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Hans-Joachim Ursinus feiert seinen 65. Geburtstag
Do 21.01.2010 09:28
 Er prägte den Männehandball in Eisenach über viele Jahre
Eisenach - Hans-Joachim Ursinus prägte über viele Jahre den Männerhandball in Eisenach, wirkte in zwei unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlicher Länge als Trainer. Vom September 1974 bis April 1992 war er Cheftrainer der Erstliga-Handballer der BSG Motor Eisenach und des nach der Wiedervereinigung gegründeten ThSV Eisenach. Motor Eisenach lehrte in der DDR-Zeit als BSG-Mannschaft den ungeliebten Sportclubs das Fürchten, insbesondere bei den Heimspielen in der Jahnsporthalle, am Ausweichort Erfurt (Beethovenhalle) und dann in der neu erbauten Sporthalle Katzenaue.
In der Jahnsporthalle wurde der frisch gebackene Europapokalsieger SC Magdeburg von einer entfesselt auftrumpfenden Motor-Mannschaft mit 9 Toren Differenz bezwungen! Mit Hans-Joachim Ursinus am Ruder schaffte Motor Eisenach mehrfach den Einzug in die Endrunde um den FDGB-Pokal und qualifizierte sich für die zweigleisige 1. Handballbundesliga nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
Der Diplom-Sportlehrer und A-Lizenz-Inhaber kehrte im November 2006, als das ThSV-Schiff in Richtung Regionalliga abzudriften drohte, noch einmal auf die Bank des Handball-Zweitbundesligisten zurück und schaffte mit seiner Crew den Ligaverbleib. Im November 2008 ereilte Hans-Joachim Ursinus der für Handball-Eisenach typische Herbstfluch, endete seine zweite Amtsperiode.
Der in Meißen geborene Handballenthusiast war von 1963 bis 1974 in Leipzig aktiv, Europapokalsieger mit dem Team der DHfK, bevor er unter die Wartburg wechselte.
Er war neben seiner Eisenacher Zeit Trainer des VfL Günzburg (1992/93), von MT Melsungen (1993/94), zwischen 1994 und 2002 mehrfach Cheftrainer Handball der SG Werratal 92, vom Juli 2002 bis Frühjahr 2006 Cheftrainer beim Nord-Zweitbundesligisten HSG Niestetal/Staufenberg. Nach seinem zweiten Engagement in Eisenach fungierte er als Coach bei Regionalligist HSV Bad Blankenburg (bis zum Frühjahr 2009). Hessens Oberligist Bad Hersfeld sicherte sich kürzlich die Dienste des Handballlehrers.
Am Donnerstag, 21.01.2010 feiert Hans-Joachim (denn fast alle nur Achim rufen) Ursinus - man glaubt es kaum - seinen 65. Geburtstag. Er ist damit in einem Alter, indem sich einige zur Ruhe setzen, andere, wie Fußball-Trainerkollege Jupp Heynckes, sich anschicken, mit Bayer Leverkusen nach der deutschen Meisterschaft zu greifen.

Ein Leben für den Handballsport - Wir sprachen mit dem Jubilar Hans-Joachim Ursinus (das Gespräch führte Thomas Levknecht)

Ein Leben für den Handballsport. Was ist das Positives, was als Negatives haften geblieben?
Hans-Joachim Ursinus: Ein Leben ohne Sport kann ich mir nicht vorstellen. Insbesondere der Handballsport hat eine rasante Entwicklung genommen. Er ist eine echte Herausforderung für Spieler, Trainer und begeistert die Zuschauer. Meine berufliche Entwicklung, die mit 23 Jahren als Hochschullehrer an der Sporthochschule in Leipzig begann, sich mit 29 Jahren in der 1. Liga als Trainer fortsetzte und mich nun über drei Jahrzehnte bekleidet - im Kurzfazit: eine tolle Zeit. Negatives? Jeder Abschnitt hatte Sonnen- und Schattenseiten, aber das zeichnet das Leben aus und macht stark. Hinfallen, aufstehen und weiterkämpfen, das hat mich geprägt.

