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PISA-Ländervergleich 2006

Dienstag wurden die zentralen Ergebnisse des nationalen PISA-Ländervergleichs (PISA-E 2006) vorgestellt. Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU) erklärt dazu:

«Thüringen hat sich in allen untersuchten Kompetenzbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen verbessert. In allen drei Kompetenzbereichen liegen die Kompetenzwerte der 15-jährigen Jugendlichen in Thüringen statistisch signifikant über dem OECD-Durchschnitt. In den Naturwissenschaften wurden 530 Punkte (Platz 3), in der Mathematik 509 Punkte (Platz 4) und in der Lesekompetenz 500 Punkte (Platz 3) erzielt. Neben Sachsen und Bayern gehört Thüringen im Bereich der Naturwissenschaften nicht nur national sondern auch international zur Spitze.

Weltweit beteiligten sich an PISA 2006 57 Staaten. Die Ergebnisse von zufällig ausgewählten 230 deutschen Schulen mit etwa 5750 Schülerinnen und Schülern gehen in den internationalen Vergleich ein. Thüringen ist in dieser Stichprobe mit sieben Schulen vertreten. An der nationalen Erweiterung der Studie PISA-E 2006 nahmen in Deutschland etwas mehr als 1500 Schulen mit rund 60000 Schülerinnen und Schülern sowie 14000 Lehrerinnen und Lehrern teil. Für PISA 2006 wurden in Thüringen Schülerinnen und Schüler von 73 Schulen getestet. Diese Stichprobe umfasste 42 Regelschulen, zwei Integrierte Gesamtschulen, 26 Gymnasien, zwei berufsbildende Schulen und eine Förderschule mit insgesamt etwa 3000 Schülern. Der Test fand im Zeitraum vom 18. April bis 29. Mai 2006 statt.

Eine erste Analyse des vorgelegten PISA-Berichts zeigt: Das ist ein Grund zur Freude. Das Ergebnis belegt, dass der im Freistaat eingeschlagene Weg richtig ist. Daher wird er konsequent weiter verfolgt. Kontinuität im Bildungswesen, gute äußere Rahmenbedingungen und die engagierte Arbeit der Pädagogen sind der Schlüssel zum Erfolg. Ich danke Lehrerinnen und Lehrern sowie allen an Bildung und Erziehung Beteiligten für Ihr Engagement. Das Ergebnis ist Motivation, in den Anstrengungen nicht nachzulassen.

Das erfreulichste Ergebnis für Thüringen ist die weitgehende Entkopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Das heißt: Die soziale Herkunft hat einen geringen Einfluss auf die erzielten Leistungen. Untersucht wurde bei PISA-E 2006 die naturwissenschaftliche Kompetenz. Besonders günstig ist im Freistaat das hohe Kompetenzniveau bei gleichzeitig geringer Koppelung an die soziale Herkunft. Hier liegt der Freistaat im internationalen Vergleich hinter Finnland, Japan, Kanada, Australien und Schweden gleichauf mit den mitteldeutschen Ländern und Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überdurchschnittlich viele Schülerinnen und Schüler an vier oder mehr Stunden naturwissenschaftlichem Unterricht in der Woche teilnehmen. Und Schülerinnen und Schüler, die vier oder mehr Stunden naturwissenschaftlichen Unterricht pro Woche erhalten, erreichen im Mittel einen um 74 Punkte höheren Kompetenzwert in den Naturwissenschaften als Schülerinnen und Schüler, die weniger als zwei Stunden naturwissenschaftlichen Unterricht besuchen. Das ist ein Pluspunkt für Thüringen. Daran werden wir mit der Reform des Gymnasiums und der Regelschule festhalten und den Fokus verstärkt neben den Fremdsprachen auf die Naturwissenschaften richten.

Ein weiteres positives Ergebnis ist, dass der Anteil von Mädchen bei den hochkompetenten Jugendlichen in Thüringen mit 46,1 Prozent in Thüringen sehr hoch ist. Der Freistaat kann sich hier mit Ländern wie Australien, Kanada und der Schweiz vergleichen.

PISA-E 2006 hat auch gezeigt: In Thüringen machen alle Schulen Nachmittagsangebote. Thüringen ist das Land mit höchsten qualitativen Ansprüchen. Der Anteil an Angeboten, denen eine schriftliche Konzeption zu Grunde liegt, beträgt 41,7 Prozent – so hoch wie in keinem anderen Bundesland.

Näherer Analyse bedarf allerdings der Bereich der Lesekompetenz. Hier hat es zwar auch Zuwächse gegeben, aber die vier Länder Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bayern und Sachsen, die bei PISA 2006 über dem OECD-Durchschnitt liegen, befinden sich noch in großem Abstand zur internationalen Spitzengruppe. Das gilt auch für Bayern und Sachsen, die im Ländervergleich am besten abschneiden. Seit der ersten PISA-Analyse hat es auf diesem Gebiet schon viele Aktivitäten gegeben. Die Leseinitiative beispielsweise ist auf große Resonanz gestoßen. Da Lesekompetenz ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist, werden wir verstärkte Anstrengungen unternehmen. Das betrifft sowohl den fächerübergreifenden Ansatz in allen Klassenstufen als auch ein weiteres intensives Engagement aller Beteiligten.

PISA-E 2006 verdeutlicht erneut, dass das gegliederte Schulsystem leistungsfähig ist. Wir wollen keine Einheitsschule, sondern für jeden Schüler die richtige Schule. Kontinuität und Verlässlichkeit sind für den Bildungserfolg unserer Kinder immens wichtig. Daher wird es mit uns keine Experimente geben.

Im Mittelpunkt von Schule steht immer der einzelne Schüler. Die individuelle Förderung jedes Einzelnen ist und bleibt unser gemeinsames Ziel. Die Qualität von Schule und Unterricht wird entscheidend durch alle am Bildungssystem Beteiligten mitgeprägt. Die weitere Umsetzung des erfolgreich begonnenen Entwicklungsvorhabens ‚Eigenverantwortliche Schule’ braucht den Einsatz jedes Einzelnen. Aber auch die Weiterentwicklung des Gymnasiums wird in diesem Schuljahr weiter vorangetrieben. Die Regelungen der neuen gymnasialen Oberstufe gelten erstmals für die Schüler der Klassenstufe 10. Neben einer Stärkung der Allgemeinbildung wird damit den Naturwissenschaften und Fremdsprachen ein größerer Stellenwert eingeräumt. Durch die Weiterentwicklung der Förderzentren zu Kompetenz- und Beratungszentren wird künftig gemeinsames Lernen im Freistaat noch besser ermöglicht. Die Landesregierung will die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Schülers.

Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch Spielraum nach oben», so der Minister abschließend.
http://www.pisa.ipn.uni-kiel.de/Zusfsg_PISA2006_national.pdf(PISA-Bericht)

Rainer Beichler | | Quelle:

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