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 | Bildquelle: Stadtverwaltung Eisenach

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Bildquelle: Stadtverwaltung Eisenach

Avital Ben Chorin ist tot: Eisenach trauert um seine Ehrenbürgerin

Am 6. Oktober ist die Eisenacher Ehrenbürgerin im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilte ihre Familie aus Jerusalem mit. Oberbürgermeisterin Katja Wolf würdigt Avital Ben-Chorin. „Trotz leidvoller Erfahrungen hat sie stets den Gedanken der Versöhnung und der Partnerschaft von Israelis und Deutschen, von Juden und Christen gepflegt. Eisenach wird ihr Andenken in Ehren bewahren“.

Als Tochter von Alfred und Herta Fackenheim wurde Avital, damals Erika, 1923 in Eisenach geboren. Ihr Großvater war der in der ganzen Region beliebte und geachtete Arzt Dr. Julius Fackenheim.

Erika war 13, als sie 1936 Deutschland aufgrund der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung verließ. Im damaligen Palästina, dem späteren Israel, fand sie eine neue Heimat. Und doch blieb sie, die seit 1943 mit dem großen jüdischen Religionsphilosophen Shalom Ben-Chorin verheiratet war, Eisenach immer verbunden. Getragen von dem Geist einer christlich-jüdischen Verständigung besuchte sie 1986 mit ihrem Mann auf Einladung der Kirche erstmals wieder Eisenach. Es war eine Begegnung, die ihr nicht leicht fiel. Immer wieder bewegte sie damals beim Anblick älterer Eisenacher die Frage, ob und inwieweit dieser oder jener vielleicht in die Judenverfolgung damals verstrickt gewesen sein könnte.

Die Erinnerung an jenen Lehrer, der sie an der damaligen Charlottenschule mit nahezu pathologischem Hass verfolgt hatte und dem sie 1936 entfloh, saß tief. Und dennoch kehrte sie nach 1986 immer wieder in ihre alte Heimat zurück. Dabei spielte ihre feste Überzeugung eine Rolle, dass man die Enkel nicht für die Taten der Großeltern verantwortlich machen könne. Sie hoffte im Hinblick auf die notwendige Aussöhnung auf die junge Generation. So überrascht es nicht, dass sie später eine besondere Beziehung zu den Schülern und Lehrern ihrer früheren Schule, der heutigen Goetheschule, pflegte.

Ihre Besuche in Eisenach waren für alle Beteiligten immer emotionale und gedanklich besondere Begegnungen, sei es zu den Eisenacher jüdischen Begegnungswochen 1995, 1999 und 2001, zu den Gedenkveranstaltungen am 9. November, zu Veranstaltungen der Goetheschule oder zu öffentlichen Vorträgen. Ihre Beziehung zur Wartburgstadt war aber auch getragen von ihrer Jahrzehnte andauernden Jugendfreundschaft mit der Eisenacherin Christa Jordan, verheiratete Schill.

Ein ganz besonderer Moment war es, als ihr die Wartburgstadt am 11. August 2012 die Ehrenbürgerwürde verlieh; sie war die erste nach fast 50 Jahren, der diese Ehre zuteilwurde. „Trotz leidvoller Erfahrungen hat sie stets den Gedanken der Versöhnung und der Partnerschaft von Israelis und Deutschen, von Juden und Christen gepflegt“, begründete seinerzeit Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf die hohe Auszeichnung. Durch diese zutiefst humanistische Haltung hat Avital Ben-Chorin über drei Jahrzehnte hinweg auch die Menschen in ihrer Geburtsstadt Eisenach geprägt.

Die so Geehrte erwiderte anlässlich der Verleihung des Ehrentitels: „Mit mir stehen alle Eisenacher Juden hier, die Geschundenen und Gemordeten«, auch für sie nehme sie stellvertretend die Auszeichnung entgegen. Sie sei dankbar, überlebt zu haben und zur Versöhnung beitragen zu können.“

Nun ist die große Vermittlerin zwischen den Religionen, zwischen den Generationen zwischen den Nationen gestorben. Eisenach wird ihr Andenken in Ehren bewahren.

Kondolenzspende:
Auf Wunsch von Avital Ben Chorins Familie bitten wir ihr zu Ehren und zur Erinnerung an Avital und Schalom Ben-Chorin um eine Spende zugunsten von „Shevach“, dem Schalom Ben-Chorin Institut.
„Shevach“ möchte das für seine Zeit innovative und visionäre Denken und Handeln als Vermächtnis lebendig halten. Im Fokus stehen dabei der jüdisch-christliche wie deutsch-israelische Dialog sowie die Gründung der jüdischen Reformbewegung im Land Israel. „Shevach“ ist eine Initiative von Rabbiner Golan Ben-Chorin, dem Direktor des Israel Programms des Leo Baeck College, Enkel von Schalom Ben-Chorin und Sohn von Rabbiner Tovia Ben-Chorin.

Steuerbegünstigte Spenden für diese Initiative werden erbeten auf das Spendenkonto der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein e.V.:

Spendenkonto
Empfänger: GCJZ SH e.V. (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein e.V.)
Bank: Fördesparkasse
IBAN: DE74 21050170 0000 358601
BIC: NOLADE21KIE
Stichwort: Avital Ben-Chorin

Spenden bis zu 200 Euro können ohne amtliche Spendenquittung mit dem Einzahlungsbeleg der Überweisung beim Finanzamt eingereicht werden.

Für Zuwendungsbescheinigung bitte E-Mail und Postadresse angeben.
Kontakt: Ben-Chorin-Freundeskreis@begegnen.info

Steffen E. | | Quelle:

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