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 | Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Beschreibung:
Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Mit Riesenspaß Richtung Walachei

Ein Auto knacken und dann mit dem besten Freund einfach in´s Blaue hinein fahren. Ohne genaues Ziel, einfach immer Richtung Osten, Richtung Walachei. Wohl jeder Mensch träumte schon einmal von einer solchen Aktion und wurde sich dann wohl recht schnell der möglichen Konsequenzen bewusst, sodass es nicht zu der Fahrt, nicht einmal zum Auto aufbrechen reichte.

Etwas anderes ist es bei Jugendlichen. Oftmals zu viel mehr bereit, gehen sie diesen ersten und dann auch diesen zweiten Schritt und immer wieder kann man im Polizeibericht lesen, was daraus wird. Denn schon nach wenigen Metern stellen viele fest, dass es nicht umsonst Fahrschulen gibt.

Anders verhält es sich, wenn man Andrej Tschichatschow (bekannt als Tschick) heißt, eigentlich aus Russland stammt und zusammen mit seinem Freund Maik Klingenberg in einem alten Lada durch die Welt fahren kann. Denn dann hat man jüdische Zigeuner in der Familie, lässt sich auf etwas Reis mit Pampe (genannt „Risi-Pisi“ einladen) und trifft so manche verwunderliche Gestalt, die ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen hat.

Der Inhalt des Stücks „Tschick“, welches derzeit im Eisenacher Landestheater gespielt wird, ist schnell beschrieben und doch eigentlich viel umfänglicher, wenn der geneigte Zuschauer mit etwas Abstand darüber nachdenkt. Doch nicht nur das Stück ist vom Grundstoff her einfacher Natur. Auch die Requisite, welche Regisseur Boris C. Motzky in seiner Inszenierung nach Wolfgang Herrndorfs Erfolgsroman „Tschick“ verwenden lässt kann simpler nicht sein: eine Farbdose,  eine große schwarze Wellblechwand und Unmengen von leeren Getränkekisten reichen aus, um für zwei Stunden ein besonderes Theatererlebnis zu werden.  Denn Requisiteurin Ricarada Ruppert schafft es, mit diesen Kästen eine Landschaft zu zaubern, die wahlweise auf der Autobahn, im Krankenhaus oder zwischen Müllbergen entsteht.

Doch nützt auch die tollste Requisite nichts, wenn nicht die Phantasie der Zuschauer angeregt wird. Und wie sie angeregt wird. Denn nur fünf Schauspieler reichen aus, um eine Reise von Berlin bis fast nach Russland zu inszenieren. Egal ob Müllmädchen Isa (alias Katja Ivanova), Gregor Nöllen als Junge Friedemann oder die Sprachtherapeutin, gespielt von Dagmar Poppy, sie alle spielen ihre Rollen, als wäre das Stück auf sie zugeschnitten. Mittendrin und die ganze Zeit dabei: der authentische Maik Klingenberg (gespielt von Istvan Vincze) und der offenbar angenehm-entspannte Russe Tschick (alias Roman Kimmich). Sie sind es, die im Wechselspiel mit ihren Kollegen der Inszenierung einen wunderbaren Glanz und vor allem einen ganz eigenen Witz verleihen. Egal ob es um das zum Hitlerbärtchen verwandelte Stück Klebeband geht oder um die verdreckte und stinkende Isa – mit großem Feingefühl und Sinn für´s Witzige schaffen sie es für Lachsalven im Publikum zu sorgen.

Es ist wahrlich ein Kunstwerk, das Regisseur Motzki da in Eisenach auf die Bühne stellte un das nicht umsonst auch in der nächsten Spielzeit wieder aufgenommen werden soll. Denn es geht für Zuschauer aller Altersklassen, wenn sie sich drauf einlassen, mit Riesenspaß Richtung Walachai.

Paul-Philipp Braun |

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