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Neue TAM-Spielzeit begibt sich in das Komfortzonenrandgebiet

Nicht denken ist komfortabel. Der gewohnte Gang der Dinge vermittelt das trügerische Gefühl von Sicherheit. Als Verharren in der Komfortzone bezeichnen Soziologen diesen Zustand. Das Eisenacher Theater am Markt möchte in seiner aktuell beginnenden Spielzeit dazu anregen, die Komfortzone zu verlassen, Neues zu denken und zu wagen.

Mit fünf Produktionen hinterfragen die Theatermacher unter dem Motto «Willkommen im Komfortzonenrandgebiet» Gewohntes, regen zu neuen Einsichten an und wollen so insbesondere für die Stadt für Eisenach und ihre Bewohner neue (Gestaltungs-)Wege aufzeigen. Dazu kooperiert das Theater am Markt erstmals mit der «Agentur für Weltverbesserungspläne» aus Hannover. In enger Zusammenarbeit entstehen zwei Inszenierungen, die das Jugendensemble des TAM in der ersten Jahreshälfte umsetzt.

Den Anfang macht die Inszenierung «Hunger!», die am Freitag, 28. Februar in der Regie von Marcus Coenen Premiere hat und sich auf ebenso satirische wie schonungslose Weise des Themas Ernährung annimmt. In der zweiten Produktion des Jahres steht unter dem Titel «Der Tag, an dem aus Paris Patty wurde…» die Verteilung des Weltvermögens im Mittelpunkt. Die Premiere ist am 11. April zu erleben.

Ab dem 5. Juli ist Shakespeares «Sommernachtstraum» in der Bearbeitung von Beat Fähr mit dem Titel «Rose und Regen, Schwert und Wunde» zu erleben. Die jungen Spielerinnen und Spieler, die an der Inszenierung mitwirken, haben ebenso wie Shakespeares Protagonisten gerade die Startlinie der Pubertät überschritten. Sie begegnen auf der Bühne und im eigenen Leben den neuen, fremden Gefühlen der ersten Liebe. Was fühlt sich in der Liebe gut an? Und was nicht? Wie erkenne ich, was ich will und wie kann ich es in Worte fassen? Die Inszenierung von Timo Bamberger und Christiane Daubenberger versucht, darauf Antworten zu finden.
Auch 2014 wird es wieder ein Sommertheater in Kooperation mit dem Hotel auf der Wartburg geben. Am 10. Juli hat Shakespeares «Romeo und Julia» vor der Kulisse der Wartburg im Innenhof des Hotels Premiere.
«Die Protagonisten in der berühmtesten Lovestory der Weltliteratur bewegen sich permanent im Komfortzonenrandgebiet» – resümiert Marcus Coenen, einer der beiden Theatergründer.
In der Geschichte stellt sich für die Figuren existenziell die Frage, welchen Wert die eigene Komfortzone hat und wie viel man bereit ist, dafür zu bezahlen, diese zu behalten oder eben zu verlassen.
Dabei werden gesellschaftliche, soziale oder ganz persönliche Konventionen hinterfragt und neu definiert.
Die Theaterschaffenden des TAM erlauben sich das Recht, zur eigenen Interpretation, ob der vermeintliche Tod der beiden Liebenden nur eine Metapher für das Ende des Alten und der Beginn des Neuen ist. Vielleicht liegt darin das Geheimnis verborgen, ob es am Schluss ein Happy End – ein Sieg der Risikobereitschaft und des Mutes zum Ausbrechen aus der Komfortzone – oder den traurigsten Abschluss einer Geschichte von Liebe und Leidenschaft gibt.
Weitere Spieltermine sind: 11.07., 12.07., 13.07 2014 und 20.08., 21.08., 22.08., 23.08. und 24.08. 2014 – jeweils 19.30 Uhr
Nach der Sommerpause stehen mit «Verschlusssache Eisenach II – Luther wider Willen» und «Hotel Sibirien» zwei tragische Komödien auf dem Spielplan. Nach dem Erfolg der Eigenproduktion «Verschlusssache Eisenach» in der letzten Spielzeit, widmen sich die Theatermacher in deren Fortsetzung nun dem Thema Traditionspflege. Museal Konserviertes und optimal Vermarktetes steht dabei im Kreuzfeuer satirischer Betrachtungen.
Die doppelbödige Boulevardkomödie «Hotel Sibirien» nach einem Stück des niederländischen Autors Roel Adam ist zum Ende der Spielzeit zu erleben. Sie erzählt davon, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen. Sie fragt danach, ob es letzteren gelingt, vorgegebenen Schablonen zu entkommen und eigene Perspektiven zu finden.

Das Theater am Markt lädt Zuschauer und Mitwirkende 2014 dazu ein, sich in das Komfortzonenrandgebiet zu begeben. Sich der Herausforderung, dem Unerwarteten, dem Risiko und dem Unplanbaren zu stellen. Sich aus der Komfortzone zu bewegen. Denn Bewegung ist Veränderung und Veränderung ist Leben. So einfach ist das.

Rainer Beichler | | Quelle:

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