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 | Bildquelle: Universitätsstadt Marburg

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Bildquelle: Universitätsstadt Marburg

Marburger und Eisenacherin „tauschen“ ihre Heimat

Stadtgastprojekt ermöglicht zwei Künstlern Einblicke in die Partnerstadt

Zwei Künstler, zwei Städte, zwei Generationen, zwei Perspektiven – was passiert, wenn zwei Künstler die Heimat des jeweils anderen besuchen und ihre Eindrücke kreativ verarbeiten? Das ist die Frage, die das „Stadtgastprojekt“ der beiden Partnerstädte Marburg und Eisenach stellt. Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf kam auf die Idee, deren Ergebnisse zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung ab dem 3. Oktober zunächst in Eisenach und dann im kommenden Jahr auch in Marburg zu sehen sein werden. Während der Marburger Richard Stumm bereits im Juni zwei Wochen in Thüringen zu Gast war, ist Julia Kneise derzeit in Marburg unterwegs. Beide berichteten am Montag im Rathaus bei einem Termin mit Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach von ihren bisherigen Erfahrungen und Plänen.

Ich brauche immer die Nähe,

sagt Kneise über ihre Arbeitsweise. Für sie stand schon immer das Portrait im Mittelpunkt ihrer Kunst. So soll auch bei ihrem Besuch in Marburg der Mensch das zentrale Thema sein. Seit einigen Tagen ist sie bereits in der Universitätsstadt unterwegs; mit Kamera, Skizzenblock und Stift. Sie hat ein kleines Quartier in der Oberstadt bezogen – „mitten im Leben und mitten unter den Menschen“, genau wie es ihr gefällt. Wen sie malt, den muss sie auch kennenlernen, erzählt die 29-Jährige. Sie spricht Menschen auf der Straße an, kommt ins Gespräch mit ihnen, fotografiert und malt sie. Auch in den nächsten Tagen wird sie noch unterwegs sein und sie freut sich auf die Begegnungen mit verschiedenen Marburgern.

Kneise hat an der Kasseler Kunsthochschule studiert und lebt inzwischen in Erfurt. In ihrer Heimatstadt Eisenach ist sie in einem Fachwerkhaus groß geworden – insofern hat sie sofort eine ganz besondere Verbindung zu Marburg mit seiner romantischen Oberstadt aufbauen können. Das „Geflüster in den Gassen“ fasziniert sie, erzählt Julia Kneise. Als freundlich und lebendig erlebt sie die Atmosphäre vor Ort und es sei eine Ehre, dass man sie für dieses tolle Projekt ausgewählt hat, so die Künstlerin.

Der Marburger Maler Richard Stumm war bereits im Juni zu Gast in Eisenach. Zwei Wochen lang hat er dort gewohnt – und durfte täglich zentral am Markt in einem leerstehenden Gebäude eine „Bürgersprechstunde“ abhalten. Er nahm an Führungen und Stadtspaziergängen teil, zeichnete erste Skizzen von vielen Details im Stadtbild und wurde dann auf den „Fürstenhof“ aufmerksam – ein Ort, an dem bereits viel Geschichte stattgefunden hat, vom Kaiserreich über die NS-Zeit bis in die Ära der DDR hinein. Lange Zeit sei der „Fürstenhof“ ein Hotel mit einem großen Veranstaltungssaal gewesen, erzählt Richard Stumm. Heute zerfalle der riesige Komplex. Er wird im Zentrum von Stumms Ausstellung stehen, weil er für ihn einen „Kristallisationspunkt“ darstellt, so der Marburger.

Stumm war kurz nach der Wende zum ersten Mal in Eisenach und hat damals eine sehr graue Stadt erlebt. Inzwischen sei es aber eine sehr attraktive Stadt geworden, „sehr geputzt“, sagt der 66-Jährige. Neben der attraktiven „Schauseite“ soll das, was er von Eisenach zeigt, aber nicht vollständig auf der Oberfläche bleiben, so Stumm. Seine Zeit dort sei eine sehr intensive Erfahrung gewesen. Und man habe ihn unheimlich gastfreundlich aufgenommen.

Die Ausstellung zum „Stadtgastprojekt“ wird zum Feiertag der Deutschen Einheit am 3. Oktober zunächst in Eisenach im Marstall des Stadtschlosses eröffnet werden. Im kommenden Jahr wird sie dann auch in Marburg zu sehen sein – eventuell rund um den Termin des Stadtfestes, das endgültige Datum steht allerdings derzeit noch nicht fest. Im Oktober wird dann in Eisenach auch noch die Ausstellung „Angesicht“ von Julia Kneise laufen und Richard Stumm zeigt Arbeiten in der Nikolai-Kirche. An den Feierlichkeiten in Eisenach sollen sowohl Eisenacher wie auch Marburger mitwirken und teilnehmen; es sind Auftritte von Gruppen und Vereinen aus beiden Partnerstädten geplant.

Andrea T. | | Quelle:

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