Wer prägte Ihre ganz persönliche Entwicklung? Wer waren Ihre unmittelbaren Weggefährten in all den Jahren?
Hans-Joachim Ursinus:
Zuerst ganz klar mein Vater. Er hat mir die Liebe, den Ehrgeiz und den Enthusiasmus für den Handballsport vermittelt und meine Mutter hat alles begleitet, was manchmal auch nicht ganz einfach war.
Als Leistungssportler beim europäischen Spitzenverein SC DHfK Leipzig prägte mich Paul Tiedemann, damals einer der weltbesten Handballer, als erster 100 Länderspiele absolvierend, zunächst als Mitspieler, danach als mein Club- und Auswahltrainer Paul Tiedemann; später Eisenachs Handball-Legende Trainer Werner Aßmann, der mich als Spieler in die Wartburgstadt holte. Während meiner Zeit bei Motor Eisenach mein langjähriger Weggefährte als Mitspieler, Mannschaftskapitän und Co-Trainer Rainer Osmann; mit ihm als Partner verband mich von1974 an über fast zwei Jahrzehnte eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Freundschaft.
Als ich zum ThSV zurückkehrte, im November 2006, der Verein am Abgrund des Leistungshandballs stand und der Fortbestand auf allen Ebenen abgesichert werden musste, half mir mein ehemaliger Mannschaftskapitän Detlef Henkel als Co-Trainer in vielfältiger Weise. Diesen Wegefährten bin ich besonders dankbar.
Auch meine Erfahrungen, die ich extern bei den Bundesligamannschaften in Günzburg, Melsungen und Kassel gesammelt habe, möchte ich nicht missen. Dort habe ich meine persönliche Komfortzone verlassen müssen und konnte mich unter teilweise schwierigen Bedingungen durchsetzen. Viele Spielerpersönlichkeiten aus aller Welt bleiben mir aus dieser Zeit in guter Erinnerung.

An welchen ihrer Schützlinge erinnern Sie sich besonders gern, an welche etwas weniger?
Hans-Joachim Ursinus: An erster Stelle und für immer in meinem Gedächtnis bleiben die Sportler mit einem echten Handballherzen in der Brust. Das waren ganz klar fast alle Spieler und Betreuer, die das Trikot der ehemaligen BSG Motor Eisenach trugen. Einsatzstark, begeisterungsfähig, Leute zum Anfassen, nicht immer einfach in der Auseinandersetzung, aber echte emotionale Kerle!
Hier Namen zu nennen, würde bedeuten andere Nichtgenannte unberechtigt zurückzusetzen.
Weniger gern erinnere ich mich an linke Typen, Egoisten, Weicheier und Schönlinge, die versuchen, im bezahlten Handball ihre Füße in die Tür zu stellen. Bei einer schwachen Vereinsführung können diese Typen viel Macht ausüben. Der Trainer ist dann der erste Angeklagte; «angeschissen» ist aber der ganze Verein, deren Fans, Sponsoren und nicht zuletzt die Verantwortlichen, die oft zu zögerlich reagieren und das Spiel mitmachen…

Was würden Sie, mit der Reife eines 65-jährigen anders machen?
Hans-Joachim Ursinus: Da werde ich in der Zukunft mehr Zeit haben, um über diese Frage nachzudenken. Bis jetzt verlief mein Leben zumeist auf der Überholspur. Immer interessant, herausfordernd, nie langweilig, mit tollen Menschen an meiner Seite.
Ich will der Frage aber nicht ausweichen. Wenn ich ein Ziel verfolge, kann ich sehr unbequem, offen und direkt werden, wenn man das Projekt verantwortungslos aufs Spiel setzt. Daher wurde meine Person oft stark polarisiert. Anerkennung oder Ablehnung, dazwischen war für viele gratwandernde Fans zuletzt wenig Platz. Diplomatie der heutigen Prägung ist nicht mein Ding. Auch wenn ich mir dadurch nicht immer Freunde gemacht habe und mein Leben nicht leichter wurde, ich kann in meinen Spiegel schauen!

