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 | Bildquelle: Bettina Eckenfelder

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Bildquelle: Bettina Eckenfelder

Tag des offenen Denkmals: Teil 2 – Industriedenkmal „Alte Mälzerei“

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 13. September steht unter dem Motto „Historische Stätten des Genusses“. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurde vom Eisenacher Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stadtverwaltung eine Liste von „Genussorten“ in Eisenach erarbeitet. Die folgende Serie, die der Eisenacher Karlheinz Büttner verfasst hat, soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den Denkmaltag.

Im Eisenacher Palmental wurde 1871 eine Malz- und Malzkaffeefabrik gegründet. Der Firmengründer, Johann Adam Heintz, produzierte hier Braumalz für die Bierherstellung. Sein Sohn und Nachfolger Adam Heintz, gelernter Brauer und Mälzer, übernahm 1892 die Fabrik und begann in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zudem mit dem Rösten von Malzkaffee.
Am Ende des 2. Weltkrieges ruhte vorübergehend die Produktion. Als im April 1945 die Amerikaner in Thüringen einzogen, wurde kurzzeitig auch Bohnenkaffee geröstet. Ab 1949 konnte die Mälzerei – wahrscheinlich wegen fehlender Gerstenzuteilung – nur noch im Tausch „Gerste gegen Kaffee“ ihren Röstereibetrieb aufrecht erhalten. 1952 wurde die Malzkaffeeröstung schließlich eingestellt.
Lange Jahre stand der Betrieb still. Allerdings wurde der Erhalt des großen Anwesens zunehmend schwieriger, insbesondere durch die Schwierigkeiten, die die sozialistische Planwirtschaft verursachte. Die Urenkelin des Firmengründers hatte die Firma jedoch in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Ein Glücksfall für die Eisenacher Jazz-Enthusiasten, denn 1988 verkaufte Marie-Luise Rahn die Fabrik mit allem Interieur an die Stadt Eisenach. So konnte der Eisenacher Jazzclub in ein neues Domizil einziehen. Seine Mitglieder begannen in mehreren tausend Arbeitsstunden das Objekt zu entrümpeln. Doch es gab neue Schwierigkeiten: Nur durch die Ausweisung als Einzeldenkmal und scharfen Protest entging das Gelände dem bereits vom Automobilwerk Eisenach beantragten Abriss. Heute hat sich hier – dank erheblicher finanzieller Zuwendungen und engagierter Arbeit der Mitglieder des Jazzclubs – eine multifunktionale Einrichtung etabliert. Neben dem Industriemuseum mit einer fast vollständig erhaltenen Röstereianlage verfügt die „Alte Mälzerei“ über einen Jazzkeller und beherbergt das Internationale Jazzarchiv.

Das Industriedenkmal „Alte Mälzerei“ im Palmental hat zum Tag des offenen Denkmals am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet und es wird ein buntes Programm geboten.

Rainer Beichler | | Quelle:

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