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 | Bildquelle: © Mendelssohn-Remise, Berlin - Manfred Claudi / Bachhaus Eisenach

Beschreibung:
Bildquelle: © Mendelssohn-Remise, Berlin - Manfred Claudi / Bachhaus Eisenach

„Frauen und Bachs Musik“ im Berliner Dom

Ab dem 10. März zeigt das Bachhaus Eisenach im Berliner Dom eine Ausstellung zur Rolle der Frauen bei der Entstehung, Wiederentdeckung und Rezeption von Johann Sebastian Bachs Musik. Die Ausstellung schlägt am Beispiel von acht Frauenpersönlichkeiten einen Bogen vom sich wandelnden Frauenbild in der Bach-Zeit über die Bach-Pflege im Kreis um Prinzessin Anna Amalia von Preußen und in den Berliner Salons um 1800 bis zum Einfluss von frühen Bach-Interpretinnen auf die heutigen Hörgewohnheiten. Die Ausstellung findet im Kaiserflur des Doms statt, der für die Besucher geöffnet wird. Die eigens für den Dom konzipierte Ausstellung ist dort vom 10. März bis zum 1. Mai 2016 zu sehen.

Zur Bach-Zeit (1685–1750) begannen Frauen, sich aus der ihnen zugedachten Rolle von „Gehülfinnen“ ihrer Ehemänner zu emanzipieren. Die Ausstellung illustriert das am Beispiel von vier Frauenpersönlichkeiten: Bachs zweiter Ehefrau Anna Magdalena, die als fürstliche Sängerin am Hof Leopolds von Anhalt-Köthen engagiert war, der Dichterin Christiane Mariane von Ziegler, kaiserliche „poeta laureata“, welche die Texte zu neun Kirchenkantaten Bachs verfasste, der Übersetzerin und Philosophin Luise Adelgunde Victorie Gottsched, die in Leipzig Kompositionsunterricht bei Bachs bestem Schüler nahm und bei Bach-Aufführungen mitgewirkt haben soll, und der mit den Bachs befreundeten Opern-Diva Faustina Hasse.

Wie umstritten das neue Frauenbild war, zeigt eines der ausgestellten Objekte: das im Erstdruck der Liedersammlung „Singende Muse an der Pleiße“ von 1736 enthaltene Lied „Ihr Schönen, höret an“: Es ist ein Spottlied auf studierende Frauen, zu dem der Leipziger Professor Johann Christoph Gottsched den Text und Bach die Melodie beigesteuert haben sollen. Beim Erscheinen war das Lied so anstößig, dass die Seite aus dem Buch entfernt und eine andere eingeklebt wurde – neben dem Bachhaus Eisenach besitzen nur die Universität der Künste und die British Library noch ein unzensiertes Exemplar.

Die weitere Ausstellungwidmet sich vier Frauen, die an der Bewahrung, Wiederentdeckung und Rezeption von Bachs Musik maßgeblich beteiligt waren: Die komponierende Prinzessin Anna Amalia von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen und später in der Gruft des Doms beigesetzt, sammelte in ihrer Amalien-Bibliothek zahlreiche Bach-Handschriften, die sonst vielleicht verloren wären, darunter die h-Moll-Messe und die Brandenburgischen Konzerte. Sara Levy, die Tochter des Hofjuden Friedrichs des Großen Daniel Itzig, betrieb in ihrem vielbesuchten musikalisch-literarischen Salon direkt gegenüber vom Berliner Dom einen regelrechten „Bach-Kultus“. Ihre Schwester Bella Salomon wiederum erkannte als eine der ersten die Bedeutung von Bachs Matthäus-Passion und schenkte 1823 eine Abschrift ihrem Enkel Felix Mendelssohn – hieraus führte dieser 1829 das Werk in der Berliner Singakademie zum ersten Mal nach Bachs Tod wieder auf. Die polnische Pianistin Wanda Landowska schließlich entdeckte 1896 das „Bach-Cembalo“ im Berliner Musikinstrumenten-Museum, begeisterte sich für dieses altertümliche Instrument und wurde weltweit erste Dozentin für Cembalo an der Berliner Königlichen Hochschule für Musik. Sie setzte sich so unermüdlich für die damals fast vergessenen Instrumente ein, dass heute kaum ein Werk von Bach nicht (auch) mit Cembalo gespielt wird und erhältlich ist. Jede dieser Frauenpersönlichkeiten wird im Dom mit Original-Objekten und Hörbeispielen illustriert. Es ist die vierte der inzwischen zur Tradition gewordenen Frühjahrs-Ausstellungen des Eisenacher Bach-Museums im Berliner Dom.

„Frauen und Bachs Musik“: Sonderausstellung des Bachhauses Eisenach im Berliner Dom. Am Lustgarten, 10178 Berlin. 10.3.-1.5.2016, Mo-Sa 9-19 Uhr, So 12-19 Uhr (ab 1.4. abends bis 20 Uhr). Ausstellungseröffnung: 10.3.16, 9.30 Uhr.

Titelbild: Bella Salomon geb. Itzig (1749–1824), Tempera auf Elfenbein, um 1800 (Privatbesitz)

Andrea T. | | Quelle:

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