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Villa „Kleine Wartburg“ | Bildquelle: © Stadt Eisenach

Beschreibung: Villa „Kleine Wartburg“
Bildquelle: © Stadt Eisenach

„Macht und Pracht“ stehen im Mittelpunkt

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet in diesem Jahr am 10. September statt. Er wird bundesweit bereits zum 25. Mal veranstaltet und steht diesmal unter dem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgeschlagenen Motto „Macht und Pracht“. In Eisenach eröffnet Oberbürgermeisterin Katja Wolf den Denkmaltag 2017 am 10. September, um 11 Uhr in der ehemaligen Ostkantine des früheren Automobilwerkes (Gebäude O5).

In der Stadtverwaltung koordiniert die Untere Denkmalschutzbehörde in Zusammenarbeit mit dem Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Vorbereitungen für den Denkmaltag am 10. September in Eisenach. Zum Thema „Macht und Pracht“ sollen in diesem Jahr fünf denkmalgeschützte Gebäude in den Mittelpunkt und damit in das öffentliche Interesse gerückt werden: die Alte Posthalterei, das Eisenacher Stadtschloss mit seinem sanierten Nordflügel und dem Rokokosaal, die ehemalige Ostkantine des früheren Automobilwerkes (Gebäude O5), die Villa „Kleine Wartburg“ und das sanierte Wohnhaus Emilienstraße 3. Diese Bauwerke werden am 10. September für die Bevölkerung ihre Türen öffnen und ihre architektonischen Besonderheiten präsentieren.

Das diesjährige Thema ermöglicht zu zeigen, wie Denkmale als Geschichtszeugnisse und Informationsquellen fungieren. Indem sich Kunst und Architektur entwickelten, wuchs auch der Wunsch der Bauherren und Auftraggeber, Schönheit, Wohlstand und Macht, sei sie nun weltlich oder religiös geprägt, zum Ausdruck zu bringen.

Jedes Denkmal gibt mit seinem geschichtlichen Hintergrund vielfältig Auskunft zu sozialen und kulturellen Verhältnissen, seiner Nutzung, der Vielfalt an künstlerischer und baulicher Qualität und selbstverständlich auch im Einzelfall den Ausdruck von Macht und Größe.

Die nachhaltige Auswirkung auf die Kunst und Architektur in den reformierten Gebieten zeigt sich gerade zum diesjährigen Reformationsjahr und in der Auseinandersetzung Martin Luthers mit den Herrschenden zu seiner Zeit.

Foto: © Stadt Eisenach

Alte Posthalterei • Georgenstraße 52
Ein für das frühe 19. Jahrhundert typische Gebäude ist das Haus Georgenstraße 52, besser bekannt als „Alte Posthalterei“. Es ist eines der wenigen rein klassizistischen Bauwerke in Eisenach. 1819 hatten die Poststallmeister Jungherr und Pfennig das Haus unmittelbar an der Stadtmauer neben dem Georgentor errichtet. Im Jahr 1908 erwarb die Stadt Eisenach das Haus und brachte hier die Realschule unter. Seit Mitte der 1920er Jahre war in dem Gebäude die städtische Mädchenberufsschule beheimatet. Nach dem Krieg waren Teile der städtischen Berufsschule in der „Alten Posthalterei“ untergebracht, ehe im Jahr 1951 die Hilfsschule „Pestalozzi“ hier ihr Domizil fand. Seit November 1995 schließlich beherbergt das Haus das städtische Kinder- und Jugendzentrum, das in seinem Namen die alte Gebäudebezeichnung wieder aufgenommen hat. Verschiedene Vereine und Einrichtungen nutzen ebenfalls die Räume der „Alten Posthalterei“.

Schritt für Schritt wird an der Sanierung und Restaurierung des Bauwerks gearbeitet. So konnten in den vergangenen Jahren die Fenster und der Natursteinsockel des Hauses in Abstimmung mit den Denkmalbehörden saniert werden. Für 2017 sind die Restaurierung der hölzernen Tore und Türen geplant. 2018 steht die Fassadensanierung auf dem Plan, die erforderlichen Anträge werden derzeit vorbereitet.

