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 | Bildquelle: Paul-Philipp Braun - Archiv

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Bildquelle: Paul-Philipp Braun - Archiv

Zwischen Abi und Kindergarten

Dass Streiche mit zur Schule gehören, ist das ist ganz selbstverständlich. Sei es die mit Kernseife eingeschmierte Tafel, das altherkömmliche Furzkissen oder die vorgestellte Uhr im Klassenraum – wohl fast alle Menschen, die die Schulzeit durchliefen stießen hin und wieder mal auf den einen oder anderen kleinen Scherz.

Auch Eisenachs Abiturienten haben in fast jedem Jahr das Bedürfnis, den anderen Gymnasien in der letzten Woche, der Chaoswoche, einen Streich zu spielen und die Mitschüler des Jahrgangs etwas auf´s Korn zu nehmen. Doch leider scheint eben jener Spaß in den letzten  Jahren immer wieder und immer mehr auszuufern. Was vor einigen Jahren noch harmlos und mit eindeutigem Spaßfaktor begann, wurde in den letzten Jahren immer wieder eine Angelegenheit für die Polizei.

Sehr unappetitlich aber nicht grundsätzlich zerstörerisch war der Haufen, der einst zum letzten Schultag vor die Tür des Ernst-Abbe-Gymnasiums gesetzt wurde. Bedeutend mehr Probleme hingegen gab es, als die Fassade des Elisabeth-Gymnasiums vor wenigen Jahren mit Eiern beworfen wurde. Das Martin-Luther-Gymnasium wiederum erreichte seinen Gipfel der Abistreich-Zerstörung 2013, als künftige Leistungsträger der Gesellschaft Bänke zerstörten und eine alte Schulbücherei auf dem Pausenhof der Schule ausbreiteten.

Nachdem es im vergangenen Jahr in keinem der drei Gymnasien auch nur zu einem Abistreich kam, wartet dies Jahr wieder das Ernst-Abbe-Gymnasium auf. Auch hier schritt die Polizei ein, nachdem Schülerinnen eines anderen Gymnasiums offenbar Zugangstüren mit Ketchup beschmiert hatten und das Hoftor mit Fahrradständern blockierten (EOL berichtete).

Nun kann man argumentieren, dass das alles ja nicht so schlimm ist und der Spaß dies doch rechtfertigen würde. Doch wer dies tut, der vergisst den gemeinsamen Autokorso aller 12er am letzten Schultag, die LSD-Party im Club Night und die eine oder andere Aktion, in der die Schüler der Gymnasien sich eigentlich eher kollegial als konkurrierend verhalten. Auch den Anspruch vergisst der, welcher so argumentiert. Denn das Abitur ist in Deutschland immer noch der höchste Schulabschluss.
Denn so bleibt die Frage im Raum stehen, ob man jede alte Tradition behalten muss, nur weil es einige Generationen vor einem auch schon so taten oder ob man sich nicht doch reif genug fühlt, um auf einen derartigen Kindergarten zu verzichten.

Paul-Philipp Braun |

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  • Christian

    Man kann es auch echt übertreiben mit dem dramatisieren eines eigentlich harmlosen Spaßes von Schülern. Demnächst wird wohl noch das SEK gerufen wenn jemand Dreck am Schuh hatte. Wir können froh sein, wenn unsere Schüler noch Kreativität zeigen und nicht nur zu in Arbeitsstunden gehandelter Wirtschaftsware erzogen werden. Ist zwar nicht gut für die Wirtschaft – aber gut für die Gesellschaft.
    In die Diskussion irgendwelche noch andere Aktionen einzumischen ist m.E. nach fehl am Platz und wohl dem Übertreibungswillen bedingt.

    • Paul-Philipp Braun

      Aber was ist denn an Klarsichtfolie und Ketchup kreativ?

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