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Tag des offenen Denkmals: Teil 12 – Fleischerei Fischer

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 13. September steht unter dem Motto „Historische Stätten des Genusses“. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurde vom Eisenacher Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stadtverwaltung eine Liste von „Genussorten“ in Eisenach erarbeitet. Die folgende Serie, die der Eisenacher Karlheinz Büttner verfasst hat, soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den Denkmaltag.

Fleischerei Fischer, Goldschmiedenstraße 16 – Im Frühjahr 1899 baute der Fleischermeister und Gastwirt Karl Kayser in der Goldschmiedenstrasse nach den Plänen des Architekten Max Voigt ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Rund ein Jahr später, im März 1900, konnte das neue Gebäude bezogen werden – mit Wohnung, Gastraum und Ladengeschäft. 1926 wird die Erdgeschosszone nochmals umgebaut. Der Gastraum ist nun auch Verkaufsfläche und erhält ebenfalls ein großes Schaufenster.

Ein Handwerksbetrieb wie eine Fleischerei kann auch zu Streit mit den Nachbarn führen – beispielsweise mit einem Klempnermeister in der Schmelzerstrasse. Grund dafür waren Rauchbelästigungen, denn beim Umbau der Hintergebäude hatte man eine Fensteröffnung auf der Grundstücksgrenze beibehalten, durch die der Räucherduft dem Nachbarn direkt in die Nase stieg. Die Auseinandersetzung wird juristisch geführt. Letztlich musste für den Rauchabzug ein Schonstein gebaut werden. Weitere Reibereien gab es wegen des Wasserbedarfs der Fleischerei, die deshalb in den 1930er Jahren im Keller einen eigenen Brunnen anlegen musste. 1957 war die Tordurchfahrt Anlass für eine statische Überprüfung, weil schon seit Jahren schwere Wagen diese Durchfahrt nutzen würden. Der Eigentümerin Mathilde Kayser wurde schließlich die Standsicherheit der Durchfahrt bestätigt.
Nach dem Tod von Mathilde Kayser wurde das Haus von einer Haus- und Vermögensverwaltung Weimar verwaltet. Im Haus befand sich nun eine HO Verkaufsstelle, die vom Fleischermeister Keitzel betrieben wird. Wegen ständiger baulicher Engpässe wurden die Schäden an den Regenfallrohren immer größer. Erst 1975 wurde deren Instandsetzung vom Stadtbauamt befürwortet. Damit konnte der neue Fleischermeister Fischer wenigstens die Fleischerei weiter nutzen; ein vollständige Sanierung des Gebäudes fand nicht statt. Die Familie Fischer hatte ihre Fleischerei in der Alexanderstraße aufgeben müssen, da dort die Gebäude abgerissen wurden. Fischers durften deshalb mit ihrer Privatfleischerei in die Goldschmiedenstraße umziehen.

Als Fischers das Anwesen 1994 erwarben, konnte endlich mit einer vollständigen Sanierung des Hauses begonnen werden. Die sehr schöne und für die Erbauungszeit typische Klinkerfassade mit ihren Fensterverkleidungen sowie die Laden- und Hauseingangstüren wurden wieder hergerichtet. Im Fleischerladen musste der Verkaufstresen den technischen Anforderungen entsprechend neu eingebaut werden, aber die alten Wandfliesen blieben erhalten und zeigen heute, wie aufwändig, geschmackvoll und individuell eine Ladeneinrichtung in der Erbauungszeit des Hauses gestaltet wurde.

Die Fleischerei Fischer in der Goldschmiedenstraße 16 kann zum Denkmaltag am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden.

Rainer Beichler |

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