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 | Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Beschreibung:
Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Literaturkritik im Landestheater

Seine Auslassungen über Literatur sind weltberühmt, seine eigensinnige Art des Sprechens half ihm beim Weg in´s Abendprogramm des ZDF und seine Fernsehpreis-Äußerung: Ich nehme diesen Preis nicht an  wurde zu einem geflügelten Wort. Jahrzehntelang prägte Marcel Reich-Ranicki das Bild der Literatur in Schriften, Hörfunk und TV.
Allein sein Literarisches Quartett, bei dem er sich Künstler und Kritiker einlud, um mit diesen über Philosophie und Literatur zu debattieren, schaffte regelmäßig beachtliche Einschaltquoten.

Ein Grund für das Landestheater Eisenach, dem großen Literaturkritiker eine Hommage zu bieten. Und dies taten die Schauspieler um den stellvertretenden Intendanten Boris C. Motzki am Freitagabend auch. Pünktlich zum letzten Freitag im Monat hatte das Eisenacher Ensemble zur Eisenacht geladen und war, wie gewohnt, einer großen Fernsehreihe schauspielerisch ein Stück näher gekommen.

Diesmal dem Literarischen Quartett, das unter Star-Besetzung in der dritten Etage des Schauspielhauses auf das Beste parodiert wurde. Denn nicht nur die anwesenden Kritiker, Hellmuth Karassek (Roman Kimmich), Sigrid Löffler (Dagmar Poppy) und der längst verstorbene Autor Arthur Schnitzler (Istvan Vincze)  wurden rund um den Gastgeber des Quartetts, Marcel Reich-Ranicki (Boris Motzki) mit ihren eigenwilligen Marotten  überspitzt dargestellt.

Auch die ausgewählte „Weltliteratur“ sorgte im ausverkauften Foyer des Zweiten Rangs für vielfältige Lachsalven. Da wurde Rotkäppchen schon einmal als ein Aufklärungsbuch verkauft, bei dem „die rote Kappe für die erste Menstruation des Mädchens“ stand und das Lüften des Jägerhutes als Sinnbild für Beischlaf diente. Auch Irmgard Keuns Zeitroman „Das kunstseidene Mädchen“ oder Lisa Sommerfelds Stück „Dorfdisco“, welches gerade für das Landestheater geschrieben wird, waren Gegenstand des interpretatorischen Treibens der parodierten Literaturkritiker.

Und natürlich kam dabei auch das Eigensinnige bei Marcel Reich-Ranicki nicht zu kurz. Denn wie im echten Quartett verabschiedete sich auch Motzki mit dem abgewandelten Brecht-Zitat:

Und so sehen wir betroffen / den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Paul-Philipp Braun

Foto: Paul-Philipp Braun

Paul-Philipp Braun

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Paul-Philipp Braun |

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