In der „Alten Posthalterei“ wird zum Denkmaltag am 10. September von 14 Uhr bis 17 Uhr ein buntes Kinderprogramm unter dem Motto „Posthalterei trifft Lutherzeit“ angeboten.

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Stadtschloss Eisenach / Nordflügel • Markt 24
Das Eisenacher Stadtschloss wurde ab 1742 nach Plänen des Architekten Gottfried Heinrich Krohne für Herzog Ernst August zu Sachsen-Weimar-Eisenach etappenweise bis 1751 errichtet. Seit 1931 beherbergt das Stadtschloss u.a. das Thüringer Museum Eisenach. Heute befinden sich hier auch die Tourist-Information sowie Teile der Stadtverwaltung.

Seit Mitte der 1990er Jahre wird das Stadtschloss Schritt für Schritt saniert und restauriert. Die Sanierung des Südflügels konnte nach mehrjähriger Bauzeit bereits 2011 abgeschlossen werden. In diesem Jahr konnten die oberen Etagen des Nordflügels fertig gestellt werden. Zur sicheren Nutzung des prunkvollen Rokokosaales wurde im Übergangsbereich zum Marstall eine Treppenanlage vom Erdgeschoss zum Obergeschoss eingebaut, die sich in Form und Material am historischen Original der Treppe zur Mansarde orientiert. Im ersten Obergeschoss wurde der Fußboden auf dem Gang vor dem Rokokosaal wieder mit dem historischen Belag aus roten Keramikplatten und weißem Gipsestrich im Schachbrettmuster gestaltet. Auch die während der statischen Sicherungsarbeiten Mitte der 90er Jahre abgenommenen Stuckelemente konnten nach einer sehr aufwendigen Kartierung und Restaurierung wieder an den Decken angebracht werden. Der Rokokosaal erhielt außerdem zwei neue Kristallkronleuchter als Sonderanfertigungen nach historischen Vorlagen. Seit dem 1. Juli wird der Nordflügel erstmals seit vielen Jahren wieder für eine Sonderausstellung genutzt. Die Exposition „Wanderlust oder die Sehnsucht nach dem Paradies“ ist noch bis zum 29. Oktober zu sehen.

Der Nordflügel des Stadtschlosses mit dem Rokokosaal und den restaurierten Räumen kann am 10. September von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Ehemalige Ostkantine des früheren Automobilwerkes (Gebäude O5) • Willy-Enders-Straße 2
Den Eisenachern vertraut ist die Bezeichnung „O5“ durchaus. Was verbirgt sich hinter diesem Kürzel? Das O steht für Ost, und die 5 ist einfach eine fortlaufende Nummer. Das Gelände des Automobilwerks war in einen Ost-Bereich, östlich der Friedrich-Naumann-Straße, und einen Westbereich eingeteilt. Die dortigen Gebäude erhielten neben dem Kürzel O oder W dann die nächst höhere Nummer. Viele der damaligen Gebäude wurden nach 1990 abgerissen. Heute noch vorhanden ist zum Beispiel das „O2“, in dem sich das Museum „automobile welt eisenach“ befindet. Vorhanden ist auch noch das „O5“, bekannt auch unter dem Namen „Ostkantine“.

Errichtet wurde das Gebäude 1936 nach Plänen des Eisenacher Architekten Georg Schroeder als „Kameradschaftsgebäude“ für die „BMW AG“.

Das Haus verfügte über einen großen Saal mit insgesamt 550 Sitzplätzen. In das Betriebsgelände wurde der Bau mit einem großen Freiraum für Versammlungen eingebunden. Das Gebäude öffnete sich mit einem Austritt zu diesem Freiraum (sogenannter „Führerbalkon“).

Nach dem Krieg, 1947, wurden an den Längsseiten des Hauses Seitenflügel angebracht, um die Kapazität weiter zu erhöhen. Nun diente das Haus vor allem als Kantine zur Versorgung der AWE-Arbeiter, aber auch weiterhin für politische und kulturelle Veranstaltungen aller Art.

