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Geschichte des Wingolfdenkmals
Die Anlage wird gegenwärtig saniertDo 05.06.2003 10:33
Die Anlage wird gegenwärtig saniert
 Am südlichen Ende des Pfarrberges überwindet eine imposante Treppenanlage die letzten Höhenmeter bis zur Domstraße. Geprägt wird das Treppen-Halbrund durch das Wingolfdenkmal. Der Wingolfsbund ist eine studentische Vereinigung, die in ganz Deutschland ihre Anhänger hat. Seit 1850 trafen sich die Wingolfiten regelmäßig zu ihren Jahrestagungen am Fuß der Wartburg. Am letzten Wochenende feierten sie in Eisenach ihr 69. Wartburgfest.
Eisenach - Am Ende des 19. Jahrhunderts erwuchs aus dieser Tradition der Wunsch, den Gefallen des Bundes aus dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 ein Denkmal in Eisenach zu setzen. Nur eines halben Jahres bedurfte die Umsetzung des Planes. Am 25. Mai 1899 erfolgte die Enthüllung des Monumentes. An der Stelle, wo sich die Treppe in zwei Aufgänge teilt, erhob sich fortan eine halbrunde Natursteinmauer. Sie wurde geziert vom Relief eines überlebensgroßen geflügelten Genius (später auch Engel genannt), der in seiner Rechten einen Palmenwedel, in seiner Linken einen Eichenzweig hielt. Die Figur beugte sich über einen Schild, der das Wappen des Wingolfs trug. Darunter fand sich die Inschrift: «Den 1870/71 gefallenen Brüdern, den Streitern für Deutschlands Einheit und Größe. Der Wingolfbund». Geschaffen hatte das Denkmal, welches in der Württemberger Metallwarenfabrik in Geisslingen gegossen worden war, der Berliner Bildhauer Friedrich Pfannschmidt.
Seit 1927 diskutierte man in den Reihen des Wingolfs den Plan, ein weiteres Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu errichten, welches ebenfalls in Eisenach stehen sollte. Als Standorte zog man zunächst den Lutherplatz, später die Nordwand der Georgenkirche in Erwägung. Schließlich entschied man sich, nicht zuletzt, weil das «alte Wingolfdenkmal» inzwischen marode geworden war, es durch ein neues, das den Toten von 1870/71 und 1914/18 gewidmet sein sollte, zu ersetzen. Die Einweihung des umgestalteten Monumentes erfolgte am 20. Mai 1932. Die Treppen hatte man verbreitert; unzeitgemäße romantische Aufbauten, wie die Zinnen auf der halbrunden Mauer, wurden beseitigt. Den «Genius» ersetzte man durch ein schlichtes Kreuz auf wuchtiger Steinplatte mit dem Text: «Seinen Toten 1870-1871/ 1914-1918. Der Wingolf.» Der Gestaltung lag ein Entwurf des Bildhauers Brüllmann aus Stuttgart zu Grunde. Die bauliche Umsetzung erfolgte durch die Eisenacher Firma Georg Schröder; die gärtnerischen Arbeiten besorgte die Firma Trunk.
Der bronzene «Genius» wurde bis 1940 noch in der mittleren Toreinfahrt zum Stadtschloß am Markt präsentiert, ehe er der «Reichsmetallspende» zum Opfer fiel.

Sanierung des Wingolfdenkmals
Das Wingolfdenkmal in Eisenach mit der imposanten Treppenanlage wird seit dem 8. Mai einer umfassenden Sanierung und Restaurierung unterzogen.
Zur Sanierung werden das Natursteinmauerwerk aus Wartburg-Konglomerat sowie auch die Granitsteinplatten der Stufen und Treppenpodeste vollständig abgenommen und gesichert. Darunter wird die Konstruktion der Anlage mit Stahlbeton neu aufgebaut. Anschließend wird das ursprüngliche, gereinigte Mauerwerk wieder als Verblendung angebracht. Der Aufbau der Treppenstufen und -podeste erfolgt ebenso mit den vorhandenen Granitsteinplatten, so dass das äußere Erscheinungsbild der Denkmalanlage originalgetreu wiederhergestellt wird. Alle Arbeiten wurden vor Baubeginn mit der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt.
Die Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf den unteren Treppenbereich. Dort sind bereits die Granitplatten abgebaut und es wird an der neuen Untertreppe gearbeitet. Erste Mauerwerksteine wurden auch an der Rotunde an der Domstraße abgenommen. Mit Hilfe eines Krans werden ab Anfang Juni von der Domstraße aus die noch vorhandenen Treppen und Mauerwerksteine der Treppenanlage zum Pfarrberg hin entfernt. Ist der Denkmalteil zwischen Domstraße und Pfarrberg beendet, wird in einem zweiten Bauabschnitt auch der obere Teil der Treppenanlage, die bis zum Hainweg reicht, saniert.
Vorgesehen ist, dass bis Ende Oktober 2003 das Wingolfdenkmal vollständig wiederhergestellt ist.
Die Gesamtkosten für die Sanierung der Denkmalanlage einschließlich der Planungsleistungen wurden mit 540000 Euro veranschlagt. Der Freistaat Thüringen fördert die Maßnahme über zwei Landesförderprogramme mit insgesamt 486000 Euro (90 Prozent). Den zehnprozentigen Eigenanteil der Stadt finanziert der Verband Alter Wingolfiten e.V., der mittels einer großzügigen Spendenaktion seiner Mitglieder 54000 Euro zur Verfügung stellt. (pm/stv/rbr)

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