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 | Bildquelle: Axel Bauer

Beschreibung:
Bildquelle: Axel Bauer

Extreme Höhe – Radfahren in der Atacamawüste

Teil 2. Zu den Perlen der Anden (Piste bis auf 5000m Höhe, 515 km) von Axel Bauer

Rauchende Vulkane San Pedro de Atacama ist eine Oase in der trockensten Wüste der Welt. Viele Tourenanbieter haben im Stadtkern ihr Geschäfte, daneben gibt es Souvenirläden, Cafe`s und Restaurants. Alles ist auf die Bedürfnisse der internationalen Traveller ausgerichtet, die im Rollkoffer anreisen und hier ein bisschen Wüstenabenteuer konsumieren dürfen, um die coolen Bilder dann auf Facebook zu posten. Genau unter diese Spezies mische ich mich für einen Tag und lasse mich zu dem Geysierfeld El Tatio fahren. Im Morgengrauen spazieren wir bei tiefwinterlichen Temperaturen über einen Vulkan, aus dessen Kuppe es aus vielen Löchern raucht und heisses Wasser sprudelt. Mit der Kälte und dem aufgehenden Sonnenlicht ergibt diese Szene etwas filmreifes.

Restrisiko Ich spüre die gute Energie der Berge und die Anziehungskraft dieser Wüstenstrecke durch Bolivien, die mir immer noch im Kopf herumgeistert. Am nächsten Morgen stehe ich mit gepacktem Rad an diesem Abzweig, der ins ärmste Land Südamerikas führt, an dem der Asphalt endet und die Sandpiste beginnt. Ein Spruch meiner Tochter Smilla geht mir durch den Kopf:

Um so schwerer die Strecke, desto größer das Erlebnis.

Mit einem Lachen im Gesicht lasse ich die Bremse los und rolle laut Buchbeschreibung in die „anspruchsvollste Tour“, die man als Radreisender machen kann. Ich bin mit GPS Daten, Taschen voll Essen und gefühlten Schwimmbädern voll Wasser ausgerüstet.

Langsamkeit Ich passiere den im Nichts stehenden Grenzposten und fahre in der Aura von umliegenden braun- bis rostfarbenen Bergkegeln mit Eiskuppen auf der Wellblechpiste vor mich hin. Zwischen 4000 und 5000 m Höhe ist mir klar, dass ich mich nicht wie bei einer Rennsteigtour fühlen kann. Das Zauberwort zum Überleben heißt hier Rhythmus. Dieser eigenen inneren Stimme, die man gerne im Alltag zuhause unterdrückt, heißt es jetzt zuzuhören. Den mp3 Spieler packe ich lieber ein. Ich drehe mich immer wieder um, ich bin alleine. Mit 10-12 Kilometer pro Stunde bewege ich mich durch die Landschaft. Ich spüre meine Langsamkeit, freue mich innerlich in dem einen Moment und sauge alles auf. Im anderen Moment kommt Panik hoch, das Alleinsein, der Wunsch alles zu ändern und ich trete stärker in die Pedale. Doch die Höhenluft und der Gegenwind bremsen mich wieder ein. Als Mensch ist man hier nicht mehr als die anderen Sandkörner neben dir.
Ich bewundere die Laguna Verde, einen grünschimmernden See vor roten Bergen, und ich geniesse eine warme Thermalquelle vor dem Refugio Polques gelegen, was ich am Abend überraschend erreiche.
Die Piste, die ich am nächsten Tag vorfinde, ist sehr sandig und steigt immer weiter an. Jeeps mit Touristen besetzt, rauschen mit Affenzahn an mir vorbei und lassen mich hustend am Strassenrand zurück. In Uyuni werden diese Touren zu den Lagunen im Süden Boliviens angeboten und 3 Tage lang gibt es für die Mitfahrer ein Fest für die Augen. Leider sitzen die zahlenden Kunden jeden Alters (fast) nur im Auto und werden kräftig von den brutalen Pisten durchgeschüttelt. Sie bedauern die armen Radfahrer in der Weite der Wüste, ich bedauere sie wegen ihrer eingeschlossenen Situation in der Blechkiste. Ja, ich gebe zu bis auf den höchsten Pass dieser Passage auf 4926 m ist es für mich ein gewisser Kampf, auch ist es bitter abwärts zeitweise nur schieben zu können, weil manche Abschnitte nicht fahrbar sind. Aber ich tausche ja freiwillig und aus eigenen Willen den Komfort gegen die Freiheit.

Lagunen ohne Ende Der Tag wird lang. Rundherum ist keine Spur von Leben, geschweige denn Grün, zu sehen. Der aufflammende Wind treibt den Staub vor sich her. Im Abendlicht erreiche ich die Laguna Colorado, die blutrot vor mir liegt. Das Bild ist surreal. Hier und da ragen „Sandbänke“ weiß leuchtenden Salzes ins Wasser. Am nördlichen Rand des Sees gibt es 3-4 Häuser. Ich suche nach Leuten, bis ich 2 alte Indiofrauen finde, die mir in ihrer Herberge ein Bett anbieten und noch etwas Suppe vom Mittag übrig haben.
Der Ort hat etwas Besonderes. Ich bleibe den nächsten Tag einfach hier und gehe mit der Fotoausrüstung zu einer Bucht der Lagune. Mutterseelenallein stehe ich hunderten Flamingos gegenüber. Die meisten haben die rote Farbe des Sees übernommen, stecken den Kopf ins Wasser, um Krebse zu erhaschen. Andere stehen auf dem Eis und starten zu einem Rundflug. Stundenlang kann ich mich von diesem Ort nicht losreissen und habe das Gefühl, die Flamingos kommen immer wieder an mir vorbeigeflogen, nur um zu zeigen, wie schön ihr Gefieder in der Luft aussieht.

Thomas Weiter, immer weiter geht es auf der Reise. Berge, Anstiege aber auch eine alles übertreffende Weite prägen die nächsten Tage. Ich übernachte im Zelt, in einem Armeestützpunkt auf dem Salzsee, schwitze, schiebe, fahre und erreiche irgendwann ziemlich müde die erste Siedlung San Juan de Rosario. Ich verzichte darauf zu beschreiben, wie das Wasser der ersten Dusche nach Tagen aussieht. Aber nicht auf die Freude ein paar Stunden später einen anderen Radfahrer in den Gassen des Dorfes zu treffen. Es ist Thomas aus Südtirol, der die Route über Chile genommen hat. Auch er hat viel zu erzählen, doch davon mehr im nächsten Teil der Geschichte.

Muchos Saludos, Axel

Axel Bauer

Foto: Axel Bauer

Axel Bauer

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Axel Bauer

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Andrea T. | | Quelle:

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