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Josef Kürschner geehrt

Oberbürgermeister Gerhard Schneider legte heute am Grab von Joseph Kürschner ein Blumengebinde nieder. Vor 100 Jahren verstarb der einstige Gründer des Reuter-Wagner-Museums an Herzversagen. Am Grab würdigte Schneider die Verdienste Kürschners für die Wartburgstadt.

Am 29. Juli 1902 ist Joseph Kürschner gestorben. Dank ihm verfügt die Stadt Eisenach heute über die umfangreichste und bedeutendste Richard-Wagner-Sammlung nach Bayreuth. Kürschner hat einst das Eisenacher Reuter-Wagner-Museum gegründet und es als erster Direktor geleitet.

Der Geheime Hofrat Joseph Kürschner wurde am 20. September 1853 in Gotha geboren. Er gehörte zu den originellsten und schöpferischsten Persönlichkeiten der literarischen Welt im Deutschland der Kaiserzeit. Er war Literatur- und Theaterwissenschaftler, Herausgeber, Verleger und Publizist, Schriftsteller und Lexikograph, Organisator, Funktionär und Unternehmer.

1892 zog er von Stuttgart nach Eisenach. Er wohnte in der Villa Am Hainstein 17, direkt unterhalb der Wartburg. Er pflegte gute Kontakte zur Burg, zu den städtischen Honoratioren und auch zu Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Sein größter Verdienst um Eisenach aber dürfte sein Engagement für den Erwerb der Reuter-Villa und den Ankauf der bedeutenden Richard-Wagner-Sammlung von Nicolaus Oesterlein sein. 1893 hatte sich eine «Gesellschaft zum Ankauf des Oesterleinschen Richard-Wagner-Museums für Deutschland“ gegründet.
Joseph Kürschner war Gründungsmitglied dieser Ankaufs-Gesellschaft. Sie sicherte sich das Vorkaufsrecht für die umfangreiche Sammlung zu Richard Wagner, die Nicolaus Oesterlein (1841-1898) gehörte. Die 90000 Mark, die Oesterlein forderte, sollten über freiwillige Beiträge aufgebracht und dann an eine Stadt übergeben werden, damit die Sammlung angekauft und für alle Zeiten gesichert werden konnte.

Bis März 1895 waren aus dem ganzen Deutschen Reich sehr viele Spenden eingegangen. Die Stadt Eisenach brachte weitere 20000 Mark auf und erwarb dann die Oesterleinsche Sammlung.

Parallel zum Kauf der bedeutenden Wagner-Sammlung forcierte der Stadtrat den Ankauf der Reuter-Villa, in der die Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Das Gebäude am Fuße der Wartburg, in dem der berühmte niederdeutsche Dichter Fritz Reuter bis zu seinem Tode lebte, gehörte gemäß dem Testament seiner Witwe Luise seit 1894 der Schiller-Stiftung in Weimar.

Auch hier trat Joseph Kürschner wieder als treibende Kraft bei den Verhandlungen auf. Im Dezember 1895 war die Stadt im Besitz des Hauses. Noch im selben Monat erließen der Gemeindevorstand und der Gemeinderat «Bestimmungen über die Einrichtung und Verwaltung des Städtischen Reuter- und Wagner-Museums zu Eisenach“. Am 20. Juni 1897 öffnete das Reuter-Wagner-Museum endgültig seine Pforten.

Joseph Kürschner starb am 29. Juli 1902 in Tirol. Die Stadt Eisenach ehrte ihn bereits zu Lebzeiten als «Direktor auf Lebenszeit“ und mit einem Ehrengrab auf dem Friedhof. Seit 1927 ist auch eine Straße im Südviertel nach ihm benannt.

Zu Ehren Joseph Kürschners findet am Samstag, 3. August, ein Sonderkonzert und eine Sonderausstellung «Wer an sich verzagt ist verloren“ in der Reutervilla statt. Die Ausstellung über leben und Wirken Kürschners ist bis zum 31. Dezember zu sehen.

Ehrengrab auf dem Eisenacher Friedhof

Rainer Beichler |

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