Zwei Mal Trainer in Eisenach, mit dem Comeback im November 2006 und dem jähen Ende im November 2008. Wie bewerten Sie mit Abstand die beiden Amtsperioden in Eisenach?
Hans-Joachim Ursinus: Der erste Abschnitt, das waren 18 Jahre, nahezu 900 Spiele auf der Eisenacher Bank. Das ich dabei nur eine Handvoll der Spiele gefehlt habe, ist das größte Geschenk, was ich als Trainer bekommen konnte. Sportlich gesehen, dieser ungleiche, oft unfaire Wettbewerb gegenüber den Sportclubs, mit den vielfachen Höhepunkten beste BSG-Mannschaft, Teilnahmen an der Pokalendrunde und bekleidet von der fanatischen Handballbegeisterung des Eisenacher Publikums, egal in welcher Halle wir auch spielten. Wir schwammen zusammen gegen den Strom und das machten wir Eisenacher sehr gut!
Auch die zweite Amtsperiode, die nach vielen Vorurteilen zustande kam, habe ich insgesamt in positiver Erinnerung. Ich bin sehr dankbar, dass sich für mich noch einmal ein Traum erfüllte und ich dem Eisenacher Handball mit meinen Mitstreitern helfen konnte. Dieser Abschnitt hat mir viel Freude bereitet. Der Abschluss war nicht schön. Es tat weh, eine Sache nicht zu vollenden, aber auch in einer Träne kann sich die Sonne spiegeln.

Viele Jahre im Rampenlicht der Bundesliga, nun, im Herbst Ihres Lebens, noch einmal bei einem Oberligisten angeheuert; was treibt Hans-Joachim Ursinus an, diese Aufgabe zu übernehmen?
Hans-Joachim Ursinus: Beweisen muss ich mir nichts mehr, aber der Ehrgeiz ist ungebrochen. Körperlich fühle ich mich absolut fit und tue auch täglich sehr viel dafür. Wenn die Vorbereitung gut läuft, werde ich dieses Jahr wieder am Rennsteiglauf teilnehmen. Ich habe es ein knappes halbes Jahr ohne Handball ausprobiert. Es hat mir was gefehlt. Da kam das Angebot aus Bad Hersfeld genau richtig. Die Handballbegeisterung aus Bad Hersfeld/Eitraer Erstbundesligazeiten ist mir noch in bester Erinnerung. Dort möchte ich mit Teilschritten noch was bewegen.

Mit wem feiern Sie Ihren Geburtstag?
Hans-Joachim Ursinus: Zuerst leise in kleiner Runde, im familiären Kreis mit meiner Lebensgefährtin, meinen Söhnen, Enkelchen und mit guten Freunden.
Dann abgestimmt auf den Spielplan an einem spielfreien Wochenende, mit voller Kapelle. So war es immer; der Handball hat eben Priorität.

Sieht man Sie zu den Heimspielen des ThSV Eisenach als Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle?
Hans-Joachim Ursinus: Zuerst musste ich Abstand gewinnen, Vorkommnisse analysieren und verarbeiten.
Jetzt bin ich mit meinen Söhnen gern zu den Spielen in der Werner-Aßmann-Halle.
Ich wünsche der Mannschaft, dass sie an die guten Heimleistungen der vergangenen Spiele in der Rückrunde anknüpfen kann.

Was trauen Sie der deutschen Auswahl bei der EM zu?
Hans-Joachim Ursinus: Ich hoffe auf ihre Steigerungsfähigkeit, aber ich sehe die momentane Auswahlsituation eher skeptisch. Mir fehlt der Regiespieler, der nicht nur mit Worten versucht zu überzeugen, sondern mit Taten am Start ist. Natürlich drücke ich dem Team und Heiner Brand beide Daumen. Der deutsche Handball braucht für alle Alterstufen und Spielklassen eine erfolgreiche Nationalmannschaft. (lev/rbr)

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