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Grundschule Wutha-Farnroda
Schule ohne Namen, ohne Schulleiter und ohne Konzept

Im Jahr 2010 wurde seitens der entsprechenden Behörden, gegen den Wunsch vieler Eltern, die Schließung des Gebäudes der Grundschule am Schlosspark in Farnroda durchgesetzt.

Beginnend mit dem Schuljahr 2010/11 zog die Grundschule mit in das Gebäude der Hörselberg-Grundschule auf dem Mölmen. Da beide Schulen nach sehr unterschiedlichen Konzepten unterrichten, wurde im letzten Schuljahr die Eigenständigkeit der Schulen erhalten und Sie wurden unter den bisherigen Namen mit den bisherigen Schulleitern weitergeführt.
Zielstellung der Schulverwaltung war nun, die positiven Seiten aus beiden Systemen zu einem neuen System zusammenzuführen. Leider ist man an dieser Stelle gescheitert.

An der Hörselbergschule existiert ein sehr lockeres Konzept, in welchem die Kinder in der dreijährigen Schuleingangsphase in Klasse 1 und 2 jahrgangsgemischt lernen, und welches eine Benotung erst ab Klasse 3 vorsieht! Die Jahrgangsmischung bedeutet, dass die Schüler der Klasse 1 «Mentoren» aus Klasse 2 erhalten, die sie während des Unterrichts unterstützen sollen (statt in der Zeit selbst zu lernen). Die Unterrichtseinheiten von 90 Minuten sind für Kinder, die gerade aus dem Kindergarten kommen, auch viel zu lang.
Allerdings sind Essen, Trinken und Toilettengänge während des Unterrichts erlaubt. Vorrangiges Augenmerk liegt auf Individualität und Selbstbestimmung und nicht auf ergebnis- und zeitorientierter Arbeit – für Grundschüler nicht leistbar!
Es wird nach dem Konzept «Lesen lernen durch Schreiben» unterrichtet, wohl auch deswegen, weil die bisherige Schulleiterin dieses Konzept mitentwickelt hat und auch im Schulbuchverlag bei der Entstehung der Lehrwerke mitgewirkt hat. In wie weit man diese Leistungen seitens des Verlages vergütet hat oder ob das Engagement rein ehrenamtlich war, kann ich nicht beurteilen.

Lesen durch Schreiben bedeutet ganz konkret, dass die Kinder das Lesen nicht explizit lernen, sondern, dass dieses von selber kommen soll. Es bedeutet aber auch, dass im ersten Schuljahr kaum Rechtschreibung vermittelt wird, dass die richtige Schreibung nicht geübt wird. Vielmehr liegt der Fokus auf dem freien Schreiben von Texten ohne Rechtschreibung und Form. Geht man in seine eigene Kindheit zurück, erinnert man sich daran, dass man richtige Rechtschreibung und Grammatik eigentlich am besten gelernt hat, wenn man von Anfang an die richtige Schreibweise von Wörtern gelernt und vielfach geübt hat, sowie dadurch dass man viel gelesen hat.

Und nicht umgekehrt, da sich so falsch geschriebene Wörter auch falsch einprägen. Abgerundet wird das Schulsystem durch zusätzliche Pädagogen, die sich mit den schwierigeren Fällen in eigens dafür geschaffenen Anti-Aggressions-Räumen beschäftigen. Ab dem neuen Schuljahr entfällt dann auch noch das Erlernen der Schreibschrift, da Sie in der heutigen Zeit wohl nicht mehr gebraucht wird.

Seitens der Schulverwaltung und des zuständigen Ministeriums ist das gerade beschriebene System das Non-Plus-Ultra, denn man versucht es jetzt eins zu eins der Schlossparkschule überzustülpen, obwohl es von zahlreichen erfahrenen Pädagogen und Wissenschaftlern als völlig untauglich und sogar schädlich für die Entwicklung der Kinder eingestuft wurde.

Sorgen und Wünsche der Eltern werden dabei völlig ignoriert, und Anfragen vom Schulförderverein werden nicht mal beantwortet. Leider hat man es bis heute nicht geschafft, den betroffenen Eltern und Schülern für das kommende Schuljahr einen neuen Schulnamen, einen neuen Schulleiter und ein neues Konzept vorzustellen.

Das Konzept der Schlossparkschule besteht aus altershomogenen Klassen, welche in 45-minütigen Unterrichtseinheiten, in denen weder gegessen noch getrunken wird, unterrichtet werden und dann entsprechende Pausen haben, wo sie sich austoben können. Das Lesen wird mit der Fibel erlernt und es wird noch auf Werte wie Respekt, Höflichkeit, Pünktlichkeit usw. geachtet. Die Benotung erfolgt ab Klasse 2, da sie in der 1. Klasse inzwischen gesetzlich verboten ist.

Das Erlernen fester Regeln beginnt im Elternhaus, wird fortgesetzt im Kindergarten und sollte dann nicht in der Grundschule wieder aufgeweicht werden.

Was machen unsere Kinder, wenn Sie an die Regelschule oder das Gymnasium kommen, wo es keine zusätzliche Pädagogen oder Anti-Aggressionsräume gibt?

Die Schüler von heute sind die Azubis von morgen. Sollten sich Ausbildungsbetriebe zukünftig Ruhezonen für Azubis schaffen, in denen sie nach Belieben Essen, Trinken oder Relaxen können?

Als Vater von zwei Kindern wünsche ich mir, dass man die Wünsche und Sorgen der Eltern nicht weiterhin mit Füssen tritt und dass man versucht, soviel wie möglich von den positiven Dingen der Schlossparkschule zu erhalten.

Als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens wünsche ich mir auch in Zukunft Schulabgänger, die aufgrund ihrer schulischen Bildung in der Lage sind, ihre Berufsausbildung bzw. ihr Studium mit guten Ergebnissen zu bestehen.

Rainer Beichler |

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