Werra

Zu frühabendlicher Stunde fanden sich am vergangenen Freitag etwa 40 Besucher aus nah und fern am Schloss Neuenhof ein.
Die vom Eisenacher Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisierte Veranstaltung stand wiederum unter dem Leitthema «Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert.» Die Parkführung wurde in dankenswerter Weise von Dr.-Ing. Daniel Rimbach (Bad Liebenstein) übernommen, der sich seit Jahren intensiv mit der Entstehung und Entwicklung des Neuenhöfer Parkes befasst und zu diesem Thema seine Diplomarbeit geschrieben hatte.

Nach einer kurzen Einführung in die geschichtlichen Daten des Schlossgebäudes konzentrierte sich der Blick auf das Werden und Vergehen des Schlossparks.

Die im Kern etwa 3,5 Hektar große Anlage in Neuenhof gilt als ein Frühwerk des Gartenarchitekten Eduard Petzold. Das einige Jahre zuvor vom Staatsbeamten und Landmarschall von Riedesel erworbene Landgut in Neuenhof sollte dem damals vorherrschenden Zeitgeschmack der Romantik entsprechend aufgewertet und mit einem Landschaftspark umgeben werden. Die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammenden Wohngebäude der Kemenate und andere Nebengebäude, die Kirche und der Gutshof sowie die sich östlich und nördlich anschließende Ortslage waren geschickt in das Gesamtkonzept einzubeziehen.

Nach Petzolds Ideen entstand entlang des Werraufers ein durch Spazierwege erschlossenes Gelände. Verschiedenartigste Bäume und Gehölze umgeben die eigentliche Schlossanlage, die sich mit der Kirche auf einem Hügel über das Dorf erhebt, sie bilden Sichtachsen, verdecken oder betonen reizvolle Details an den Gebäuden.

Direkt am Schloss lagen einst Rabatten und Blumenbeete, von dort gelangte man in eine Übergangszone mit Spazierwegen und Brücken sowie dem damals noch vorhandenen Kemenatenteich. Unmerklich sollte der Übergang vom Schloss zum Dorf oder der östlich anschließenden Flur mit Bergen und Wäldern erfolgen, lediglich das Ufer der Werra markierte noch eine Grenze.

Beim anschließenden Rundgang wurden die Besucher auf zahlreiche Details und Veränderungen im Park aufmerksam gemacht, die den fast 175-jährigen Park heute prägen. Die letzten 60 Jahre haben hier Spuren hinterlassen, aber vieles kann auch «repariert» werden. Fehlende Bäume – vor allem die einst beim Gut stehende gewaltige Blutbuche – sind die markantesten Verluste.

Sorgen bereiten dem Parkexperten die Neophyten – neu in den Park eingefügte Ziergehölze, die sich hier wie Unkraut vermehren und die durch zunehmende Klima- und Umweltbelastung an den Bäumen und Gehölzen vorhandenen
Krankheits- und Schadbilder.

Trotz dieser Beeinträchtigung und jahrzehntelanger Vernachlässigung in Folge der Grenzlage hat sich dieser Park in ein herausragendes Denkmal der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts verwandeln können.

Auch zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 11. September 2011 besteht nochmals die Möglichkeit, den Park im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Führungen werden am Denkmalsonntag in der Zeit von 13 bis 17 Uhr angeboten.

Rainer Beichler | | Quelle:

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