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 | Bildquelle: Bamberger/TaM

Beschreibung:
Bildquelle: Bamberger/TaM

Theater am Markt : Beziehungshölle für die Ewigkeit

Drei Menschen – eingeschlossen in einem Raum für alle Ewigkeit. Das ist die Hölle, in die Jean-Paul Sartre seine Protagonisten schickt. Mit der Premiere der Inszenierung «Geschlossene Gesellschaft» ist Sartres Psychodrama am Samstag, 7. März um 19.30 Uhr als zweite Eigenproduktion des kürzlich eröffneten Eisenacher Theaters am Markt zu erleben.

Im April 1949 – also vor fast genau 60 Jahren – wurde das inzwischen meistgespielte Stück Sartres erstmals in Deutschland aufgeführt. Für Regisseurin Annekatrin Schuch-Greiff hat der Stoff bis heute nichts an Aktualität verloren. «Es geht um menschliche Beziehungen, vor allem um Dreierbeziehungen. Und wer kennt das nicht, dass ein Dritter in eine Zweisamkeit einbricht und diese durch seine bloße Anwesenheit verletzt, zerstört? Bei Sartres «Geschlossener Gesellschaft» müssen drei Menschen, zwei Frauen und ein Mann, nach ihrem Tod für immer in einem Zimmer zusammenbleiben: Das ist die Hölle. Warum? Weil jeder von ihnen davon abhängig ist, wie der andere ihn sieht, weil jeder durch den Blick des anderen festgelegt wird, gefangen in dem Bild, das der andere sich von ihm macht», erklärt die Regisseurin. Und jeder der drei Protagonisten hat ein schreckliches Geheimnis, hat eine Tat begangen, die ihn nach dem Tod in diese besondere Hölle geführt hat.

«Die Hölle, das sind die anderen», heißt der wohl bekannteste Satz aus dem Stück. Und für Annekatrin Schuch-Greiff ist die Hölle, die sich Menschen insbesondere in Familien- oder Liebesbeziehungen gegenseitig bereiten, allgegenwärtig. Und dabei müsse nicht einmal körperliche Gewalt eine Rolle spielen. «Man quält einander. Mit zu vielen Worten oder zu wenigen. Mit einem Mangel an Respekt, Aufmerksamkeit und Liebe. Und die schlimmste Beobachtung ist, das viele Leute ganz offenkundig Spaß daran haben, anderen derartige Höllen-Qualen zuzufügen.»

Diese Erfahrungen schlugen sich auch in der Probenarbeit nieder. Immer wieder fühlten sich die Regisseurin und die drei Darsteller an eigene Lebenssituationen erinnert. Dabei fiel es insbesondere der jungen Laiendarstellerin Maria Arnold nicht immer leicht zu glauben, welche vielfältigen Facetten Menschen im Umgang miteinander an den Tag legen können, um ihre wahren Gefühle zu verbergen. Im Zusammenspiel mit den professionellen Schauspielern Denise Schindler und Marcus Coenen ist die 17-Jährige besonders gefordert. «Aber sie verfügt über eine außerordentliche Begabung, sie hat ein enormes szenisches Gespür und steht in punkto Bühnenpräsenz den beiden gestandenen Kollegen in nichts nach», schwärmt die Regisseurin. «Wir spielen nicht auf einer großen Theaterbühne vor 800 Menschen. Im Theater am Markt, wo etwa 50-70 Zuschauer Platz finden, ist die Nähe zum Publikum größer. Das ist insgesamt ideal für diese Inszenierung, in der es um drei Menschen in einem Raum mit fehlenden Ausbruchmöglichkeiten geht.»

Dabei ist es nicht so, dass der Existenzialist Sartre diese traurige Ausweglosigkeit zum Programm erheben wollte. Ganz im Gegenteil:
1941 verkündete Sartre die «Nichtexistenz Gottes» und als Folge daraus die totale Freiheit und Selbstverantwortung des Menschen. Wo kein Gott ist, ist auch keine Sünde, keine Reue, aber auch keine Gnade. Alles, was ein Mensch tut, ist nur seinem Urteil unterworfen. Weil aber der Mensch stets in Versuchung ist, sich ein falsches Bild von sich selbst zu machen, ist er auf das Urteil seiner Mitmenschen wie auf einen Spiegel angewiesen. Und das kann zu einer schlimmeren Hölle als der mittelalterlich-christlichen werden. Doch sein Schicksal hat jeder selbst in der Hand. «In
welchem Teufelskreis wir auch immer sind», sagte Sartre 1965 über sein Stück, «ich denke, wir sind immer frei, ihn zu durchbrechen. Und wenn die Menschen ihn nicht
durchbrechen, dann bleiben sie, wiederum aus freien Stücken, in diesem Teufelskreis. Also begeben sie sich aus freien Stücken in die Hölle.»

Karten für die Premiere sowie die nächsten Vorstellungen am 13. und 14. März, jeweils 19.30 Uhr, sind per Mail unter Kontakt@TheaterAmMarkt.de oder telefonisch unter 0176-25795032 erhältlich.

Rainer Beichler | | Quelle:

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