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Warum demontiert die Landespolitik etablierte Kultureinrichtungen?

Seit 1992 ist das Landestheater Eisenach unabhängig von der politischen Konstellation. permanent der Spielball einer verfehlten Kulturpolitik in Thüringen Der Kreistag beschloss bereits 1992 das Schauspiel abzuwickeln. Im Theater hoffte man auf diese Weise wenigstens die Landekapelle mit 56 Musikern zu erhalten, was in einer Stadt, in der J. S. Bach geboren wurde und in der Telemann die erste Kantate aufführte, Richard Wagner und Franz Liszt wirkten, wohl erforderlich war.

Die unglücklichen Einführung der Kreisfreiheit Eisenachs, die gegen den Willen des Eisenacher Bürgertums durchgesetzt wurde, führte vorhersehbar zu erheblichen finanzielle Problemen, die wie üblich in solchen Fällen, zu Lasten der Kultureinrichtungen gelöst werden sollten. Der Opernchor wurde aufgelöst, die verbliebenen vier Sänger und 13 Musiker mussten gehen. 2008 begann unter Opferung des Musiktheaters die Kooperation mit Meiningen, die stets problematisch war. Eine Insiderin berechnete die Kosten der damaligen Abwickelung mit 50 Mill. €!

Es blieb eine 24-köpfige Landeskapelle, deren Musiker 30% unter dem Tarif ihrer Kollegen bezahlt wurden, die hauptsächlich Barock-Musik darbieten sollte. Die Politik war und ist hinsichtlich dieser Unterbezahlung großzügig, indem man darüber hinweg sah. Der GMD Carlos Domínguez-Nieto brachte mit dieser kleinen aber sehr engagierten Kapelle große Musik zu Gehör. Rein zufällig wurde mit dem Nachfolger im Amt des Generalmusikdirektors nur ein Vertrag über ein Jahr geschlossen, obwohl die Landeskapelle 2016 den 70. Jahrestag der Neuentstehung nach dem zweiten Weltkrieg begehen will.

Diese Situation steht im krassen Gegensatz zur Regierungserklärung des Ministerpräsidenten.

Mit dieser Regierungserklärung des neu gewählten Ministerpräsidenten sollte in Thüringen vieles anders werden. So ist zu lesen: Der Sicherung der finanziellen Rahmenbedingungen für Kultur gilt mein besonderes Augenmerk. Eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen als wichtigster Partner der Kulturförderung neben dem Land ist unabdingbar. Der Kulturlastenausgleich soll, ja er muss evalu­iert und fortgesetzt und in mindestens gleicher Höhe wie 2014 ausge­stattet werden .Den Kommunen will ich zudem durch eine verbesserte Finanzausstattung helfen, nicht nur ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen, sondern auch ihre Königsaufgabe, die man immer umschreibt als sogenannte freiwil­lige Leistung.

Leider hielt der gute Vorsatz nicht lange an, zumal sich der zuständige Minister, Prof. Hoof, ein Sozialwissenschaftler aus Berlin und seine Staatssekretärin, Frau Dr. Winter, eine Chemikerin aus Castrop Rauxel, daran machten, die Musikszene in Thüringen aufzumischen. Leider wurde kein fachlich fundierter Sachverstand bei diesem Vorhaben zu Rate gezogen. Während die vorgesehene Abwickelung der Opernsparte des Deutschen Nationaltheaters in Weimar geharnischte Proteste u.a. von Frau Dr. Nike Wagner ( jetzt Bonn) und dem Chefdirigenten der Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann hervor rief, müssen die kleinen Häuser auf den Beistand ihrer Bürger hoffen. Pikanterweise kommt das Vorhaben des Minister Hoffs, die Landeskapelle „abzuwickeln“, einem NPD Antrag im Stadtrat Eisenachs vom Nov. 2014 zur Schließung des Landestheaters entgegen, der damals jedoch abgelehnt wurde.

Es sollten nun endlich die seit 20 Jahren andauernden Querelen um die Kulturstätte Eisenacher „Theater“ nun beendet werden, um den dort arbeitenden Künstlern die erforderliche Ruhe zur Ausübung ihres Berufes zu geben.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass aus Abwickelung kultureller Institutionen kein finanzieller Gewinn   resultiert.

Die finanzielle Sicherung für die Neugestaltung der Assmann Halle  wurde in kurzer Zeit ohne große Diskussion von Stadt und Land gesichert. Warum geht das bei den Einrichtungen der Kultur nicht?? Beide Sparten gehören doch zu den sogenannten freiwilligen Aufgaben.

Wir erwarten von den verantwortlichen ein Umdenken und die Realisierung der Regierungserklärung.

Für die Verantwortlichen gilt eine Wort Schillers aus dem Jahre 1784 …“schließlich sei das Theater die vorzüglichste der Anstalten zur gesellschaftlichen Ergötzlichkeit; und was sie in dieser Hinsicht leiste,“

Prof. Dr. W. Krafft
Dr.med. Rosemarie Krafft

Andrea T. |

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  • Eingebundener

    Ein sehr guter Beitrag.
    Leider wird m. E. oft vergessen sich dem Publikum anzupassen. Jedes Theater, vorallem eines, was um das Überleben kämpft, muss sich dem Publikum anpassen, welches bereit ist dafür zu zahlen. Fragliche Inszenierungen oder Stücke, welche das junge Publikum nun im Rahmen des Deutsch Leistungskurses anzieht, sind keine nachhaltige Lösung.
    Weshalb nicht einfach mal (wieder) in die Region schauen und daraus ein Musical entstehen lassen oder einfach mal mutig neue Wege gehen.

    P.S.: Bei der Sportförderung bin ich gleicher Meinung – Nachhaltigkeit geht anders

  • besorgter Eisenacher

    Ein wichtiger Leserbrief, der es genau auf den Punkt bringt und ein weiteres gebrochenes Wahlversprechen der Linken anmahnt. .

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