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Kulturland Thüringen im Bundesvergleich

In Thüringen liegen die öffentlichen Ausgaben für Kultur nach wie vor auf einem hohen Niveau. Mit knapp 107 Euro je Einwohner und 245 Millionen Euro insgesamt gehörte Thüringen auch 2007 zu den Bundesländern mit den höchsten Kulturausgaben pro Kopf der Bevölkerung. Deutlich darüber lagen Sachsen sowie die drei Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg mit Werten zwischen 137 und 192 Euro je Einwohner. Sachsen-Anhalt wies mit etwas über 107 Euro je Einwohner einen nur geringfügig höheren Wert aus als Thüringen. Im Durchschnitt beliefen sich die Kulturausgaben der Länder (jeweils einschließlich Gemeinden und Zweckverbänden) auf rund 90 Euro je Einwohner.

Diese und eine Fülle anderer detaillierter Informationen offenbart der Kulturfinanzbericht 2010 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Auf der Basis der Jahresrechnungsstatistik für das Jahr 2007 werden Höhe, Strukturen und Entwicklungen der öffentlichen Ausgaben für Kultur und kulturnahe Bereiche in Deutschland transparent und unter den Bundesländern vergleichbar gemacht. So stellten die öffentlichen Haushalte insgesamt mit 8,5 Milliarden Euro einen Anteil von 1,67 Prozent ihres Gesamtetats für kulturelle Zwecke zur Verfügung. Für Thüringen bedeuteten 245,1 Millionen Euro an Kulturausgaben 2,46 Prozent seines Gesamthaushaltes. Im Verhältnis der öffentlichen Kulturausgaben zur Wirtschaftskraft lag Thüringen mit einem Anteil von 0,50 Prozent am Bruttoinlandsprodukt über dem Durchschnitt aller Länder (0,30 Prozent).

Der größere Teil der Kulturausgaben wird in Thüringen vom Land getragen (136,4 Millionen Euro). Gemeinden und Zweckverbände verzeichneten Ausgaben von 108,7 Millionen Euro. Der Kommunalisierungsgrad der Kulturausgaben lag 2007 somit bei 44,3 Prozent, gegenüber 2005 kaum verändert. Die Verhältnisse sind dabei in den einzelnen Flächenländern sehr unterschiedlich: Die Spanne des Kommunalisierungsgrades reicht von 39,2 Prozent im Saarland bis 78,8 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Im Länderdurchschnitt betrug er 50,9 Prozent.

Der Kulturbereich Theater und Musik band in Thüringen wie in fast allen anderen Ländern den größten Teil der öffentlichen Kulturausgaben. Im Jahr 2007 waren dies 47,0 Prozent von allen Kulturausgaben. Nach Hamburg (60,8 Prozent), Bremen (50,1 Prozent) und Berlin (47,8 Prozent) wies nur noch Mecklenburg-Vorpommern mit 47,1 Prozent einen höheren Anteil aus. Weitere 18,0 Prozent flossen in die Finanzierung von Museen, Sammlungen und Ausstellungen. Für Bibliotheken wurden im Freistaat 9 Prozent aufgewendet, für Denkmalschutz und Denkmalpflege 8 Prozent. Die Struktur der Kulturbudgets der einzelnen Länder ist dabei sehr heterogen: Für Museen, Sammlungen und Ausstellungen hält unter allen Ländern das Saarland den mit Abstand höchsten Budgetanteil (47,2 Prozent) zur Verfügung, für Denkmalschutz und Denkmalpflege lag der höchste prozentualen Anteil in Sachsen (13,3 Prozent), für Kunsthochschulen in Berlin (13,1 Prozent). Für den Bereich der Kulturverwaltung verwendete Thüringen mit 11,4 Prozent aller Kulturausgaben den zweithöchsten Anteil hinter Hessen mit 13,9 Prozent.

Mit dem Kulturfinanzbericht 2010 legen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Deutschen Städtetag nach 2001, 2003, 2006 und 2008 zum fünften Mal einen umfassenden Bericht über die öffentliche Kulturfinanzierung vor. Dem Kulturbereich werden hierfür die Aufgabenbereiche Theater, Musikpflege, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Bibliotheken und Museen, Denkmalschutz, auswärtige Kulturpolitik und sonstige Kulturpflege, Kunsthochschulen sowie die Verwaltung für kulturelle Angelegenheiten zugeordnet. Diese Definition orientiert sich an den Abgrenzungen der Europäischen Union und ermöglicht in Zukunft auch internationale Ausgabenvergleiche.

Der Kulturfinanzbericht 2010 bietet in detaillierten Tabellen und Grafiken viele weitere Informationen zur Entwicklung und Verteilung der Kulturausgaben in Bund, Ländern und Gemeinden. Neben den Darstellungen nach Körperschaftsgruppen und Kultursparten enthält die Publikation Sonderauswertungen finanzstatistischer Daten für ausgewählte Städte und einen Überblick über Kulturausgaben von privaten Haushalten.

Rainer Beichler | | Quelle:

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