| Eisenach - Was ist das Böse, was ist Schuld und woran glauben wir? Diesen Fragen widmet sich die Inszenierung «Good day in hell», die am Samstag, 11. September um 19.30 Uhr im Eisenacher Theater am Markt Premiere hat.
In der Regie von Gina Fischer entführen die Schauspieler Marcus Coenen und Timo Bamberger die Zuschauer auf den Grund des siebten Kreises der Hölle, wo sie auf Judas Ischariot (Timo Bamberger) treffen, der Jesus einst verriet. Gemeinsam mit dem Publikum will Mephisto (Marcus Coenen) dem Verräter nun den Prozess machen. Sein Erfindungsreichtum in Sachen Tortur ist dabei groß: er singt seinem Gefangenen Schlager vor, bedient sich innovativ der Mikrowelle und erlaubt sich Scherze aus Comedy und Karneval, die alles andere als harmlos sind. Unterschiedliche Erzählweisen von Elementen der TV-Show bis hin zu dramatischen Theatermomenten sorgen für einen expressiven Höllentanz zwischen Judas und seinem teuflischen Widerpart.
Für Regisseurin Gina Fischer ist Judas Opfer und Täter zugleich. Das Stück lädt in ihren Augen zur kritischen Selbstüberprüfung ein: «Was ist Schuld, wie äußert sich das und unter welchen Bedingungen kann man freigesprochen werden? Glauben wir an eine Hölle, die nach dem Tod auf uns warten könnte und beeinflusst diese Vorstellung unser Verhalten? Und schließlich: Wer oder was steht heute für das Böse?» In ihrer Inszenierung werden eine Vielzahl aktueller Themen berührt: die Ölkatastrophe im Golf von Mexico, der Fall Bischof Mixa, Börsencrash und Tierversuche, Hitler, die Atombombe und natürlich der 11. September, der als Premierentermin absichtsvoll gewählt wurde: Im Nachgang der Terroranschläge wurde einer neuer Krieg des Guten gegen das Böse ausgerufen.
Im Mittelpunkt ihrer Inszenierungsarbeit steht für Gina Fischer die Frage, woran Menschen tatsächlich glauben und woher ihre Vorstellungen von Gott, dem Teufel und der Hölle stammen. «Wenn ich junge Menschen frage, ob sie wissen, wer Judas war und was der Judaskuss ist, bekomme ich selten die richtige Antwort», weiß sie zu berichten. Was Glauben und Religion heute noch bedeuten können, ob es Gott gibt und die Hölle - sind zentrale Fragen des Stückes über die das Inszenierungsteam mit den Zuschauern auch über den Theaterbesuch hinaus ins Gespräch kommen möchte. Es werden daher zu jeder Aufführung Fragebögen verteilt, auf denen die Besucher eingeladen sind, ihre Vorstellungen von Schuld, Vergebung, Gut und Böse zu äußern. Die Ergebnisse der Befragung sollen einen Einblick in aktuelle Wert- und Normvorstellungen ermöglichen, sowie einen Eindruck über Glaubensgrundsätze unserer heutigen Gesellschaft vermitteln und werden auf der Internetseite des TAM bzw.im Rahmen des Bundesprojektes «Vielfalt tut gut» - welches die Inszenierung fördert - veröffentlicht.
Der englische Autor Rob Ballard hat sich mit respektlos-amüsanten Bearbeitungen berühmter Vorlagen wie beispielsweise «Ben Hur» in England und im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht. «Good day in hell» wurde 2004 am Staatstheater Braunschweig erstmals in Deutschland aufgeführt.
Weitere Vorstellungen finden am Sonntag, 12. September und am Donnerstag, 16. September um jeweils 19.30 Uhr statt.
Karten für die Premiere und weitere Infos sind per Mail unter Kontakt@TheaterAmMarkt.de oder telefonisch unter 03691 - 7409470, der Nummer des Theaterbüros, erhältlich. (pm/tam/rbr) | |