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Historiker-Vortrag zur Frage der Kriegsschuld

Die Bibliothek des Thüringer Museums/Stadtschloss Eisenach war gestern (20. August) gut gefüllt. Rund 50 Besucher waren gekommen, um den Vortrag des Historikers Dr. Bernd Jeschonnek zu hören. Er beschäftigte sich mit der nach wie vor umstrittenen Frage, warum der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist. Dr. Jeschonnek stellte heraus, in welchem starken Maße der Anspruch des Deutschen Reiches, nicht nur in Europa sondern auch in der Welt eine führende Rolle zu spielen, vorzugsweise Großbritannien herausfordern musste. Er ging auf die Außenpolitik Wilhelms II. ein, die Großbritannien, Frankreich und Russland antrieb, die Machtkonstellation in Europa entscheidend zu verändern und gegen Deutschland gerichtete Allianzen zu schließen. Und er zeichnete nach, warum sich insbesondere auf dem Balkan die Gegensätze zwischen den Großmächten mehr und mehr zuspitzten, bis sie 1914 den Ersten Weltkrieg auslösten.

„Die Großmächte sind entgegen einer weitverbreiteten Meinung nicht zufällig in den Krieg hineingeraten. Die deutsche Regierung hat einen erheblichen Anteil am Ausbruch des Ersten Weltkrieges, da sie Österreich-Ungarn darin bestärkte, Serbien anzugreifen“, so Dr. Jeschonnek. Das wiederum habe Russland dazu bewegt, sich Wien und somit Deutschland entgegenzustellen. „Jedoch darf die Schuld am Ersten Weltkrieg Deutschland allein nicht angelastet werden, worin sich das Gros der Fachhistoriker heute einig ist. Eine Mitverantwortung trugen auch Großbritannien und Frankreich, indem sie ihren Bündnispartner Russland nicht davon abhielten, das ‚Schwert zu ziehen‘. Sie ermutigten ihn vielmehr, gegen Österreich-Ungarn und Deutschland in die Schlacht zu marschieren“ erklärte Dr. Jeschonnek seinen Zuhörern.

Die anschließende Diskussion der etwa 50 Besucher ließ erkennen, dass der Erste Weltkrieg durchaus kein vergessenes Thema ist. „Er ist im öffentlichen Bewusstsein gerade im Kontext jüngster militärisch-politischer Entwicklungen in der Welt durchaus fest verankert“, so Dr. Jeschonnek.

Dr. Bernd Jeschonnek:
Der Historiker – er promovierte 1975 – hat bisher mehr als 100 Schriften vorgelegt, die sich vorzugsweise auf die Geschichte Frankreichs seit der Revolution von 1789 beziehen. Sein Lexikon „Revolution in Frankreich 1789-1799“ gilt im deutschsprachigen Raum als ein Standardwerk. Jeschonnek hat an zahlreichen wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere in Frankreich, teilgenommen. Er lehrte auch an der Freien Universität Berlin und an der Universität Potsdam.

Frank Bode | | Quelle:

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