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 | Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Beschreibung:
Bildquelle: Paul-Philipp Braun

Mein Körper gehört mir

Sie heißen Lilli und Luis und kommen nun wöchentlich in den Kindergarten «Spielkiste» in der Stedtfelder Straße. Dennoch sind die beiden wohl die Lieblinge aller Kinder.

Doch wer nun denkt, dass es hier um Kinder geht, die die restliche Zeit zuhause verbringen, der irrt.
Lilli und Luis sind eigentlich zwei Puppen und in dieser Eigenschaft die besten Gehilfen von Melanie Leukert.
Die junge Frau ist seit dem August des vergangenen Jahres beim Kinderschutzdienst der Diako Westthüringen gGmbH aktiv und kümmert sich dabei um alle möglichen Sorgen, die Kinder oder deren Eltern einmal haben können.
Auch ein Grenzüberschreitungstraining unter dem Motto «Mein Körper gehört mir» zählt zu ihren Aufgaben.
«Kindesmissbrauch und sexualisierte Gewalt sind noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, dennoch leider keine Seltenheit», erklärt Melanie Leukert.

Auf spielerische Art und Weise versucht die junge Frau daher Eisenachs Kindergartenkinder der Vorschulgruppen an die Problematik heranzuführen.
Immer dabei sind Lilli und Luis.
Die beiden Puppen helfen ihr, das Eis zu brechen und somit die Kinder für die Thematik zu sensibilisieren, berichtet die junge Frau.

In drei Teile, die jeweils einmal pro Woche in den Kindergärten stattfinden, ist das Präventionsprojekt aufgeteilt.

Zunächst setzen sich die Kinder dabei mit Gefühlen auseinander und lernen, dass es sowohl «gute Gefühle» als auch «schlechte Gefühle» gibt.
Durch eine imaginäre Reise gelangen die Kinder so zum Beispiel in das Land der Angst, in das Land der Traurigkeit und natürlich auch in das Land der Freude, wo sie jeweils ein kleines Abenteuer erleben und somit erfahren, dass man auch nach Trauer oder Wut wieder fröhlich sein kann.

Doch auch das Thema Berührungen spielt in Melanie Leukerts Grenzüberschreitungstraining eine Rolle. Die Frau vom Kinderschutzdienst weiß nur allzugut, dass viele Kinder sich in einer beklemmenden körperlichen Situation nicht trauen zu sagen, dass sie eben kein Küsschen möchten oder nicht gestreichelt werden wollen. Daher lernen die Vorschüler in diesem Teil des Projekts das konkrete «Nein»-Sagen.
Helfen tun ihr auch hierbei Lilli und Luis, welche extra ein Buch geschrieben und gemalt haben, das noch einmal zeigt, was die beiden nicht gern haben.

Im letzten Teil des dreiwöchigen Projektes beschäftigen sich die Kinder ausgiebig mit Geheimnissen. Aus Erfahrung weiß Melanie Leukert:«Oftmals bekommen die kindlichen Opfer eines Missbrauchs gesagt, dass es ein Geheimnis ist und sie es daher nicht weitersagen dürfen. Leider tun die Kinder das auch recht häufig.»
Um diesem Verhalten entgegenzuwirken erklärt Melanie Leukert, unterstützt von Lilli und Luis, den Kindern dann, dass es auch «Gute Geheimnisse», wie zum Beispiel das Geburtstagsgeschenk für die Mama, und «Schlechte Geheimnisse», welche ein Bauchwehgefühl verursachen, gibt.

Aber nicht nur die kleinen Spiele sollen dazu führen, dass sich die Kinder altersgerecht mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch ein Lied, welches den Titel «Mein Körper gehört mir» trägt führt zum besseren Verständnis der Thematik.
Natürlich geschrieben und mitgesungen von Lilli und Luis.

Unterstützt werden Anne Rieth und Melnie Leukert in ihrer Arbeit von Lilli und Luis.

Foto: ©Paul-Philipp Braun

Auch ein Buch unter dem Motto "Mein Körper gehört mir" haben Lilli und Luis geschrieben.

Foto: ©Paul-Philipp Braun

Paul-Philipp Braun |

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