Seit 1995 stehen die erhaltenen Gebäude des ehemaligen Automobilwerkes Eisenach unter Denkmalschutz. Heute dient das Haus dem „Automobilbau-Museum Eisenach e.V.“ als Vereinsquartier. Der Verein dokumentiert die langjährige Tradition des Fahrzeugbaues in Eisenach mit einem umfangreichen Fahrzeug-Fundus. Ein Teil dieses Fundus wird im Rahmen der „automobilen welt eisenach“ präsentiert.

Am 10. September wird im „O5“ ab 11 Uhr der Denkmaltag 2017 in Eisenach eröffnet. Geöffnet ist das Gebäude von 11 bis 17 Uhr. Der Verein Automobilbau-Museum Eisenach bietet in dieser Zeit Führungen an.

Villa „Kleine Wartburg“

Foto: © Stadt Eisenach

Villa „Kleine Wartburg“ • Mariental 15
Die Villa „Kleine Wartburg“ wurde von 1905 bis 1906 als Zweifamilienhaus nach Entwürfen des Architekten Robert Krämer und des Bildhauers Paul Müller für den Kaufmann Wilhelm Creutzburg errichtet. Den Namen erhielt das prunkvolle Wohnhaus aufgrund seiner Bauweise und Ausgestaltung, die Adaptionen des Palas und des Festsaals der Wartburg darstellen. Der Architekt bediente sich dabei kreativ aus mehreren kulturhistorischen Epochen und entwickelte bürgerliche Applikationen. Sehenswert sind die zentrale Diele mit der wiederhergestellten Eichenholztreppe und der Galerie sowie die restaurierten neoromanischen Wand- und Deckenmalereien nach den Vorbildern auf der Wartburg. Auch die reich ausgeschmückten Fassaden mit verschiedenartig gestalteten Säulen, Ornamenten, geschmiedeten Gittern und Bleiglasfenstern greifen Motive der Wartburg auf.

Im Zusammenhang mit der aufwendigen Restaurierung ist neben der Nutzung zu Wohnzwecken die Eröffnung einer Pension geplant.

Zum Denkmaltag am 10. September öffnet der Hausherr Shpetim Alaj die Villa „Kleine Wartburg“ von 12 bis 16 Uhr für Besucher und bietet auch Führungen an.

Foto: © Stadt Eisenach

Wohnhaus Emilienstraße 3
Das Wohnhaus in der Emilienstraße wurde 1874 von dem Architekten Hermann Hahn erbaut. Mit seinem markanten Balkon prägt das Gebäude die Straßenansicht. Von 2001 bis 2010 dauerte die grundhafte Sanierung im Inneren des Wohnhauses. 2008 gelang die Rekonstruktion der Ost- und der Südansicht einschließlich des gusseisernen Balkons. Im vorigen Jahr wurde schließlich auch die Nordseite saniert und der gartenseitige Balkon wieder hergestellt.

Der Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs e.V. verleiht um 10 Uhr an den Hausherrn Michael Schmidt die Plakette für vorbildliche Sanierung. Im Anschluss ist die Besichtigung des Gebäudes von außen bis 17 Uhr möglich.

Vereinshaus des Förderkreises zur Erhaltung Eisenachs e.V. • Lutherstraße 28
Das Vereinshaus ist zum Denkmaltag von 11 bis 15.30 Uhr geöffnet und wartet mit vielfältigem Informationsmaterial zum Thema Denkmalpflege in Eisenach auf.

Allgemeine Informationen zum „Tag des offenen Denkmals“ sind auch im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de zu finden. Im vergangenen Jahr hatte der Denkmaltag erneut eine große Resonanz gefunden. Zum Thema „Gemeinsam Denkmale erhalten“ besuchten bundesweit rund 4 Millionen Bürger über 8.000 Kulturdenkmale aller Art.

Andrea T. | | Quelle:

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