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 | Bildquelle: © Michael Schenk

Beschreibung:
Bildquelle: © Michael Schenk

Auf Augenhöhe mit Luther

Seit 16.Oktober ist das Lutherdenkmal auf dem Karlsplatz von einem Haus auf Stelzen umgeben, hier entstand kein neuer Stadtteil Venedigs, sondern das aktuelle Kunstprojekt des Japaners Tatzu Nishi. Noch bis zum 17.12.2016 ist es täglich von 11:00 – 18:00 Uhr zu erleben. Nachdem man die luftige Höhe des Denkmals erklommen hat, betritt man ein typisch deutsches Schlafzimmer. Durchschnittlicher IKEA-Schick, Nachttisch, zwei Lampen, wenig Details, Gardinen. Ein stereotypisches Schlafzimmer eben.

„Alsdann Flugs und Fröhlich Geschlafen“ (in bed with Martin Luther) will den großen Reformator ein wenig von seinem monumentalen Sockel holen, auf dem er seit 1895 steht und den Betrachter so ein Erlebnis auf Augenhöhe erschaffen. Bisher musste sich der von Adolf von Donndorf geschaffene Bronze -Luther doch recht einsam vorkommen, so allein in luftiger, nasskalter Höhe. Diesen Winter hat er sein eigenes Haus und viele Besucher.

Luther steht derweil im Bett und Überblick noch immer das Geschehen. Denn selbst der größte Mensch der Welt, würde neben ihm, stehend im Bett, noch immer klein aussehen. Aber ein Bisschen respektvollen Abstand zu Dr. Martin Luther zu wahren, kann selbst im 499. Jahr der Reformation nicht schaden. Immerhin schenkte sein Denken uns so wunderbare Worte wie „Friedfertigkeit“ und „Nächstenliebe“.

Für den unter Zeitdruck stehenden Betrachter endet das Schlafzimmererlebnis an dieser Stelle, wer sich aber ein wenig mehr Zeit nimmt, entdeckt noch viele Details in diesem „typischen“ Schlafzimmer. Allein der Blick in Luthers Bücherregal könnte bei dem einen oder anderen Betrachter ein freudvolles Lächeln erzeugen.

 

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Foto: © Michael Schenk

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Foto: © Michael Schenk

 

 

Michael Schenk 

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Die Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft und sofern sie unseren Richtlinien entsprechen, freigegeben.

  • Ketzer?

    Gute Gelegenheit, „auf Augenhöhe“ bei Prof. Martin nachzufragen, weshalb er dazu aufgerufen haben könnte, Synagogen niederzubrennen, jüdisches Bargeld und Schmuck einzuziehen, Juden zur Zwangsarbeit zu verpflichten und das Lehren anderer Religionen bei Androhung der Todesstrafe zu verbieten.

    • vigilando ascendimus

      Luther und Müntzer sind schon oft von rechten und linken Demagogen benutzt worden. in den 1930er Jahren waren es die Nazis im Verein mit den „Deutschen Christen“, denen Luther Hetze gegen die (Relegions)Juden gefiel. Vor 33 Jahren waren es die Zonenkommunisten und heute die Thüringer Kommuinisten in Verein mit kapitalismusablehnenden Vertretern von „Kirche im Sozialismus“ Luther und Müntzer als Vertreter der „Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ sehen. Vergessen wird dabei gerne, dass Müntzer im Umgang mit Ungläubigen noch radikaler als Luther war!

      Die Kommunisten liebäugeln bis heute gern mit den Theorien des revolutionären Terrors, die sich bei Robespierre, Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot aber auch bei Modrow (trauert bis heute um den Untergang der Sowjetunion), Krenz (chinesische Lösung), Honecker, Ulbricht, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg oder eben auch in Ansätzen bei Karl Marx, Müntzer und Luther wieder finden.

      Luther als Begründer der Deutschen Schriftsprache und großer Reformator hat eben auch seine ganz dunklen Seiten!

      Die Lutheraner waren übrigens entgegen der jahrhundertealten Propaganda nicht selten reaktionärer als die Katholiken. Die Hexenverfolgung in Thüringen ist in erster Linie ein Werk von extremen Lutheranern.

      2. Beispiel: Während die katholischen deutschen Reichsstände den heutigen gregorianischen Kalender bereits 1583 einführten, brauchten die evangelischen deutschen Partikularstaaten erheblich länger; das Herzogtum Württemberg z. B. bis 1699, mehr als hunder Jahre länger.

      Wo Licht ist, ist auch Schatten!

      • vigilando ascendimus

        Was denn, kein Widerspruch von links?

        • Felix Berg

          Eine Antwort abseits ihrer rechts links Spielereien, – Es sind immer Freidenker die etwas in der Welt bewegen, Vasallen hingegen können nur eines – Stiefel lecken, dort wo es Vorteile bringt um sich hernach hinter ihrem Herrn zu verstecken wenn es schief geht – Der wars, ich hab nur gehorcht. Es ist nicht unbekannt das die Kirchliche Spaltung einiges an Zeit in Anspruch nahm, wenn also in Thüringen Evangelisten Hexen verbrannten – wer war das in Bayern? / Warum glauben Katholiken heute immer noch sie können jede Sauerei ausführen und kommen dennoch in den Himmel, so man einfach nur beichtet? – Also – Geschichte lässt sich nur verstehen wer sich in die Lage der Zeit hineinversetzten kann, mit unserem heutigen Bild der Welt versuchen nur Hetzmolche Geschichte zu erklären und diese gibt es in jeder Epoche. Im übrigen sei Ihnen einmal gesagt das einzig mit Desidenten und der roten Ost CDU es nie zur Wende gekommen währe, da war schon ein anderes Aufgebot Notwendig.

          • Jakob

            „Geschichte kann nur verstehen, wer sich in die Lage der Zeit hineinversetzen kann“ – Ein guter Ansatz! Auch im Rahmen der „Reformationsfeierlichkeiten“ könnten wir uns auch mal mit dem Denken der Lutherzeit auseinandersetzen, wenigstens am Rande. Nur auf das Anschwellen der Touristenströme zu starren, wäre etwas blass. Wir sind doch ein Kulturvolk und nicht nur ein Konsumvolk.

          • vigilando ascendimus

            Konnte ich Ihnen doch noch ein Reaktion herauskitzeln. Es gab in Deutschland zwei Hochburgen der Hexenverfolgung: Thüringen (sächsiche Herzogtümer – insbeondere Sachsen-Gotha unter Ernst den Frommen und Meiningen [im benachbarten Dreißigacker wohnten die thüringischen ‚Scharfrichter]) und das fränkische Fürstbistum Würzburg. Richtig in Franken und Bayern waren es Katholiken.

            Ob nun jeder Katholik glaubt, wenn er es nur beichtet, dürfte er jede Schweinerei machen, glaube ich nicht, ist aber ein gängiges Vorurteil!

            Dass die Ost-CDU nun nicht gerade die Bannerträgerin die Friedlichen Revolution 1989 war, ist wohl allgemein bekannt.

            Dass die erstmals so ein wenig durchblicken lassen, dass sie insgeheim doch ganz zufrieden darüber sind, dass die Friedliche Revolution den Zonenkommunismus hinweggefegt hat, freut mich!

            Bei allem, was oft nicht zu Unrecht an der Bundesrepublik kritisieren – es hätte uns erheblich schlechter treffen können!

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