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 | Bildquelle: Archivfoto - Paul-Philipp Braun

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Bildquelle: Archivfoto - Paul-Philipp Braun

Eisenach ist arm an Kultur

Eisenach ist eine Stadt mit Kultur – das ist Fakt. Wartburg, Bach, Luther, Theater und die Museen sind Schlagworte, die Touristen in die Stadt treiben und die die Gesichter der «Bildungsbürger» zum sprichwörtlichen Strahlen bringen.
Doch Eisenach ist arm an Kultur – auch das ist Fakt. Arm an Jugendkultur. «Mad», «Hörbar» und «Die Sonne» sind mehr oder weniger lange schon geschlossen und auch die Discothek «Spitz» öffnet in wenigen Wochen zum letzten Mal ihre Pforten.

Dass aber diese Jugend- und Feierkultur in ihrer Reinform, nämlich mit durchtanzten Nächten und etwas lauterer Musik, von vielen gar nicht gewünscht ist, zeigt ein aktuelles Beispiel. Seit Monaten schon suchen die Veranstalter des «Eve Adam And-Festivals» einen geeigneten Platz, um ihre Veranstaltung für junge Menschen durchführen zu können.
Im letzten Jahr hatte sich dafür eine ideale Lage gefunden. Der Panoramaweg war der «Place-to-be» für Veranstalter und Gäste gleichermaßen. Bei rund 25°C und knallendem Sonnenschein hatten am 13. Juli 2013 rund 1 200 Menschen aller Altersklassen den Sommer bei elektrischer Tanzmusik genossen und ein berauschendes Fest gefeiert. Bis die Sonne untergegangen war, tanzten sie barfuß auf dem trockenen Gras und genossen die Aussicht auf die «Burg aller Burgen» und das Südviertel.
Nichtsahnend, dass schon wenige Tage später ausgerechnet von diesen beiden Orten die harscheste Kritik an ihrer Veranstaltung kam.

Man schrieb damals in Leserbriefen von «fehlender Rücksicht» auf andere Kulturveranstaltungen, von einer «Tyrannisierung der Anwohner» und einer «Erregung öffentlichen Ärgernisses». Kurzum: es hagelte von vielen jener bereits erwähnten «Bildungsbürger» zahlreiche Rügen auf die jungen Leute.
Dass sie nun also einen neuen Veranstaltungsplatz suchen, um andere aber auch sich selber zu «schonen» ist also mehr als verständlich. Dass ihnen dabei die Oberbürgermeisterin helfen will, das ist sehr löblich. Obgleich es auch ihr mit Sicherheit schwerfallen wird, wird, den Spagat zwischen den alteingesessenen Klassikfans und Mittagsschläfern und den jungen und dynamischen Feierfreunden hinzubekommen.

Und genau damit ist das «Eve Adam And – Festival» ein Symbol für Eisenachs Jugendkultur. Kann es zum Einen doch hunderte in die Stadt oder auf die Wiesen locken und ist es somit doch ein, wenn auch nur kurzzeitiger, Attraktivitätszugewinn für die Wartburgstadt, so wird es auf der anderen Seite wieder auf viel Missfallen und nicht überall auf Begeisterung treffen.
Zu wünschen ist an dieser Stelle nur, dass die Veranstalter möglichst schnell einen Austragungsort finden, damit die finalen Planungen endlich beginnen können. Denn noch eines ist Fakt: die jungen Leute in Eisenach und Umgebung freuen sich darauf – auf ihre Kultur.

Paul-Philipp Braun |

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